Schachclub Bad Soden

 
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Aktuelle Nachrichten [zuletzt aktualisiert am 31. Oktober 2004 um 9:30 Uhr]

      Das 25-jährige Vereinsjubiläum:
Lesen Sie den großen Bericht im Archiv >>>hier

      Schacholympiade: Wachablösung im Weltschach

Gm Vishy Anand

Gm Vishy Anand (Indien) bei den Chess Classic Mainz 2004

Abonnementssieger Rußland, als Nummer 1 der Setzliste und Favorit bei der 36. Schacholympiade in Calvia (Mallorca) gestartet, musste sich der Mannschaft aus der Ukraine geschlagen geben und belegte hinter dem Team um GM Vassily Ivanchuk  sensationell nur den zweiten Platz.

Die russische Mannschaft wurde von Morozevich an Brett 1 angeführt, weiter spielten Svidler, Grischuk, Dreev, Khalifmann und Zvjaginsev für das russische Team.

Fehlanzeige gab es bei den bekannteren Namen: So verzichtete Kasparov auf einen Start und Judith Polgar (Ungarn) macht zur Zeit Baby-Pause. Weltmeister Kramnik (Russland) und sein Herausforderer Peter Leko (Ungarn) fehlten. Die FIDE, die Veranstalter der WM in Brissago und der Schach-Olympiade in Calvia hatten wieder einmal mehr demonstriert, dass interne organisatorische Schwierigkeiten durchaus kompetent fortgesetzt werden: Die Terminüberschneidung der WM in Brissago mit dem Weltschach-Ereignis in Calvia war das Ergebnis dieser Bemühungen.

Hinter Rußland schob sich das Team aus Armenien überraschenderweise auf Platz 3 und sicherte sich somit die Bronzemedaille. Auf Platz 4 plazierte sich das Team USA, gemäß Setzliste nur auf Rang 10 bewertet. Das deutsche Team erreichte Platz 16.

Das Team aus Indien etablierte sich unter der Führung von GM und Schnellschachweltmeister Vishy Anand in der Weltspitze auf Platz 6, nachdem sie bei der letzten Teilnahme an einer Schacholympiade 1992 in Manila noch auf Platz 22 der Welt rangierten (in der Besetzung Anand, Barua, Thipsay, Ravi, Prasad und Babu). Doch bei der diesjährigen Schacholympiade präsentierten sich das indische Team stark verbessert: Vishy Anand hatte sich mittlerweile mit 2781 ELO-Punkte auf Platz 2 der FIDE-Weltrangliste vorgearbeitet, auf den weiteren Brettern spielten mit Sasikiran, Harikrishna, Ganguly, Kunte und Sandipan stark verbesserte Großmeister.

Aufsteiger und Absteiger

Stefanova und Cmilyte

Viktorija Cmilyte aus Littauen (rechts) und Antoaneta Stefanova aus Bulgarien (links) bei den Chess Classic Mainz 2004

Bei den Herren erzielten einige Mannschaften ein besseres Ergebnis als ihre Papierform zu Anfang des Turniers erkennen ließ. Das Team USA verbesserte sich um 6 Ranglistenplätze (Differenz zwischen Setzliste und Endergebnis), Cuba um +11, Griechenland um +13 und Uzbekistan und die Schweiz um +16. Grosse Freude herrschte bei der Mannschaft um GM Eugenio Torre aus den Philippinen. Vor Beginn des Turniers waren sie auf Platz 40 gesetzt, am Ende landeten sie bravourös auf Rang 19, eine Ergebnisverbesserung um 21 Ranglistenplätze. Bittere Erfahrungen mussten England (-24), Schweden (-20), China (-18) und Frankreich (-11) machen: Sie erreichten nicht ihre Normal-Form und landeten auf niedrigeren Ranglistenplätzen als erwartet.

Bei den Damen gewann China in der Besetzung Jun Xie, Yuhua Xu, Xue Thao und Qian Huang erwartungsgemäss die Goldmedaille. Das Team aus den USA konnte sich die Silbermedaille sichern, Russlands Frauen kamen auf den dritten Platz und gewannen Bronze.

In der Wertung der an Brett 1 startenden Spitzenspieler kam GM Vishy Anand (Indien) mit einer Quote von 72,7% auf den 6. Platz, hinter Evgenij Ermenkow (Palästina), Andres Rodriguez (Uruguay), Michael Adams (England) Vassily Ivanchuk (Ukraine) und Oscar de la Riva Aguado (Andorra). Beste Spielerin an Brett 1 war Viktorija Cmilyte aus Litauen, gefolgt von der Ungarin Susan Polgar, die für das Team USA startete.

Ergebnisse Herren

Rang. Setz-Nr Team Anz + = - Wtg1 Wtg2
1 2 Ukraine 14 10 4 0 39.5 459.0
2 1 Russia 14 11 0 3 36.5 460.0
3 4 Armenia 14 8 4 2 36.5 459.0
4 10 United States 14 7 4 3 35.0 454.0
5 3 Israel 14 7 5 2 34.5 465.0
6 5 India 14 10 0 4 34.0 461.5
7 18 Cuba 14 8 2 4 33.5 456.0
8 8 Netherlands 14 9 1 4 33.0 428.5
9 20 Bulgaria 14 9 1 4 32.5 453.0
10 7 Spain A 14 8 3 3 32.5 439.5
11 24 Greece 14 7 1 6 32.5 427.5
12 9 Poland 14 6 4 4 32.0 445.5
13 29 Switzerland 14 5 6 3 32.0 442.5
14 30 Uzbekistan 14 8 2 4 32.0 440.5
15 26 Serbia Montenegro 14 6 2 6 32.0 435.0
16 13 Germany 14 6 4 4 32.0 430.0
17 23 Slovenia 14 10 1 3 32.0 427.5
18 17 Belarus 14 7 3 4 32.0 424.0
19 40 Philippines 14 8 1 5 32.0 422.5
20 19 Romania 14 6 5 3 32.0 419.5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ergebnisse Damen

Rang. Setz-Nr Team Anz + = - Wtg1 Wtg2
1 1 China 14 11 1 2 31.0 345.0
2 3 United States 14 10 3 1 28.0 350.5
3 2 Russia 14 9 3 2 27.5 346.0
4 4 Georgia 14 10 1 3 27.5 339.0
5 8 France 14 8 2 4 25.5 340.5
6 13 Hungary 14 8 3 3 25.0 348.5
7 12 Slovakia 14 8 2 4 25.0 337.0
8 27 England 14 7 2 5 25.0 334.5
9 6 India 14 8 3 3 24.5 352.0
10 7 Poland 14 7 3 4 24.5 340.0
11 14 Armenia 14 8 2 4 24.5 330.5
12 15 Netherlands 14 8 2 4 24.5 317.5
13 20 Lithuania 14 7 3 4 24.0 329.5
14 9 Bulgaria 14 6 4 4 24.0 329.0
15 24 Sweden 14 6 6 2 24.0 327.0
16 11 Serbia Montenegro 14 5 5 4 24.0 324.5
17 16 Germany 14 7 3 4 24.0 323.5
18 5 Ukraine 14 5 6 3 23.5 342.0
19 28 Slovenia 14 7 1 6 23.5 325.5
20 10 Romania 14 5 5 4 23.5 318.5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

      Runde 5 der Vereinsmeisterschaft

Georg Fidlschuster Schachclub Bad Soden

Georg Fidlschuster

Die 5. Runde der Bad Sodener Vereins- und U18-Meisterschaften endete am 28. Oktober. In der U18-Meisterschaft kam Tabellenführer Max Arnold durch einen Sieg mit den schwarzen Steinen gegen Georg Fidlschuster zu einem vollen Punkt und führt nun mit einem halben Punkt Vorsprung (4 Punkte aus 5 Spielen) vor Carsten Segesser und Michael Hoss, die sich im direkten Verfolgerduell mit einem Remis trennten. Beide haben damit nach 5 von 7 Runden jeweils 3,5 Punkte. Auf den Plätzen 4 bis 7 folgen Marcel Markert, Georg Fidlschuster, Valerio Bello und Florian Siewecke mit 3 Punkten. In der nun folgenden 6. Runde spielen in den Partien Arnold Max gegen Michael Hoss und Marcel Markert gegen Carsten Segesser die vier Erstplatzierten gegeneinander. Es bleibt also weiter spannend!

Auch in der Erwachsenen-Vereinsmeisterschaft ist nach der 5. Runde nichts entschieden. Ulrich Götting unterlag mit Weiss etwas unglücklich gegen Hans-Walter Schmitt. In einem schwierigen Schwerfigurenendspiel geriet er in Zeitnot und übersah schließlich einen Spieß, der ihn die Dame und damit die Partie kostete. Bei korrektem Spiel wäre hier wahrscheinlich ein Remis durch Dauerschach eingetreten. Am selben Abend endete die Partie Gunnar Philipp gegen Geir Smith-Meyer mit 1-0. Schwarz erlangte aus der Eröffnung heraus eine überlegene Stellung, die er jedoch nicht ausnutzen konnte. Mit dem Übergang ins Mittelspiel konnte Weiss einen Bauern gewinnen und es kam zum Endspiel Läufer gegen Springer, das Weiss durch ein Versehen für sich entscheiden konnte. Auch hier wäre es bei bestem Spiel zum Remis gekommen. Turnierfavorit Hans-Walter Schmitt führt nun die Tabelle knapp aufgrund der besseren Buchholzwertung an. In der nächsten Runde kommt es zu den interessanten Paarungen Schmitt gegen Großjohann und Bittner gegen Philipp, durch die es bereits zu einer Vorentscheidung kommen könnte. Die aktuellen Ergebnisse und Tabellen gibt's >>>hier

Die 6. Runde soll bis zum 26. November gespielt werden, es gibt also wieder 4 Wochen Zeit. [Bericht von Dr. Gunnar Philipp]

      Gut aufgepaßt.

Kurt Fredershausen (rechts) Hans-Walter Schmitt (links)

Kurt Fredershausen beweist einmal mehr seine ansteigende Lernkurve.

Beim Jubiläums-Trainingsseminar mit GM Artur  Jussupow tauschte er noch einige Theorie-Tipps mit Hans-Walter Schmitt aus, machte sich fleissig Notizen über die Beispiele aus der Grossmeister-Praxis und setzte dies dann zur allgemeinen Überraschung gleich um, als er im anschliessenden Simultan ein kaum erwartetes Remis gegen GM Jussupow erzielte.

Jetzt sammelte er wieder wertvolle Turnierpraxis und nahm als einziger Spieler des Schachclub Bad Soden beim 2. Eschborner Open teil.

Fredershausen erzielte in einem Teilnehmerfeld von 70 Spielern (Durchschnittliches DWZ-Niveau: 1667) einen vollen Punkt aus fünf Partien und konnte damit seine DWZ-Wertung weiter stabilisieren (DWZ 1241).

Sieger wurde der nun für Gernsheim startende Frank Drill, als beste Dame kam Julia Schlein punktgleich auf den vierten Platz der Gesamtwertung.

      Im Spiegel der Schachgeschichte: Das 80-jährige Vereinsjubiläum von Frankfurt-West:

Prof. Dr. Lothar Gall - Frankfurter Historiker

Als Markus Busche und die Vereinsfunktionäre vom Schachclub Frankfurt-West ihre Einladungslisten zur Jubiläumsfeier zusammenstellten, hatten sie natürlich auch den Guru der neueren Deutschen Geschichte und Professor an der Uni Frankfurt, Dr. Lothar Gall im Visier.

Gall hat wie selten ein anderer Historiker vor ihm die Zusammenhänge der Geschichte nicht nur ex cathedra gelehrt, sondern auch in einer Reihe von Veröffentlichungen über die Biographien namhafter und geschichtsbeeinflussenden Persönlichkeiten geschrieben und diese einem breiteren Publikum zugänglich gemacht, so z.B. über den Bankier Hermann Josef Abs oder den "weissen Revolutionär" Bismarck. Bismarck war in Frankfurt wohl bekannt, residierte er doch als Preussischer Gesandter in der Bockenheimer Landstrasse im Frankfurter Westend.

Wenn dann Gall seine Terminschwierigkeiten gelöst hätte und am 21. Oktober 2004 in der Stadthalle von Frankfurt-Zeilsheim zur Jubiläumsveranstaltung gekommen wäre, ja dann hätte er als Historiker sicherlich seine Freude gehabt: Ausnahmslos berichteten die Offiziellen und Gastredner über die verschiedenen Aspekte der Schachgeschichte im Rhein-Main-Taunus-Gebiet und nur selten wurde die sonst so vereinstypische Nabelschau betrieben.

Markus Busche (rechts) gratuliert dem Jubilär Hans Koch zur "Goldenen Ehrennadel"

Doch bei Hanns Koch hätten sie auch keine plausiblen Ausreden mehr gehabt: Als Geburtstagskind feierte er heute seinen 80. Geburtstag und wurde obendrein mit "Ehren-Urkunde", Blumenstrauß und "Goldener Ehrennadel" vom Vorsitzenden Markus Busche beglückwünscht.

Dann zündeten die Redner der Jubiläumsfeier ein Feuerwerk zur Historie des Schachspiels in der Rhein-Main-Taunus ex cathedra ab, ausnahmslos aus dem Stegreif und unvorbereitet gehalten.

Im neuen "Schach960" ist es eben auch so üblich, dass man nach der Zufallsauslosung der Ausgangsposition wirklich unvorbereitet in den Zweikampf geht wie ein Kapitän auf hoher See.

Dr. Harald Ballo

Der Schachclub Frankfurt-West ging aus einer Fusion der Vorgänger-Vereine Schachklub Unterliederbach 1924 und Schachclub Sindlingen 1925 hervor.

Professor Dr. Bauer vom SC Höchst 04 berichtete über den weltbekannten Schachspieler Bogoljubow und seine Spieltätigkeit in der Region. Er erläuterte die Hintergründe, wie der Föderalismus seinen Einfluss auf die Schachorganisationen der Länder hatte und wie um Personen, Posten und Priviliegien taktiert wurde. Bei dem Geschachere um die Verbände Mittelrhein, Rheinhessen, Nordrhein-Westfalen und Hessen stand die Förderung des Schachspiels sicherlich nicht an erster Stelle der Interessenliste.

Dr. Ballo als Vertreter des Hessischen Schachverbandes hob die Bedeutung der Schach-Region hervor. Die Veranstaltung des Schachkongreß des Deutschen Schachbundes 2005 in Offenbach ist davon nur ein Beispiel. Als Ballo die Stadt Offenbach als "Zentrum Hessens" bezeichnete, überkam Fairness, Toleranz  und Gastfreundschaft das Denken der Jubiläumsgäste - lediglich ein leichtes Schmunzeln ging durch die Reihen. Welch ein positiver Gegensatz zur kürzlich vom Präsidenten des Deutschen Schachbundes Alfred Schlya vorgetragenen Konfrontation und Brüskierung der hiesigen Turnierveranstalter um Hans-Walter Schmitt.

Dr. Birgit Brendel

FM Dr. Birgit Brendel: Vereinsmeister bei F-West zeigte den Männern, wo's im Schach langgeht

Obwohl Hans-Walter Schmitt offiziell nur die Moderatoren-Rolle zwischen den Gastrednern übernommen hatte, verstand er es geschickt, in seinen Übergängen viele Aspekte der Schachgeschichte noch einmal aufleben zu lassen. So machte er deutlich, dass das bisher stärkstbesetzte ELO-Turnier der Schachgeschichte mit Kasparov, Anand, Kramnik und Ivantchuk in Frankfurt-Zeilsheim stattfand und dass die Geburtsstunde von Schach960 am 9.6.96 in Schöllbrunn im Spessart schlug und damit einige Wochen früher war als das vom genialen Erfinder Bobby Fischer geplante und letztlich geplatzte  historische Duelle in Buenos Aires.

Mit dieser historischen Einstimmung wurde der offizielle Jubiläumsteil beendet, rasch noch ein Foto für die Annalen gemacht und dann gings ab zum Schach960-Blitzturnier.

Dort trafen in der ersten Runde die beiden Chesstigers Hans-Walter Schmitt und Hans-Dieter Post aufeinander. Im Ringen um die Initiative schenkten sich beide Kontrahenten nichts und konzentrierten sich ganz unweltmeisterlich voll auf das Angriffsspiel - hier konnte Schmitt mit seiner Bauernumwandlung entscheidendes Material gewinnen und damit die Punkte aus der ersten Runde kassieren.

80-jähriges Jubiläum: Gruppenfoto mit Damen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorsitzender Markus Busche kann schon jetzt die Langfristplanung in Angriff nehmen: 2014 ist dann das 90jährige Jubiläum. Professor Dr. Gall wird dann mit 78 Jahren wohl erimitiert sein und kommt dann vielleicht zur Jubiläumsveranstaltung, wenn wieder soviel über die Geschichte des Schachs in der Region geplaudert wird.

Ergebnis des Chess960-Turnier

Kreuztabelle im Schweizer-System nach der 4. Runde

Nr.

Teilnehmer

TWZ

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

Punkte

Buchh

1.

Lipp,H.

 

**

 

1

 

1

 

1

 

1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4.0

10.0

2.

Armbruster, A.

 

 

**

 

1

 

 

1

 

 

 

 

 

 

 

1

 

1

 

4.0

6.5

3.

Niebling, F.

 

0

 

**

 

 

 

 

1

 

 

1

 

 

 

 

1

 

 

3.0

8.5

4.

Bonnaire, U.

 

 

0

 

**

 

 

 

1

 

 

 

1

 

 

 

1

 

 

3.0

8.5

5.

Busche, M.

 

0

 

 

 

**

 

 

 

 

1

1

 

 

1

 

 

 

 

3.0

8.5

6.

Brendel, B.

 

 

 

 

 

 

**

 

0

 

 

½

1

 

1

 

 

 

 

2.5

6.0

7.

Schmitt, H.-W.

 

0

0

 

 

 

 

**

 

 

1

 

 

 

1

 

 

 

 

2.0

11.0

8.

Reimer, O.

 

 

 

0

0

 

1

 

**

 

 

 

 

 

 

1

 

 

 

2.0

9.5

9.

Landkocz, M.

 

0

 

 

 

 

 

 

 

**

 

 

 

1

0

 

1

 

 

2.0

7.5

10.

Füll, K.-D.

 

 

 

 

 

0

 

0

 

 

**

 

 

 

 

1

 

1

 

2.0

6.5

11.

Drebes, G.

 

 

 

0

 

0

½

 

 

 

 

**

 

 

 

 

 

 

1

1.5

9.0

12.

Niebling, R.

 

 

 

 

0

 

0

 

 

 

 

 

**

 

 

 

 

1

½

1.5

6.5

13.

Wienecke,J.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

0

 

 

 

**

 

0

 

½

1

1.5

4.0

14.

Post, H.-D.

 

 

 

 

 

0

0

0

 

1

 

 

 

 

**

 

 

 

 

1.0

9.5

15.

Ostermeier,T.

 

 

0

 

 

 

 

 

0

 

0

 

 

1

 

**

 

 

 

1.0

9.5

16.

Rudniev, J.

 

 

 

0

0

 

 

 

 

0

 

 

 

 

 

 

**

 

1

1.0

8.5

17.

Haas, D.

 

 

0

 

 

 

 

 

 

 

0D>0

 

0

½

 

 

 

**

 

0.5

9.0

18.

Kutschera, P.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

0

½D>0

0

 

 

0

 

**

0.5

5.5

 

      Kramnik mit dem Rücken zur Wand: High-Noon bei der WM in Brissago

Gary Cooper verkörperte im Film "High Noon" wie kein Anderer den Showdown des Individuums gegen das Böse.

Kein Hollywood-Regisseur hätte ein spannenderes Drehbuch für das Finale der Schach-WM in Brissago schreiben können, was die Dramatik des letzten Aktes betrifft: Erinnerungen an den Showdown von Gary Cooper im Western "High Noon" werden wieder wach.

Die Ausgangslage war klar: Weltmeister Wladimir Kramnik liegt bei dem auf 14 Partien angesetzten Match vor der entscheidenden letzten Partie mit 6:7 Punkten hinter dem Herausforderer Peter Leko aus Ungarn.

Ein Sieg für Kramnik würde Punktgleichstand und damit die Titelverteidigung bedeuten, Leko müsste mindestens ein Remis mit Schwarz schaffen - dann wäre er der neue FIDE-WM und würde gemäss den "Prager Vereinbarungen" gegen den Sieger des nächsten Spitzenkampfs zwischen Gary Kasparow als Spieler mit der höchsten ELO-Punktewertung und dem Weltmeister Rustam Kasimdzhanov aus Uzbekistan.

Wenn Sie - lieber Leser - jetzt etwas verwirrt sind ob der vielen gleichzeitigen Weltmeister-Titelträger, so ist  das keine Schande. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wladimir Kramnik

Als Kramnik in der entscheidenden Partie mit e4 eröffnet, entscheidet sich Leko für die grundsolide Caro-Kann-Verteidigung (B12). Mit dem defensiven Rückzug 7. .... Ld7 wählt Leko eine eher vorsichtige Fortsetzung, die auf Turnierebene eher selten gespielt wird, so zuletzt bei der FIDE-Weltmeisterschaft der Frauen in Eliste zwischen Natascha Bojkovic aus Serbien & Herzogewina und Ketino Kachiani-Gersinska (Deutschland).

Leko war früh um Ausgleich bemüht und tauschte im 16. Zug bereits die Damen ab. Beide Kontrahenten verzichteten auf die Rochade und hielten ihren König im Zentrum.

Im Endspiel hatte Leko dann sogar zwei Mehrbauern Vorteil, aber Kramnik nutzte die grössere Beweglichkeit seiner Figuren und die offene Stellung des schwarzen Königs zum Gegenangriff aus - nach 41 Zügen gab sich Leko geschlagen.

Alter und neuer Weltmeister ist Wladimir Kramnik, bei Punktgleichstand von 7:7 bleibt aufgrund des Reglements der Titelverteidiger Weltmeister.

Hier können Sie die entscheidende 14. Partie nachspielen

      Remis pur - auch im Main-Taunus-Kreis

Friedliche Mienen danken es Ihnen:
Christian Hannemann (links) und Karl Geins (rechts) analysieren ihre Remis-Partie.

In der zweiten Runde der MTS-Mannschaftskämpfen gab es für die zehn Bad Sodener Mannschaften durchwachsene Ergebnisse. Einige Mannschaften gewannen nach Punkten, andere wiederum an Erfahrung.

Bad Soden 2 musste in Eppstein antreten und spielte gegen die starke 3. Eppsteiner Mannschaft. Roland Bettenbühl beendete erwartungsgemäss als Erster der acht Spieler seine Partie, mit einem Unentschieden gegen Hipler (DWZ 1486) war Bettenbühl schnell fertig.

Die anderen Spieler kämpften länger und in schwierigen Positionen, Hegner vergab einen Materialvorteil und verlor 0:1 gegen Goetz, Geier Smith-Meyer dachte ungewohnt lange und gründlich nach, was letztlich zu seinem Punktsieg gegen Leibrock führte. Ackermann und Wein trennten sich unentschiedern, Kenk gewann gegen Otto einen vollen Punkt und die Youngsters Julien und Christoph Leach sammelten wertvolle Erfahrungen, leider keine Punkte. Als der Mannschaftskampf schon zugunsten von Eppstein 3 entschieden war, kamen auch Christian Hannemann und der starke Senior Karl Geins (DWZ 1638) zur Einsicht, daß in ausgeglichener Stellung eigentlich ein Remis wohl verdient wäre.

      Genuß pur

Die 13. und vorletzte Partie der Schach-WM im Centro Dannemann in Brissago (Tessin) begann am Samstag, den 16. Oktober 2004: Peter Leko mit den weißen Figuren lag mit einem Punkt im Match vor Wladimir Kramnik, dem Titelverteidiger. Leko benötigte nur noch 1 Punkt aus zwei Partien - dann würde er Kramnik als FIDE-Weltmeister ablösen. Für genügend Spannung war also gesorgt. Als Leko mit d4 eröffnete, wählte Kramnik erstmals in diesem Match die Moderne Benoni-Verteidigung.

Peter Leko müsste eigentlich mit der Modernen Benoni Verteidigung sehr vertraut sein, hat doch sein ungarischer Landsmann IM Attila Schneider ein dreibändiges Standardwerk auf Ungarisch über diese Eröffnungstheorie geschrieben. Und die erste Übersetzung seines Buches in eine andere Sprache war eine deutsche Übersetzung.

Insel Islay in Schottland

Küste bei Portnahaven auf der
Insel Islay (Schottland)

Attila Schneider begründet es so: "Ich bin froh, daß mein Buch zuerst in Deutsch erscheint. Seinerzeit, als ich in Westeuropa regelmässig gespielt habe, verkaufte ich dort auch Bücher. Nach meinen Erfahrungen waren die deutschen Schachspieler die besten Kunden; kein Zufall, daß auch das Durchschnittsniveau im Schach bei ihnen am höchsten ist, ganz zu schweigen von der Elite! Ich bin schnell darauf gekommen, was der Grund dafür ist. Nichts anders, als die Mentalität der deutschen Menschen. Ich will jetzt andere Völker nicht beleidigen, aber ich habe die folgende Erfahrung gemacht: wenn in einem Nachbarstaat von ihnen ein Schachspieler wählen muß, ein Schachbuch oder eine Flasche Rotwein zu kaufen, kauft er in 9 von 10 Fällen den Rotwein. Ein anderes Beispiel: Es gibt ein Inselland in Europa, seinen Namen verrate ich nicht. Wenn sich dort ein Schachspieler entscheiden muß, ein Schachbuch zu kaufen oder drei Gläser Whisky zu trinken, trinkt er in 9 von 10 Fällen sechs Gläser Whisky, für die er bestimmt ein Schachbuch hätte kaufen können, und dann nochmals drei Gläser Whisky. Der deutsche Schachspieler kauft zunächst das Buch und zählt erst danach, wieviel Krüge Bier er trinken hätte können (oder etwa nicht?)".

Das Label von Bunnahabhain zeigt einen heimkehrenden Seemann am Steuer seines Schiffes und dem schottischen Balladen-Titel "Westering Home"

Vielleicht hat IM Attila Schneider keine persönlichen Reise- und Genuß-Erfahrungen in Schottland gemacht, denn dann wäre er sicherlich auf die hervorragenden schottischen Distillate, den Single Malt Whisky gestossen und hätte einer Degustation nicht aus dem Wege gehen können. Insbesondere auf der schottischen Insel Islay gibt es Single Malts, die nahezu jeder Whisky-Trinker mit geschlossenen Augen erkennen kann.

"Die von Seetangduft gesättigte Luft und das besondere Klima der Insel verleihen den Islay Malts ihren einzigartigen Charakter. Bunnahabhain ist der sanfteste und subtilste unter den Islay Malts. Die zurückhaltende Verwendung von Torf und das weiche Quellwasser der Insel kreieren ein unverwechselbares Aroma. Ein großer Teil der Produktion reift in ausgesuchten spanischen Sherryfässern und gibt dem Single Malt von Bunnahabhain seinen besonders milden und weichen Charakter", so beschreibt The Whisky Store den Islay-Malt.

Und was für den normalen Angelsachsen oder Westeuropäer eher wie eine Wanderbaustelle der Sprache klingt, wäre für einen Ungarn wie Attila Schneider, der sicherlich an lange und unaussprechliche Worte von Kind an gewöhnt ist, kein Problem. Der Single Malt Whisky Bunnahabhain kommt aus der Highland Distillerie in Port Askaig von der Insel Islay. Sogar in Kramnik's Heimat, dem eher dem Wodka-Genuss verschriebenen Russland, wird das schottische Erzeugnis in den höchsten Tönen gelobt:

"Свое труднопроизносимое название эта марка получила от галльского словосочетания «Boon-a-havn», что значит «устье реки». Действительно, винокурня находится прямо на морском берегу, недалеко от того места, где в него вливается небольшая местная речушка.

Как и многие другие, своим появлением винокурня обязана моде на виски конца прошлого столетия, когда смешивание различных сортов с целью получения новых смесей становилость все более и более популярным. Поэтому нет ничего удивительного в том, что основной упор сразу был сделан на продажу этого солода производителям купажированных марок.

В отличие от других винокурен, зародившихся стихийно, Bunnahabhain строилась по четкому плану. Была выбрана местность, наилучшим образом подходившая для начала производства, имеющая достаточные водные ресурсы и маршруты для доставки сырья на винокурню. Сделано было все для достижения максимального объема выпуска продукции."

Schachspielende Genußmenschen würden die Kaufentscheidung zwischen einer Flasche Bunnahabhain und einem Schachbuch von Attila Schneider wahrscheinlich eher ganz im Stil eines Springergabelangriffs auf Dame und König lösen: Eine Flasche Whisky und ein Schachbuch, bitte sehr. ( Warnung: Alkoholmissbrauch ist gesundheitsgefährdend. Genießen Sie in Maßen.)

Doch nun - ohne Whisky-Genuss - zurück zur Partie. Kramnik zog im 9. Zug seinen Springer auf die Grundlinie nach e8 zurück -  diese Zugfolge (A73) wird selten gespielt. Leko griff am Damenflügel an, nahm einen Isolani auf d4 sowie Doppelbauern auf der B-Linie in Kauf, Kramnik hingegen hatte eine solide Bauernformation am Damenflügel aufgebaut. Zunächst erfolgte Leko's Angriff am Damenflügel, Kramnik verteidigte umsichtig. Danach gelang es Kramnik mit Schwarz, die offene F-Linie zu aktivieren und einen Gegenangriff am Königsflügel zu initiieren. Leko bemühte sich, die schwarzfeldrigen Läufer abzutauschen, dadurch hätte er das Problem seines Doppelbauern auf b2 elegant gelöst - nur Kramnik machte ihm nicht den Gefallen.

Nach Damen- und Springerabtausch im 29. Zug war die Zeit für das Turm- und Bauernendspiel gekommen. Beide Kontrahenten hatten noch jeweils 6 Bauern auf dem Brett, doch Kramnik's Bauernformation am Damenflügel war sehr solide. Leko hingegen verfügte über zwei aktive Türme.

Theorie-Spezialist IM Attila Schneider kommentiert in seinem Buch "Die komplette Moderne Benoni-Verteidigung": "Die sich aus der Modernen Benoni-Verteidigung ergebenden Endspiele erfordern von Schwarz präziseres Spiel, als die aus vielen anderen Eröffnungen entstehenden Endspiele. Ursache dafür ist meistens die Schwäche des Bauern d6, die Schwarz schon in der Eröffnung auf sich genommen hat".

Und in der Tat - das Endspiel war scharf und präzise geführt. Nach 55 Zügen hatte Leko Freibauern auf b6 und g5, WM und Titelverteidiger Kramnik drohte mit Turm den Bauern auf b6 zu gewinnen und seinerseits mit einen Freibauern von c3 zur Damenumwandlung durchzumarschieren. Im 60. Zug opferte Leko seinen Turm gegen einen Bauern. Dann marschierte sein zweiter Freibauer auf der g-Linie, Kramnik konnte nur noch mit Turmopfer den Bauern von der Umwandlung abhalten, im 65. Zug war der spannende Kampf mit einem Remis zu Ende.

In der 14. und letzten Partie wird Kramnik das Alles-oder-Nichts-Gambit spielen müssen, Leko genügt ein Remis zum Matchgewinn.

Zum Nachspielen auf der offiziellen Veranstalter-Webseite aus dem Centro Dannemann: >>>Hier

Partie 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Stand
Kramnik 1 1/2 1/2 1/2 0 1/2 1/2 0  1/2  1/2 1/2 1/2 1/2   6,0
Leko 0 1/2 1/2 1/2 1 1/2 1/2 1  1/2  1/2 1/2 1/2 1/2   7,0

      Von Philosophen und Psychologen

Verena Kast, geboren 1943, studierte Psychologie, Philosophie und Literatur und promovierte in Jungscher Psychologie. Sie ist Professorin für Psychologie an der Universität Zürich, Dozentin am C.-G.-Jung-Institut in Zürich und Psychotherapeutin in eigener Praxis. Verena Kast ist Vorsitzende der internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie.

Wenn die Organisatoren der Schach-WM nach Carmen Kass ("Model of the Year 2003" und Präsidentin des Schachverbands von Estland) auch noch Verena Kast ins Centro Dannemann einladen würden, gäbe es für die Zuschauer nicht nur etwas für die Optik sondern auch für den Geist. Und für die im Appenzell geborene und nun in Zürich lebende Verena Kast wäre der Weg nach Brissago quasi ein Katzensprung.

Wenn nach den WM-Partien dann in der Presse-Konferenz angesichts der vielen Unentschieden und ähnlicher Eröffnungen (die geschlossene Ruy-Lopez-Eröffnung war zum wiederholten Mal auch in der 10. Partie auf der Tagesordnung) die Grenze vom Spektakel zur Langeweile überschritten wird, könnte die Stunde von Professor Dr. phil. Verena Kast schlagen. Die Psychologin, Verfasserin des Buchs "Das Recht auf Langeweile" würde problemlos den Bogen vom Philosophen Friedrich Nietzsche zur eigenen Forschung schlagen.

Als "Windstille der Seele" bezeichnete der Philosoph Friedrich Nietzsche die Langeweile. Er war der Ansicht, dass man ihr Stand halten, durch sie hindurch gehen muss, damit sich dahinter etwas Neues auftut. Ganz ähnlich argumentiert Verena Karst: Statt Ablenkung um jeden Preis, empfiehlt sie sich der Langeweile zu stellen, sich geradezu auf sie zu konzentrieren. "Was will mir die Langeweile sagen?", wäre also zu fragen. Es gilt die "lange Weile" zu akzeptieren und zu nutzen, um zu den eigenen Interessen zurückzufinden. Über kurz oder lang, erklärt die Psychologin, wird die Fantasie aktiv werden, wird die Innenwelt von allein in Bewegung kommen.  Quelle: Familienhandbuch. Literatur: Verena Kast Vom Interesse und dem Sinn der Langeweile. Walter, 2001 ISBN 3-530-42111-1.

So kämen die Zuschauer in den Genuss einer wissenschaftlich fundierten Erklärung der Langeweile - und die Schachgroßmeister wären ob der wissenschaftlichen Schützenhilfe zum Thema "Langeweile" dankbar, wenn sie dem zuhörenden Publikum in der Nach-Analyse zum wiederholten Mal die Feinheiten des Marshall-Angriffs erläutern müssen. Die zehnte Partie endete unentschieden.

      Dahinter steckt immer ein kluger Kopf

Die sonst so anspruchsvolle Zeitung mit dem bekannten Werbeslogan hat ganz selten die Klugheit des Schachspiels im Kopf, sieht man einmal von einer wöchentlich erscheinenden Kolumne von Roswin Finkenzeller ab.

Dort schreibt er über Gott und die Welt und das Leben, zum Ende schaffte er es dann noch irgendwie, auf eine Schachpartie hinzuweisen.

Doch Peter Lekos sensationeller Sieg über Kramnik in der achten WM-Partie scheint sich nun offensichtlich auch bis in die Stuben der Sportredaktion herum gesprochen zu haben.

Grund genug, dies zu würdigen. So schreibt die FAZ am 9. Oktober:

Partie für die Schachgeschichte:
Kramnik fällt Lekos Angriff zum Opfer
.

Natürlich sei er enttäuscht, sagte Wladimir Kramnik nach Ende der achten WM-Partie, aber es sei besser, so zu verlieren, denn dieses Spiel werde in die Schachgeschichte eingehen. Als Peter Leko im 26. Zug mit der Dame ins weiße Lager eindrang, glaubte der Russe zunächst, sein Herausforderer habe einen versteckten Weg zum Remis entdeckt. Nach und nach begriff Kramnik, daß ihm ein Zug fehlte, um seinen Plan zu krönen, und er statt dessen Lekos Angriff zum Opfer fiel. Anders als in den vorangehenden sieben Partien dieser WM im klassischen Schach gingen beide mit Risiko zur Sache. Kramnik ließ das scharfe Marshallgambit zu und brachte Leko mit seinem selten gespielten 16. Zug ins Grübeln. Nach seiner Erwiderung hatte der Ungar die Hälfte seiner Bedenkzeit aufgebraucht, während Kramnik weiterhin schneller als sein Herausforderer agierte. Offenbar folgte er einer Vorbereitung, die sich aber als löchrig erwies. Fixiert auf ein defensives Damenopfer, verpaßte er zwei Chancen, die Partie zu retten. Daß die Dame seines Gegners auf einem Feld eindrang, das einen Zug zuvor noch von dessen Läufer besetzt war, ist eine mögliche Erklärung für Kramniks Fehlkalkül. In den verbleibenden sechs Partien benötigt er zur Titelverteidigung einen Sieg mehr als Leko, der nun mit 4,5 : 3,5 führt. (fan.)

      Die World Chess Championship - Spiel #9:

Indeed a draw, it's a shame. GM Rainer Knaak, aus dem Live-Kommentator zum Remis im 9. Spiel. Spielstand: Kramnik - Leko 4 - 5 Punkte.
[9. Oktober 2004 - 18:20]

Direkter Link zur offiziellen Webseite:
World Chess Championship Peter Leko - Wladimir Kramnik

 

      Die World Chess Championship: Der Untergang der Titanic.

Lieutenant William McMaster Murdoch: Rettungsmaßnahmen auf der Titanic

In der achten Partie der Schach-WM standen sich die Kontrahenten mit jeweils 3,5 zu 3,5 Punkten in einem ausgeglichenen Score gegenüber, Leko musste mit den schwarzen Steinen volles Risiko spielen, Kramnik konnte sich ein weiteres Unentschieden mit den weißen Figuren leisten.

Kramnik wählte wie schon in diesem Match zuvor die geschlossene Variante der Ruy-Lopez-Eröffnung. In einem dynamischen Angriff am Königsflügel übte Leko Druck auf Kramniks Stellung aus, doch Leko brauchte dafür eine Stunde mehr Bedenkzeit. Nach 23.Qf2 ergab sich die unten rechts abgebildete Position.

Spätestens jetzt musste FIDE-Weltmeister Wladimir Kramnik sich wie Kapitän Smith auf der unheilvollen Jungfernfahrt der Titanic vorkommen. Der Eisberg war gesichtet, nach nur 37 Sekunden seit dem Alarmruf "Eisberg voraus" schrammte er ein Loch am Steuerbord in das als unsinkbar geltende Luxusschiff - der Anfang vom Ende.

Der Untergang I: "23.40 Uhr - Die 'Titanic' fährt mit 21,5 Knoten. Plötzlich erkennen die Ausguckmänner einen Eisberg in etwa 500 Meter Entfernung direkt voraus; er ragt 15-18 Meter über das Wasser.

Position nach 23. Qf2. Schwarz am Zug:
Wie gewinnt Peter Leko mit Schwarz?

Sie betätigen sofort dreimal laut die Alarmglocke und rufen zur Brücke hinunter: "Eisberg rechts voraus!" Der Sechste Offizier Moody auf der Brücke bestätigt den Alarm und gibt die Meldung an den Ersten Offizier Murdoch weiter, der instinktiv dem Steuermann 'hart Steuerbord' zuruft und den Maschinenraum anweist, die Maschinen zu halten und dann volle Kraft zurückzufahren.

Dann betätigt Murdoch den Hebel, der die wasserdichten Schotten unter der Wasserlinie schließt. Der Steuermann dreht das Rad, so schnell es geht. Die 'Titanic' giert nach Backbord, doch der Eisberg trifft die Bugseite an Steuerbord, schrammt das Schiff entlang und verschwindet wieder in der Nacht.

Mitternacht: Nach Unterrichtung von Kapitän Smith, der jetzt auf der Brücke steht, daß Wasser in die Laderäume 1, 2 und 3 und in den Kesselraum 6 fließt, besichtigt er den Schaden rasch zusammen mit Thomas Andrew. Dabei bittet er Andrew um eine Lagebeurteilung. Nach Andrews Berechnungen kann sich das Schiff nur noch eine bis eineinhalb Stunden halten. Der Bug der 'Titanic' fängt an zu sinken.

Das Schiff ist zum Untergang verurteilt. Kapitän Smith befiehlt, über den Schiffsfunk den Notruf CQD abzusetzen. Geschätzte Position der 'Titanic': 41°46'N, 50°14'W. Die Kessel werden stillgelegt, aus den Schornsteinen entweichen mit lautem Getöse riesige Dampfwolken. (Quelle: Der Untergang der Titanic)

Der Untergang II: Nach 23.Qf2 ging es dann Schlag auf Schlag wie weiland auf der Titanik: Kramnik machte wie zuvor Lieutenant Murdoch die Schotten dicht um einen weiteren Wassereinbruch zu verhindern, opferte seine Dame, drohte mit einem Freibauern auf a6 die Rückgewinnung per Bauernumwandlung. Doch Leko spielte konsequent weiterhin auf Angriff.

Der Schlusspurt: mit 2 Minuten und 40 Sekunden verbleibender Bedenkzeit zog Leko 32. h4, griff damit den Springer als zentrale wichtige Verteidigungsbastion an - Kramniks Position fiel wie die Titanic dem Eisberg zum Opfer. Er hatte noch 45 Minuten verbleibende Bedenkzeit, doch Lekos Angriffsposition war einfach zu übermächtig geworden. Leko geht damit erstmals in diesem WM-Match mit 4,5 zu 3,5 Punkten in Führung.

Play it again: Diese sehenswerte Partie können Sie >>>hier nachspielen. (Auch für Theorie-Ignoranten geeignet).

[Donnerstag, 7. Oktober 2004 18:45 Uhr]

Direkter Link zur offiziellen Webseite:
World Chess Championship Peter Leko - Wladimir Kramnik

      Mitgliederbestand: Erbarmen die Hessen kommen:

Im Hessenschach-Newsletter vom 6. Oktober 2004 schreibt Hans-Dieter Post:

MITGLIEDERBESTAND: Erbarmen die Hessen kommen!

Oh Badenser, Ihr ewigen Vierten in der Liste der mitgliederstärksten Landesverbände, zieht euch warm an, denn Hessen hat mächtig aufgeholt! Weniger als 200 Mitglieder noch, und Hessen ist endlich die ewige Position 5 los, die uns stets zusätzliche heiß begehrte Qualifikationsplätze bei Deutschen Meisterschaften kosten. Einfaches Prinzip: wenn jeder Verein nur ein Mitglied bis Ende des Jahres findet, passiv oder aktiv, dann sind wir an Baden vorbeigezogen! Aber auch innerhalb Hessens ist einiges in Bewegung und ein signifikanter Überholvorgang droht: Weniger als 100 Mitglieder trennen den Bezirk Main-Taunus noch von der Pole Position in Hessen (1188), obwohl auch der bislang größte Bezirk Main-Vogelsberg kräftig zulegen konnte (1275). Am stärksten beteiligt an diesem Zuwachs zwischen Frankfurt und Wiesbaden sind der SV Hofheim (119), der SC Steinbach (115) und jüngst auch der SC Frankfurt West (96). Aber selbst diese werden noch übertroffen vom SC Bad Soden, dem größten hessischen Verein mit 122 Mitgliedern. Da kommt einem irgendwie zwangsläufig der Aprilscherz von vor x- Jahren in die Erinnerung, als ein Großverein ZSKA Frankfurt (oder war es doch Torpedo Rhein-Main), gebildet aus Schöneck, Offenbach und der FTG das Licht der Vereinlisten- Welt erblicken sollte. Aber es sind natürlich nicht nur die Großen, die für einen Schub gesorgt haben, sondern es sind auch viele Anmeldungen von kleinen und mittleren Vereinen eingegangen, wobei im Jugendlichen- Bereich die meisten Neulinge vertreten sind. Und auch ein gänzlich neuer Schachverein hat sich zum Spielbetrieb angemeldet: der CSC Mainz-Wiesbaden 04 wird zukünftig dem Bezirk Rhein-Taunus angehören."

      Der erste Spieltag für Bad Soden 5

Groß-Gerau 3 - Bad Soden 5 am 26. September

Endlich war der lang ersehnte erste Spieltag da. Stefan Schmieder und Frau Kappellusch waren die Fahrer. Die Fahrt verlief ohne Probleme bis wir in Groß-Gerau antrafen. Dort drehten wir am Anfang im wahrsten Sinne des Wortes auf der Stelle hin und her. Als wir dann ein paar Passanten nach dem Weg gefragt haben konnten wir unser Ziel mit nur ein paar kleinen Verfahrern erreichen. Als wir ankamen stellte sich heraus, dass Stefan Kapellusch's Gegner nicht anwesend ist und, dass deshalb dieser Punkt kampflos gewonnen war. Am Ende hat unsere Mannschaft mit 3,5 zu 2,5 Punkten gewonnen und man konnte sagen, dass sich das hin und her Fahren gelohnt hat. [Dimitrij Lintchuk 5. Oktober 2004]

      Die Arbeitszeitverkürzung

In der sechsten Partie des WM-Matches einigten sich die Gegner schon auf ein frühzeitiges Remis, er"matt"et suchten sie eher nach einer Ruhepause als nach einer Gewinnlösung. Heute Montag (4.10.2004) ist schon Ruhetag, also gab's einen frühzeitigen Feierabend. Arbeitszeitverkürzung nennt man das im normalen Leben.

      Der Kommentar.

Die fünfte Partie des WM-Matches zwischen Peter Leko als Herausforderer und Wladimir Kramnik als Titelverteidiger im Centro Dannemann in Brissago brachte der Fachwelt und mit ihnen den Live-Kommentatoren einige Besonderheiten. Erstmals in diesem Match wählte Leko mit Weiß eine Eröffnung mit d4.

IM Jacob Aagaard

Der Kommentator, IM Jacob Aagaard (ELO 2431) aus Dänemark, war sichtlich überrascht, dies zeigte sich im weiteren Partieverlauf an einigen Aussagen.

Hier ist eine chronologische Auswahl:

Leko muss zwei Partien gewinnen, und das in 10 Partien gegen einen Burschen, der noch keine WM-Partie verloren hat und einmal 75 Partien gegen Spieler der Weltspitze ohne einen einzigen Partie-Verlust spielte. Es wäre ein sensationeller Erfolg wenn es jetzt Leko ein Sieg gelänge.

Über die Technik: Lekos Stärke ist seine überragende Technik, aber hier ist Kramnik unvergleichbar und es erscheint unmöglich, dass Leko in der Lage ist, ausgeglichene Stellungen nur aufgrund besserer Technik zu gewinnen.

Jetzt geht's los, es ist die Meran-Verteidigung im Damengambit... Ich glaube nicht, daß Weiß in der Lage ist, mit dieser Theorie-Wahl einen wirklichen Druck auf Schwarz auszuüben, aber Lekos Chancen in dieser Variante sind besser als in der Petroff Verteidigung.

Leko-Kramnik, WM 2004 Brissago Runde 5

Leko (Weiß) gegen Kramnik (Schwarz): Brissago 2004 Runde 5:
Position nach 15. ...a6

Meine Live-Kommentare verlangsamen sich um etwa 60 Sekunden, bevor sie den Server erreichen, da ändert sich ja sogar die Schachtheorie schneller.

Schach ist unglücklicherweise etwas langweilig während der ersten 30 - 60 Minuten einer Partie - zumindest für die Zuschauer.

Beim 13. Zug: Ich wundere mich, weshalb Leko darüber nachdenkt. Offensichtlich erreichte die Partie eine höchst wahrscheinliche Position, die aus der Vorbereitung eigentlich bekannt sein müßte.

Schwarz hat jetzt viel Raum und seine Figuren sind aktiv, deshalb würde Weiß nie einen taktisch geprägten Kampf gewinnen.

Kramnik würde nie ein Spiel auf diese Art und Weise verlieren, das weiss Leko. Deshalb müßte er eigentlich etwas eher agressiv oder kompliziert spielen.

Leko hat die Partie sehr schnell begonnen und war da 20 Minuten besser auf der Uhr. Jetzt hat er 8 Minuten mehr Bedenkzeit verbraucht als Kramnik. Es scheint, als ob er nicht sehr konzentriert bei der Sache sei.

Mein FRITZ-Schachprogramm läuft auf einem mit 2400 Megahertz getakteten Computer. Dem Analyse-Programmteil habe ich sogar 600 Mega-Byte Random-Access-Memory zugeordnet.

GM Peter Leko
(beim Chess Classic Mainz 2003)

Es scheint als ob die Uhren in der Schweiz schneller ticken als anderswo. Leko ist jetzt bei seiner verbleibenden Bedenkzeit auf 1:24 Stunde - und das in einer sehr bekannten und voraussagbaren Stellung.

Ich würde jetzt jedem Glücksspieler raten, Geld auf ein Remis zu wetten. Leko wird nicht in der Lage sein, wirklichen Druck auf Kramnik auszuüben, wenn er so in Zeitnot ist. Er wird wahrscheinlich wieder Angst haben und keine Risiken eingehen. Das haben wir bereits in diesem WM-Match gesehen.

Endlich kommt auch das FRITZ-Schachprogramm mit dem Ergebnis heraus, dass 14. b4 der beste Zug wäre. Wer weis, ob Leko dies auch einfällt?

Ich bin mir nicht sicher, ob die Informationen vom Centro Dannemann, dem Veranstaltungsort, korrekt sind. Ich habe mich jedoch im Internet Chess Club vergewissert, und dort sind auch erst 13 Züge gespielt.

Das FRITZ-Programm braucht nun viel länger für die Berechnungen, die Positionsbewertungen verändern sich überhaupt nicht. Die aktuellste Bewertung von FRITZ kam nach 25 Minuten Rechenzeit.

Ich habe während der 4. Partie herausgefunden, daß der Kommentator oft Züge kennt, die ich nicht gesehen habe. Deshalb habe ich von Zeit zu Zeit meine Internet-Verbindung unterbrochen und neu gestartet. Das verschafft mir glaube ich die neuesten Züge schneller, aber ich verstehe nicht weshalb das so ist.

Es ist kaum zu verstehen, weshalb Leko sich entschieden hat, seine ganze Bedenkzeit zu investieren um Verbesserungen der Standard-Theorie zu finden.

Leko hat offensichtlich 1.d4 in seiner Vorbereitung durchgearbeitet. Es ist ein sehr natürlicher Zug für ihn, so dass es schon Sinn macht. Aber seine Zeitverschwendung hier in der Partie ist schon unglaublich.

Hoppla, jetzt haben wir als der offizielle Webserver für die WM, endlich mit dem Internet Chess Club zeitlich gleich gezogen. Ich hatte doch tatsächlich geglaubt, sie wären uns einige Züge voraus *staunend*.

Wenn sich die Leute darüber unterhalten daß WM-Partien langweilig sind, so kommt das daher, daß es sehr viele Unentschieden gibt oder der Spielverlauf ist technisch anspruchsvoll. Diese heutige Partie ist offensichtlich nicht viel anders. Aber die wirkliche Kritik liegt darin, dass dieses Spiel langweilig ist, weil es bisher nur reine Theorie war und überhaupt noch nicht begonnen hat, ein Zweikampf zu sein.

Leko spielt jetzt 16. Lxa6. Das ist etwas traurig. Das Läuferopfer sieht sehr eindrucksvoll aus, aber es gibt keine wirkliche Gefahr für Schwarz in dieser Position.

Schwarz begibt sich ganz bewußt in ein Endspiel mit einem Bauern weniger. Offensichtlich will Kramnik niemals gewinnen, aber er sollte auch nicht verlieren.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Leko in dieser Position Kramnik in ernsthafte Schwierigkeiten bringen könnte.

Hmm, die Theorie läßt mich im Stich. Schwarz kann mit Le2-c4 ausgleichen.

Leko gewinnt einen Bauern, aber wenn ich mich nicht täusche, nicht die Partie.

Weiß (Leko) hat ein Problem. Seine Leichtfiguren sind schlechter als die Leichtfiguren von Schwarz, aber ein Austausch würde ihm nur ein remis-trächtiges Turmendspiel bringen.

Um ehrlich zu sein, ich glaube überhaupt nicht, daß ich dieses Endspiel verlieren würde, nicht einmal gegen Leko. Obwohl das eine Herausforderung wäre.

Ich würde jetzt von Kramnik erwarten, daß er lange über seine Züge nachdenkt, mindestens 10 Minuten, wahrscheinlich sogar 15 Minuten. Er will ganz sicher sein, dass er den absolut zuverlässigen Weg findet um dieses Endspiel zu verteidigen. Er weis daß er nicht verlieren sollte - und nun muß er die beste Verteidigung finden.

Zur gleichen Zeit ist FRITZ vergnügt im Wolken-Kuckucksland, wo ein Bauer gegen hartes Bargeld getauscht werden kann. Aber hier in der realen Welt geht der Kursverfall rapide nach unten.

Für alle Zuschauer, die sich etwas verwundert die Augen reiben: Nach 2 Stunden und 22 Minuten Bedenkzeit sind die Spieler immer noch nicht von den bekannten Theorie-Varianten abgewichen.

Der 16. Zug Lxa6 war genau der Zug, um alle Bedenken von Schwarz zu zerstreuen, sagt die Theorie. Und ich glaube, diese Theorie ist korrekt. Doch Fritz wird immer optimistischer über die Chancen von Weiß. Da ich nicht gegen Fritz gewinnen kann, respektiere ich seine Meinung.

Wir haben einen neuen Zug!

Ich muß mich für die Verzögerungen entschuldigen, denn meine Kommentare erreichen jetzt gerade erst den Server. BT (British Telecomms) scheint besonders viel Datenverkehr zu haben und meine Verbindung ist etwas langsam.

Es ist überhaupt nicht vorstellbar, daß Schwarz in Schwierigkeiten steckt. Doch vielleicht scheint es so zu sein, daß sich die Chancen von Weiß mit dem Doppelbauern verbessert haben.

Entschuldigung - aber wir haben eine Attacke auf den Server (Computer).

Jetzt scheint das wieder behoben zu sein. Es war ein Hacker-Angriff gegen den Server, aber das sollte wieder OK sein.

Doch die Spielposition ändert sich kaum in der Bewertung, damit können wir leben.

Es scheint mir, daß Leko nicht wirklich glaubte, in dieser Position Gewinnchancen zu haben. Deshalb zog er seinen Bauern vor der Zeitkontrolle vorwärts.

Hoffentlich funktioniert die Computertechnik wieder und meine Kommentare erreichen den Server nur mit wenigen Sekunden Verspätung.

Ja, wir haben's geschafft!

Mein FRITZ-Programm zeigt nun einen Vorteil von +1.97 für Weiß. Aber wir kennen alle das Problem, daß der Computer nicht weiss, welche Positionen Remis sind und welche nicht.

Schwarz kann immer noch ein Remis holen mit ...Lg3 in dieser Position, aber ich bin mir nicht sicher.

Jetzt ist Schwarz in Zugzwang. Jetzt hat sich Kramnik für eine andere Verteidigung entscheiden, es ist nicht mehr so wichtig. Tatsächlich scheint das überhaupt keine vernünftige Verteidigung zu sein.

Es wäre sicherlich nicht unfair zu erwarten, daß der Weltmeister bald die Partie aufgibt

Ich habe überhaupt niemals geglaubt, daß ein so legendärer Verteidiger wie Kramnik dieses Endspiel verlieren würde. Dabei hat es alles so harmlos begonnen.

Der Schlüssel zu Lekos Erfolg in dieser Partie war sicherlich die wundervolle kleine Kombination mit 55. e6+ BF6 56 e7!.

Hat Kramnik das einfach übersehen?

Jetzt bleibt nur noch die Gratulation für Lekos Sieg und vielen Dank aus Glasgow. (Soweit die Kommentare von GM Aagaard. Quelle: Offizielle Live-Kommentare auf dem Centro Dannemann Webserver).

Peter Leko gewann die 5. Partie 1-0, Kramnik gab nach dem Zug 69. Kf7 auf. Das WM-Match im Centro Dannemann in Brissago steht jetzt ausgeglichen 3:3. Diese Partie können Sie ohne Kommentare in Ruhe >>>hier nachspielen.

      Das Dannemann-Gambit.

Der deutsch-brasilianische Tabak-Firmen-Gründer Gerhard (Gerardo) Dannemann würde sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen, wenn er erfahren würde, dass bei dem vom Centro Dannemann in Brissago gesponserten Mega-Event der Schach-WM ausgerechnet die Kontrahenten Kramnik und Leko ein raffiniertes Produkt-Placement betreiben, das der Dannemann-Konkurrenz Vincent & Tampa Cigar Company alle Ehre bereitet.

Ruy Lopez Cigar von Vincent & Tampa

Konkurrenz für Dannemann?
Ruy Lopez Cigar von Vincent & Tampa Tabakfabrik, Ybor City, Florida

Lange Jahre galt Vincent & Tampa's Heimatort Ybor City bei Tampa, Florida, als die Zigarren-Hauptstadt der Welt.

Aus dieser Fabrik stammt ein Produkt, das in den Cigar-Shops von den USA bis nach China und Japan bekannt war, die legendäre Ruy Lopez Cigar. Mit 150mm Länge und 15.1 mm Durchmesser bietet diese Zigarre einen milden bis mittelstarken Rauchgenuß mit einem würzigen Abschluss.

Ruy Lopez de Segura

Ruy Lopez de Segura (1530-1580)

Als nun Wladimir Kramnik mit seinem Läuferzug Lb5 die historische und gleichermassen theoretisch-fundierte Ruy-Lopez-Eröffnung wählte, hatte er sicherlich nicht den Duft einer wohlschmeckenden Ruy-Lopez-Cigar in der Nase oder im Sinn - und die Wahl der Eröffnung sollte sicherlich keine Assoziationen mit Dannemanns Konkurrenz wecken.

Glücklicherweise ist die Ruy-Lopez-Eröffnung nicht nach der Ruy-Lopez-Zigarre benannt, sonst wäre ein handfester Eklat in Brissago fällig gewesen, ähnlich wie ihn der Präsident des Deutschen Schachbundes, Schlya, schon einmal anlässlich des Champions Dinner am Vorabend der Chess Classic Mainz 2004 vor versammelten Publikum und Journalisten praktizierte.

Es ist nicht überliefert, ob Namensvetter Ruy Lopez de Segura ein dem Zigarren-Konsum verfallener Genießer war, sicher ist aber unzweifelhaft, dass der von 1530 bis 1580 lebende Spanier einer der genialsten Schachspieler seiner Zeit war. 1559 spielte Ruy Lopez am Hof des Königs Philipp II. von Spanien gegen die damals besten italienischen Meister-Schachspieler Leonardo und Boi. Bei dieser Gelegenheit konfrontierte er seine Gegner mit seiner eigenen Erfindung in der Eröffnung und zog in der Italienischen Partie seinen weißen Läufer nicht wie bis dahin üblich nach c4 sondern nach b5. Fortan bezeichnen Schachenthusiasten diese Variante als Spanische Partie oder auch als Ruy-Lopez-Eröffnung.

Kramnik_Leko_WM_Match_2004_Brissago_Round_4

Kramnik (Weiß) gegen Leko (Schwarz): Brissago 2004 Runde 4:
Position nach 16. ...g6

In der  vierten Partie des WM-Kampfes im Dannemann Centro wählte Kramnik die Ruy Lopez oder Spanische Eröffnung. Doch dieses Mal war Peter Leko mit den schwarzen Figuren nicht auf ein bequemes Unentschieden aus und es entwickelte sich eine sehr positionell geprägter Kampf.

In der geschlossenen Variante der Ruy-Lopez-Eröffnung nahm die Partie im Anti-Marshall-System (C88) einen Verlauf, den schon Alexander Grischuk, ORDIX-Open-Gewinner bei den Chess Classic Mainz 2004 gegen den 51jährigen slovenischen Großmeister Alexander Beliavsky bei der FIDE-WM in Tripolis im Juni 2004 spielte. Diese Partie endete unentschieden.

In einem Endspiel mit jeweils zwei Türmen hatte Kramnik zwar einen Mehrbauern auf der freien d-Linie, doch Leko positionierte seine beiden Türme strategisch geschickt und zwang Kramnik trotz Materialvorteil zu einer gewissen Immobilität seiner Figuren.

Als sich kein Durchkommen abzeichnete, einigten sich die Kontrahenten nach hartem Positionskampf im 42. Zug auf ein Unentschieden.

So lieferte die vierte Partie im WM-Match zwischen Kramnik und Leko das dritte Remis, Kramnik führt nun mit 2,5 gegen 1,5 Punkten. In den verbleibenden 10 Partien muß Peter Leko dringend einen oder besser noch 2 Punkte einfahren, um als Herausforderer den WM-Titel zu gewinnen. Falls es nach 14 Partien immer noch unentschieden steht, behält Wladimir Kramnik (wie bei Box-Weltmeisterschaften üblich) seinen Titel.

Peter Lekos Sehnsucht nach dem ersten Sieg im WM-Match ähnelt dem Wunsch eines Zigarrenliebhabers nach dem Genuß einer legendären Ruy-Lopez-Cigar - doch diese ist schon seit geraumer Zeit ausverkauft und nicht mehr erhältlich. [30.9.2004]

Da Capo al Fine in Brissago?

Im dritten Weltmeisterschaftsmatch zwischen Wladimir Kramnik (Russland) als Titelverteidiger und Peter Leko (Ungarn) als Herausforderer gab es wieder ein Déjà-vu Erlebnis - oder wie Komponisten anzumerken belieben D.C.A.F., das gleiche noch einmal bis zum Schluss.

Blick auf Downtown Vancouver, English Bay und Stanley Park

Nun sind einige Schachspieler auch musikalisch begabt, so kam es auch schon mal vor, daß unser früheres Vereinsmitglied und Spitzenspieler der ersten Mannschaft aus der Slovakei, Marion Miklas, vor einer Turnierpartie sich an das Klavier setzte und einige Sätze aus der Ungarischen Rhapsodie spielte, bevor er dann am Brett die Englische Eröffnung hinzauberte.

Auch Mark Taimanov, der als WM-Herausforderer in Vancouver (Kanada) 1971 gegen keinen geringeren als Bobby Fischer aus den USA antrat, war neben seinen Künsten als Schach-Großmeister auch als Klaviervirtuose in den Konzertsälen der Welt bekannt. Nach seinem 6:0 Kantersieg über Mark Taimanov bemerkte Bobby Fischer auf die Frage eines befreundeten Großmeisters, was er denn vom Spiel seines Kontrahenten halte, ganz boshaft: "Ich glaube, der spielt ganz gut Klavier".

Blick auf den Lago Maggiore von Cardada / Locarno aus

In Brissago tendieren auch die beiden Schachkontrahenten zu musikalischen Grundsätzen und spielen zum wiederholten Mal die Russische Verteidigung, die hier an den Gestaden des Lago Maggiore eine Art Renaissance auf Top-Niveau erfährt.

Wie auch in der ersten Partie wählte Kramnik mit Schwarz die Russische Verteidigung.

Und wie schon in der ersten Partie gesehen, kamen diesmal bis zum 16. Zug die identischen Züge von schwarz und weiß aufs Brett. Musikliebhaber erfreuen sich ob dieser Wiederholungen, kann sich doch auf diese Weise eine Melodie besser ins Gedächtnis einprägen. Ravel's Bolero ist hierfür ein geeignetes Beispiel. Aber für einen Schach-Weltmeisterschaftskampf droht nicht nur die 08/15-Routine, sondern auch die damit verbundene Langeweile.

Als Kramnik schon früh einen Damentausch forcieren will (Dc2 - eine Neuerung der Theorie), lässt Leko seine Dame zunächst auf d1 stehen und entwickelt im 19. Zug seinen Springer mit Sd4. Im 21. Zug kam dann Lekos Angriff auf den am Rande postierten Springer, dessen Bewegungen vollkommen eingeschränkt waren. Kramnik dachte nun immerhin fast 21 Minuten über seinen nächsten Zug nach. Nach Figurenabtausch hatten die Kontrahenten noch beide Türme sowie ungleichfarbige Läufer auf dem Brett und Lekos Bauern am Damenflügel sind besser entwickelt. Die Spieler eiferten hier den Komponisten nach, Remis, da capo al fine.

Schachspieler pflegen sich bei einem Remis kurz in die Augen zu schauen, vielleicht wird das Wort "Remis" in der jeweiligen Sprache gemurmelt, man schüttelt sich zum Einverständnis die Hand, unterschreibt das Partieformular und steht mit unbewegter Mine auf und verläßt den Ort des Geschehens.

In seltenen Fällen kann auch mal eine Bestrafung folgen: So hat ein weltbekannter Spieler der Top-10-Weltspitze nach einem für ihn nicht standesgemässen Remis schon mal seinem Sekundanten eine kräftige Ohrfeige verpasst.

Musiker müssen jedoch im Gegensatz zu Schachspielern - wenn schon alles gespielt und gezeigt wurde - dann noch mal alles geben und die Wiederholungen der Partitur auf höchstem Niveau durchspielen, eben da capo al fine.

Kramnik führt im WM-Match nun nach drei Partien mit 2:1 Punkten. Die Partie zum Nachspielen finden Sie >>>hier [28.9.2004]

      Der Auftakt.

Die Mannschaftskämpfe des MTS-Bezirks wurden am Sonntag, den 26. September 2004 mit den Spielen der ersten Runde gestartet.

Die zweite Mannschaft von Bad Soden traf zum Auftakt auf Hattersheim 4. Roland Bettenbühl und Robert Ackermann mussten volle Punkte abgeben, Hegner und Götting gewannen ihre Partien, Kenk remisierte. Die Geschwister Leach an Brett 7 und 8 spielten erstmalig nach ihren guten Vorjahresleistungen quasi in der Generationenbrücke zusammen mit ihrem Großvater in der zweiten Mannschaft. Sehr zur Überraschung gewannen Julien Leach und Christoph Leach volle Punkte gegen Dorczuz und Mitze.

Kerstin Seidl

In der vierten Mannschaft hatte Bad Soden voll auf Frauen-Power gesetzt, als sie gegen Nied 3 antraten.

Else Mangold holte an Brett 1 ein Remis, Straube gewann kampflos und Kevin Gram musste gegen Abbé einen Punkt abgeben.

An Brett 5 und 6 kamen die Newcomers Kerstin Seidl und Daniela Klotz erstmals unter Turnierbedingungen zum Einsatz.

Daniela Klotz

Kerstin Seidl verlor gegen den starken Senior Gustav Woelfel (DWZ 1382), sammelte jedoch wertvolle Erfahrungen. An Brett 6 machte Daniela Klotz gegen Leonidis mit einem Sieg dann alles klar zum 3,5 zu 2,5 Gesamtsieg.

Wie sie ausgegangen sind, lesen Sie hier:
Saison 2004/05 Runde 1 - Einzelergebnisse aller Bad Sodener Spieler
Saison 2004/05 Runde 1 - MTS-Ergebnisse aller Vereine

      Die Konsolidierung

Im WM-Match zwischen Kramnik und Leko wurde am Sonntag, den 26. September 2004 die zweite Partie gespielt. Nach 18 Zügen einigten sich die Kontrahenten auf ein Remis, Peter Leko konnte seine Match-Bilanz konsolidieren und ist mit den Schwarzen Figuren zumindest nicht weiter ins Hintertreffen geraten. [27.9.2004]

      Der Verzicht.

Kaum ein Mensch könnte nachvollziehen, wenn das Internationale Olympische Kommitte die Olympischen Spiele 2004 in Athen ohne die Symbolik der 5 Ringe organisiert und vermarktet hätte. Der Weltschachverband FIDE hat beim WM-Match in Brissago aber ähnliches geleistet. Unbeeindruckt von jeglichem Anspruch auf Marketing- und Organisations-Kompetenz überlässt die FIDE die WM-Organisation anderen handelnden Personen und tritt konsequenterweise überhaupt nicht in Erscheinung.

Der WM-Kampf ist als "CLASSICAL WORLD CHESS CHAMPIONSHIP 2004" tituliert, der Gewinner tritt aber danach gegen den Sieger der Begegnung Kasparov-Kasindschanow an. Ist also der Brissago-Gewinner Weltmeister, Herausforderer oder was? Im Regelwerk der Brissago-Wettkämpfe ist in keinem einzigen Satz auf die FIDE Bezug genommen: Das Match findet nach den "current Laws of Chess" statt, keinerlei Hinweise auf die FIDE-Schachregeln.

Die Schiedsrichter Dr. Markus Angst aus der Schweiz, Dr. Andrzej Filipowicz aus Polen und Albert Vasse aus den Niederlanden treten als "Arbiter Committee" auf - ihre Mehrheitsentscheidungen sind bindend für das Match. Sponsor der Veranstaltung ist die Schweizerische Tabakfirma Dannemann, vertreten durch Christian Burger. Als Organisatoren tritt das "CENTRO DANNEMANN" in Brissago, Switzerland auf, und zwar mit offizieller Genehmigung der ACP (Association of Chess Professionals). Diese wiederum wird durch GM Joel Lautier, Präsident der ACP, als Turnierdirektor vertreten.

Bei der offiziellen Eröffnung des WM-Matches traten die Repräsentanten des Schachsports auf: Kramnik und Leko als Spieler, Lautier als ACP-Präsident, Hans Leusen als Sponsoren-Vertreter. Als Ehrengast war der 12. Weltmeister der Schachgeschichte, Anatoli Karpov präsent.

Konsequenterweise schweigt die FIDE auf der offiziellen Webseite auch über das brisante Brissago-Match. Statt dessen lässt sie die Katze aus dem Sack und offenbart ihre Organisationsschwächen, indem die Angebotsfrist für die Veranstaltung des nächsten sogenannten WM-Kampfes mangels Nachfrage seitens der potentiellen Veranstalter verschoben wird:

Deadline for the bids for the World Chess Championship Match 2005 between World Champion GM R. Kasimdzhanov and World`s No 1 rated player GM G. Kasparov is extended

The FIDE President is hereby announcing that the deadline for the bids in respect of the World Chess Championship Match 2005 between World Champion GM R. Kasimdzhanov and the World`s No.1 rated player, GM G. Kasparov is extended until 25 September 2004.

      Die Steilvorlage.

Ferrari-Fahrer und Fußball-Guru Günter Netzer mit Ehefrau Elvira: Gelegentlich zu Gast in Bad Sodens Altstadt. Foto: Bongarts

Mit dem heutigen  (25. September 2004) Auftakt-Match um die FIDE-Schachweltmeisterschaft in Brissago (Schweiz) zwischen Wladimir Kramnik (Rußland) und Peter Leko (Ungarn) bekam der Webmaster dieses Portals journalistisch gesehen gleich eine zweifache Steilvorlage, wie man es sonst nur von Fußball-Guru und gelegentlichem Gast in Bad Soden, Günther Netzer ("Aus der Tiefe des Raums") gewohnt ist.

Erstens werden schachliche Kommentare und Analysen von keinem Geringeren als GM Artur Jussupow geliefert, zweitens wählte Titelverteidiger Wladimir Kramnik mit den schwarzen Steinen die russische Verteidigung als eine aggressive Variante gegen die Eröffnung mit e4.

Wir erinnern uns: Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Schachclub Bad Soden vor genau 2 Wochen hatte der Club GM Artur Jussupow zu einer Trainings- und Simultan-Veranstaltung nach Bad Soden eingeladen. Und dann wurden die nahezu 50 Teilnehmer am Trainingsseminar vom Chef-Theoretiker der Russischen Verteidigung persönlich in die Geheimnisse und Hauptvarianten eingeweiht. Spätestens mit dem WM-Auftakt-Match hatte Jussupow nachträglich alle Skeptiker widerlegt, die die Russische Verteidigung als nicht mehr ganz zeitgemäß einstufen wollten.

Mit den schwarzen Steinen wählte Kramnik mit der Russischen Verteidigung eine aggressive Spielweise und scheute sich auch nicht, im Auftaktmatch schon im 23. Zug seine Dame gegen Turm und Läufer abzutauschen. Nach positionell geprägten Mittelspiel ging es dann in das Endspiel: Leko hatte die Dame gegen zwei Türme, zusätzlich einen wichtigen Freibauern auf der a-Linie, am Königsflügel standen sich die Kontrahenten mit kurz rochiertem König und drei Bauern gegenüber.

Kramnik gelang es leicht, die beiden Türme auf der a-Linie zu verdoppeln, somit musste Leko den einzigen Frei- und Mehrbauern aufgeben. Kramniks Führung der beiden Türme war bemerkenswert, er hielt sie konsequent doppelt positioniert. Lekos weiße Dame hatte zwar eine hohe Beweglichkeit, aber wie Ferrari-Fan und Fußball-Analyst Günter Netzer zu analysieren pflegte, agierte Kramnik aus der kompakten Deckung heraus. Nach dem Gewinn des Bauern auf f2 musste Leko mit einem Abtausch der Figuren (Dame gegen zwei Türme) einwilligen. Schwarz hatte nun im Bauernendspiel einen Mehrbauer, Leko gab im 65. Zug auf. Kramnik führt 1:0.
 

Wer aber nun denkt, die Entscheidung im WM-Match ist mit Kramnik's Auftaktsieg näher gerückt, sollte sich jedoch in Geduld üben. Der Sieger dieses Matchs in Brissago soll - so die Pläne der FIDE - gegen den Gewinner des Matches Gary Kasparow und Rustam Kasindschanow antreten und dann den wirklichen Weltmeister küren.

Die Österreiche Zeitung "Der Standard" schreibt zu dieser verworrenen Situation:

Brissago - Schach ist ein bisschen wie Boxen. Beim Zweikampf auf 64 Feldern fließt zwar kein Blut, aber manchmal Schweiß und Tränen. Außerdem gibt es seit 1993, als sich der damalige Weltmeister Garri Kasparow (Russland) vom Weltverband FIDE abspaltete, bei den Denksportlern ähnlich wie bei den Faustkämpfern, mehrere Weltmeister. Der WM-Kampf zwischen Titelverteidiger Wladimir Kramnik (Russland) und Peter Leko (Ungarn), der am Samstag im schweizerischen Brissago begann, soll die zerstrittene Szene zusammenführen. Zweifel sind angebracht.
"Es ist ein Trauerspiel, was mit der FIDE passiert", sagte etwa der deutsche Großmeister und TV-Schach-Moderator Helmut Pfleger, der das WM-Duell am Lago Maggiore für die Zuschauer vor Ort und im Internet kommentiert. Bis zum 18. Oktober rauchen in der Zigarrenfabrik des Sponsors Dannemann die Köpfe. Gespielt wird im so genannten klassischen Schach. Der Sieger soll danach gegen den Gewinner der Partie zwischen
FIDE-Weltmeister Rustam Kasindschanow (Usbekistan) und Kasparow antreten. Ob und wo dieses Match stattfindet, ist aber noch völlig offen.
"Der Präsident der FIDE ist eine höchst fragwürdige Figur. Im Verband herrschen Mafia-Strukturen. Es
müsste eine neue Führung geben", meint Pfleger. FIDE-Präsident Kirsan Iljumschinow, ein steinreicher Unternehmer aus der russischen Republik Kalmückien, hat bisher noch alle Probleme mit Geld gelöst. In diesem Sommer organisierte er seine umstrittene WM im K.o.-System mit Partien mit verkürzter Bedenkzeit in Libyen. Fast alle Top-Spieler boykottierten das Turnier. Kasimdschanow gilt in der Branche als Zufallsweltmeister.
Dagegen zählt Kasparow, der seinen WM-Titel 2000 in London an
Kramnik verlor, für viele Experten weiterhin als weltbester Spieler. Der geniale Taktiker ist aber unberechenbar. Seit einigen Monaten versteht er sich mit Iljumschinow gut. Früher hatte er den FIDE-Chef geschnitten. Die Kehrtwende rief prompt Ex-Weltmeister Anatoli Karpow auf den Plan. Kasparows Erzrivale unterstützt den WM-Kampf Kramnik - Leko und führte am Samstag als Ehrengast den Eröffnungszug aus.
Ein Hoffnungsschimmer in der zerstrittenen Schachwelt ist die Spieler-Vereinigung ACP. Laut ACP-Chef Joel
Lautier haben sich mittlerweise 250 Großmeister zusammengeschlossen. Lautier amtiert beim Duell am Lago Maggiore als Turnierdirektor. Probleme hat er nicht zu erwarten. Kramnik (29) und Leko (25) sind zwei nette junge Männer, die sich achten und mit Respekt behandeln.". Quelle: Der Standard

[25.9.2004].

Die offizielle Turnierseite mit Live-Übertragung der WM-Partien finden Sie >>>hier

Hier sehen Sie das Video-Interview mit GM Artur Jussupow mit der Analyse und Beurteilung der ersten Partie >>>hier

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