
Zwei Niederlagen zum Auftakt – für viele junge Spieler wäre das bereits ein harter Dämpfer. Doch genau hier begann bei den Hessischen Einzelmeisterschaften der U10 die eigentliche Geschichte von Toni Japec und Lino Gattermann vom SC Bad Soden.
Der erste Turniertag verlief für beide alles andere als nach Plan. Frühe Rückschläge, schwierige Stellungen, zwei Niederlagen aus zwei Partien – und plötzlich findet man sich im hinteren Feld wieder. Gerade in einem so stark besetzten Teilnehmerfeld keine einfache Situation.
Und dieses Teilnehmerfeld hatte es in sich: Die Hessischen Meisterschaften der U10 wurden als geschlossene Meisterschaft ausgetragen – nur wer sich zuvor über Kreis- und Bezirksmeisterschaften qualifizieren konnte, erhielt überhaupt einen Startplatz. Entsprechend hoch war die Leistungsdichte im Feld.
Doch wer jetzt einen Einbruch erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt.
Am Samstag wurden beide Spieler auch von Elternseite wieder aufgebaut, gingen mit neuem Selbstvertrauen ans Brett und zeigten von Beginn an: Das Turnier ist noch lange nicht vorbei. Mit Mut, Kampfgeist und wachsender Stabilität arbeiteten sich Toni und Lino Runde für Runde zurück ins Feld.
Und das ist umso bemerkenswerter, wenn man sich die Ausgangslage vor Augen führt:
In einem 16-köpfigen Teilnehmerfeld gingen die beiden als Nummer 13 und 15 der Setzliste ins Rennen. Die Spitze des Turniers war hochkarätig besetzt – die ersten vier Spieler lagen bereits jenseits der 1500 TWZ, der spätere Sieger sogar deutlich darüber.
Trotzdem gelang beiden ein starkes Comeback:
- Toni Japec: 4 aus 7 Punkten, Platz 8
(Erwartete Punkte: 1,96) - Lino Gattermann: 3 aus 7 Punkten, Platz 11
(Erwartete Punkte: 2,21)
Beide übertrafen damit ihre Erwartungen klar und zeigten im Turnierverlauf eine deutliche Leistungssteigerung.
Der schwierige Start blieb dabei nicht ohne Folgen. Wer sich von hinten nach vorne kämpft, hat es schwer, eine hohe Buchholz-Wertung aufzubauen – und damit auch, noch weiter nach vorne zu rutschen. Doch das schmälert die Leistung kaum: Entscheidend ist, wie die beiden auf den Rückschlag reagiert haben.
An der Spitze setzte sich verdient der neunjährige Erik Ju aus Oberursel durch, der das Turnier souverän dominierte und bereits eine Spielstärke von rund 1700 aufweist – eine außergewöhnliche Leistung in diesem Alter. Dahinter war das Feld eng, viele Partien hart umkämpft – jeder Punkt musste erarbeitet werden.
Genau in diesem Umfeld bewiesen Toni und Lino, was im Schach – und darüber hinaus – wirklich zählt: Nicht der Start entscheidet, sondern der Umgang mit Rückschlägen und die beste Antwort zu finden.
Fazit:
Zwei Spieler, die sich in einem hochklassigen, nur über Qualifikation erreichbaren Teilnehmerfeld nicht haben hängen lassen, sondern zurückgekämpft haben – und damit ein starkes Zeichen für ihre weitere Entwicklung gesetzt haben. Viel Erfolg weiterhin!
Bericht von Marsel Japec




