Schachclub Bad Soden

 
> Start
> Aktuelles
> Termine
> Mannschaft + Fotos
> Ergebnisse
> Schach+Training
> Verein
> Jugendschach
> Kontakt
> Archiv
> Links
>

Suche:                       

>
   
   

Aktuelle Nachrichten (zuletzt aktualisiert am 12. August 2004 07:45)

Bitte Termin vormerken: 10.+11. September: Jubiläumsveranstaltung 25 Jahre Schachclub Bad Soden.
Besondere Jubiläums-Glückwünsche erhielten wir von einem in Schachkreisen bekannten Bad Sodener:

Bad Sodener Bürger:
Roland Bettenbühl, Aruna & Vishy Anand, Gerhard Kenk

"Hallo liebe Schachfreunde, hier spricht Vishy Anand aus Bad Soden am Taunus. Zum 25. Jubiläum des Schachclub Bad Soden wünsche ich den Mitgliedern, Gästen, Freunden des Vereins alles Gute und viele erfolgreiche Partien in den kommenden Jahren. Meine besonderen Grüsse gehen an den Vorsitzenden Roland Bettenbühl und den Webmaster Gerhard Kenk. Ich wünsche ein gutes Händchen bei allen schachlichen Aktivitäten und hoffe, daß es bald einmal einen Bad Sodener Grossmeister gibt. Zum 10. Mal bin ich jetzt bei den Chess Classic in Mainz dabei und ich verspreche Ihnen, dass Alexei Schirow und ich interessante Partien spielen werden und es den Chess960-Freunden verdammt schwer machen werde, besser zu sein."
(Bitte schalten Sie die PC-Lautsprecher ein und klicken Sie hier, um diese Sprachnachricht im Original-Sound zu hören.) [2.8.2004]

    Summertime, when the living is easy....Schachspieler hocken immer stundenlang vor dem Brett und brüten schweigend die nächsten Züge aus.

Kerstin Seidel (Mitte) mit Gründungsmitgliedern Rudi Schäfer (links) und Kai-Uwe Tebbe (rechts)

Dieses Vorurteil widerlegten einige Spieler des Schachclub Bad Soden und machten in der Sommerzeit aus der Not eine Tugend. Die Hasselgrundhalle und damit unser regulärer Spielsaal ist während der Sommerferien geschlossen - Grund genug, sich in den angenehmen Räumlichkeiten unseres Stammlokals "La Cucina" zu treffen. Hier wurden dann ein paar Schnellschachpartien gespielt und ansonsten die Kommunikation gefördert. Schliesslich stand die Vorbereitung der Jubiläumsfeier und der vielen logistischen Kleinigkeiten auf der Tagesordnung. Dabei gab es auch die Gelegenheit, in der Vergangenheit des Schachclubs zu stöbern und das war ein willkommener Anlass, wieder einmal einige der Gründungsmitglieder zu kontaktieren.

Gründungsmitglied Kai-Uwe Tebbe liess sich nicht zweimal bitten, verzichtete auf seinen traditionellen Doppelkopf-Spielabend und frischte Erinnerungen mit Gründungsmitglied Rudi Schäfer auf. Offensichtlich hat er nichts von seiner früheren Spielstärke eingebüsst, wenngleich seine Eröffnungstheorie leicht angestaubt waren. So war er offen für die neuen Ideen, die als Chess960 propagiert werden.

Als dann Hans-Walter Schmitt, Executive Director der World New Chess Association (WNCA) den Spezial-Würfel zum Auslosen der Grundstellung herausholte, war die Spannung gross: 642 war die ausgeloste Grundstellung - und mit Hilfe des Buchs von Reinhard Scharnagl konnte die Anfangsposition der Grundreihe schnell gefunden werden: Läufer, Turm, Springer, König, Turm, Läufer, Dame und Springer standen von a1 bis h1 bereit und sorgten gleich beim ersten Zug bei den Kontrahenten für ein Umdenken und Nachdenken - vorbei war es mit den Tricks, den Gegner mit dem Budapest Gambit oder der Kalaschnikow-Variante im Sizilianer zu überraschen. Schach pur.

    Botschafter, Bürgermeister und Konsul. Chef S.S. Sidhu konnte in seinem Bad Sodener Restaurant Maharani am Mittwoch Abend (11.8.2004) illustre Gäste begrüssen: Air India und die International Punjabi Society  hatten Bad Sodener Bürger und Landsleute zu einem Dinner eingeladen. Willkommener Anlass war der Sieg ihres Landsmannes bei den Chess Classic Mainz 2004, dem "Tiger von Madras", Sportler des Jahres in Indien, Botschafter des Schachs, nebenbei Bürger von Bad Soden und hauptsächlich der zur Zeit wohl beste Schachspieler der Welt, GM Vishy Anand. Mit von der Partie waren die charmante Mrs. Anand, der Konsul von Indien, der Präsident der International Punjabi Organisation, Bürgermeister Norbert Altenkamp, Turnierdirektor Hans-Walter Schmitt und der Vorsitzende des Schach-Club Bad Soden, Roland Bettenbühl. Anands Landsleute liessen es sich nicht nehmen, eine Schachpartie mit ihrem Idol zu spielen, doch gegen Joginder Singh aus Hofheim musste der "Tiger von Madras" seine Krallen nicht ausfahren und konnte gelassen die Partie zu Ende spielen, ohne tief in die Trickkiste seines brillianten Könnens greifen zu müssen. >>> mehr in der Fotogallerie [12.8.2004]

Premiere in Mainz:
mit freundlicher Genehmigung des ZdF.
 
Das Mainzelmännchen-Matt - wie geht denn das?
(Windows Player, 1,9MB mit Sound)

    Im Haifischbecken. Am Sonntag, den 8. August ging das ORDIX Open, welches als Schnellschach-Turnier bereits zum 11. Mal ausgetragen wurde, als einer der vielen Höhepunkte der Chess Classic Mainz zu Ende. Bei einer Rekordbeteiligung von 542 Spielern waren rund 30% FIDE-Titelträger unter den Teilnehmern.

Mit den Grossmeistern im Haifischbecken: ORDIX Open
Foto: Finding Nemo, Pixar

Angesichts dieses hochkarätig besetzten Turniers mussten sich die Spieler des Schachclub Bad Soden fast wie in einem Haifischbecken vorgekommen sein. Dimitrij Lintchuk schlug sich bei seiner ersten Turnierteilnahme achtbar und erzielte mit 2 Punkten aus 11 Partien Rang 536. Geir Smith-Meyer schwächelte etwas unter der Doppelbelastung Schnellschach und Turnier-Organisation und erreichte mit 2.5 Punkten Rang 530. Nestor Dr. Friedrich Bittner kam auf beachtliche 5 Punkte, plazierte sich damit auf Rang 344 und knapp vor einem prominenten Teilnehmer, dem Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel.

Vorjahressieger GM Alexander Grischuk konnte seinen Titel mit sensationellen 9.5 aus 11 mit einem halben Punkt Vorsprung vor GM Vagenjan, GM Rublevsky und GM Rustem Dautev (alle 9.0 Punkte) verteidigen. Auf den weiteren Plätzen finden sich bekannte Namen der Weltelite wie z.B. Yasser Sereiwan, USA (Platz 6), Alexander Morozevitch (Platz 7), der Franzose Etienne Bacrot (Platz 9), der Gewinner des Gerling Chess960 Open aus Ungarn, Zoltan Amasi (Platz 12), Arkadij Naiditsch aus Dortmund-Brakel (Platz 15), Wunderkind Sergey Karjakin (Platz 20), ex-FIDE-Weltmeister Ruslan Ponomariov (Platz 31), Elisabeth Pähtz aus Dresden (Platz 35), Artur Jussupow (Platz 44) oder die Frauen-Weltmeisterin Antoaneta Stefanova (Bulgarien) auf Platz 51. >>> mehr in der Fotogalerie. [9.8.2004]

    Die Czardasz-Connection.  Es scheint, daß Schachspieler aus Ungarn auf dem besten Wege sind, sich bei den Chess Classic Mainz eine Reputation und Tradition aufzubauen. Im letzten Jahr stand die beste Schachspielerin bei den Frauen, Judit Polgar aus Ungarn im Rampenlicht, als sie ein sensationelles Schnellschachduell gegen den Seriengewinner der Chess Classic Mainz, Vishy Anand spielte. Und ihr Landsmann Peter Leko war nebenan auf der Bühne im Duell um die Weltmeisterkrone gegen Peter Svidler an den Brettern.

Der Sieger des diesjährigen FiNet Open, dem Schnellschachturnier nach den Chess960-Regeln, kommt aus - ja, richtig geraten - Ungarn. Im Endspurt konnte GM Zoltan Almasi noch den lange führenden Etienne Bacrot abfangen und gewann das Turnier mit einem Punkt Vorsprung. Damit wird er im nächsten Jahr offizieller Herausforderer des Siegers zwischen Svidler und Aronian. Ansonsten bietet der Blick in die Abschlusstabelle ein interessantes Bild. Arkadij Naiditsch von SF Brakel (Dortmund) kam als bester Deutscher auf einen hervorragenden 6. Platz noch vor dem Ex-FIDE-WM Ruslan Ponomariov auf Rang 11. Artur Jussupow platzierte sich auf Rang 16. Mit Michael Schenderowitsch kam der beste Nicht-Titelträger auf Platz 66. Ein Titelträger der etwas anderen Art, OB Jens Beutel, landete auf Platz 114. Der Mainzer Oberbürgermeister reservierte sich seine knappen Urlaubstage extra für das Chess Classic Mainz. Richard Pijl aus den Niederlanden bewies mit 4 Punkten, dass er nicht nur als Computer-Experte und Schöpfer des Chess960-Programs "The Baron" bekannt ist, sondern dass er diese Spielvariante auch am Brett beherrscht. Dimitrij Lintchuk vom Schachclub Bad Soden erreichte 3 Punkte in seinem ersten Chess960-Turnier, Geir Smith-Meyer kam ebenfalls auf 3 Punkte in diesem stark besetzten Teilnehmerfeld.

    Die Wiesbaden-Connection

Alexej von Jawlensky:
Dame mit Fächer (Ausschnitt)
(c) Landeshauptstadt Wiesbaden

Holger Schulze vom Verein SC Matt im Park Ffm kam mit Verstärkung zum FiNet-Open angereist. Sein Assistent lauschte aufmerksam wenn Schulze ihm den nächsten Zug ansagte, er führte dann den Zug aus und drückte die Uhr. Gerade im Schnellschach-Wettkampf, wo Sekundenbruchteile oft entscheiden, könnte diese umständliche Prozedur zu einem Handikap werden, doch Holger Schulze nimmt solche Widrigkeiten gelassen in Kauf: Er leidet an einer Muskelerkrankung, sitzt im Rollstuhl und kann seine Hände nicht bewegen. Doch daß dies kein Hindernis für den Computer-Sicherheitsexperten ist, beweist er in Beruf und Hobby. Mit dieser Handikap-Einstellung liegt Holger Schulze voll in der Tradition des beharrlichen Lebenskampf gegen widrige gesundheitliche Hindernisse.

Auch der russische Maler Alexej von Jawlensky trotzte in seinen letzten Lebensjahren, die er in nicht allzu grosser Entfernung von Mainz in der Nachbarstadt Wiesbaden in der Beethovenstrasse 9 verbrachte, einer langsam fortschreitenden Krankheit, der "arthritis deformans". Diese Krankheit lähmte den Maler zusehends und er konnte seine Arbeit nur unter Schmerzen fortsetzen. Er beschreibt das in seinen Lebenserinnerungen: "Und allmählich sind meine Arme und Hände steif und krumm geworden, und ich leide an schrecklichen Schmerzen. Da ich durch meine Steifheit in den Ellbogen und Händen sehr behindert wurde, mußte ich mir eine neue Technik suchen." Jawlensky malte sein Alterswerk, den Zyklus der "Meditationen" im Sitzen. Das Malpapier war mit Reißzwecken auf Brettern befestigt. In die Finger der rechten Hand sind die Pinsel gesteckt, die infolge der versteiften Gelenke mit dem ganzen Oberkörper bewegt werden müssen. (Aus: Alexej von Jawlensky zum 50. Todesjahr. Museum Wiesbaden) [8.8.2004]

    Junge Hüpfer und Alte Hasen.

Startposition im Chess960 zwischen Geir Smith-Meyer (Weis) gegen Dimitrij Lintchuk (schwarz)

Im FiNet-Open bei den diesjährigen Chess Classic Mainz 2004 nahmen auch Dimitrij Lintchuk und Geir Smith-Meyer vom Schachclub Bad Soden teil und wollten im stark besetzten Schnellschachturnier nach den Chess960-Regeln erstmalige Turniererfahrung in dieser neuen Spielweise sammeln.

Hier wird die Startposition kurz vor Partiebeginn ausgelost, man kann also  nicht Eröffnungstheorie pur spielen, sondern muss sich schon vom ersten Zug an um die Umsetzung der schachlichen Grundwerte Gedanken machen.

Beide Spieler hatten in dem stark besetzten Open-Turnier (am Start waren 56 Grossmeister und insgesamt 96 Titelträger, so unter anderem der Ex-FIDE-Weltmeister Ponomariev, der Sieger des Dortmunder Sparkassen Meeting 2003, Victor Bologan und die Frauen-Weltmeisterin Antoaneta Stefanova.

Schwarz am Zug - welcher Weg kann tide Partie entscheiden?

So wollte es der Zufall, dass nicht nur die Startposition ausgelost wurde, sondern die Auslosung der Spielpaarungen führten die beiden Vereinsspieler in der 7. Runde gegeneinander.

Die Startposition (Bild links oben) war nicht ganz problemlos, sind doch die Bauern auf a2, h2 bzw. a7 und h7 gänzlich ungeschützt und wären ein willkommenes Fressen für den auf Materialgewinn zielenden Spieler.

Beim Chess960 können vor der Rochade König und Turm auf ungewohnten Feldern stehen, doch nach der kurzen oder langen Rochade findet sich der König jeweils auf altbekanntem Terrain, nämlich auf Kg1 oder Kc1 bzw. Kg8 oder Kc8 wieder.

Es entwickelte sich eine kurzweilige Partie, denn Dimitrij Lintchuk  mit den schwarzen Figuren spielte gleich von Anbeginn auf das schwache Bauernfeld c2, welches nur vom weißen König gedeckt war. Nach kurzer Zugfolge 1. f4 d5, 2. g3 Dc6, 3. Sf3 Lf5, 4. Sd4 Dg6, 5. Lxd5 Sb6, 6. SxLd5 SxLd5 griff Weiß mit dem Zug 7. Sh4 (siehe Diagramm rechts) die gegnerische Dame an, um Tempo zu gewinnen. Schwarz reagierte ganz cool. Der 16jährige junge Hüpfer Dimitrij täuschte dem alten Hasen Geir ein barmherziges Wesen vor und .... machte einen partieentscheidenden Zug - welchen? [7.8.2004]

Chess Classic Mainz 2004

Feng Shui beim FiNet Open

    Feng-Shui in der Rheingoldhalle. Am 5. August ging es endlich los: Die fleissigen Helfer des Veranstalters Frankfurt Chesstigers hatten die Vorbereitungen abgeschlossen, und sogar die Präzisionsausrichtung der Spielbretter für die 207 Teilnehmer am FiNet Open, dem Turnier in Chess960, wurde nach den geomantischen Prinzipien des fernöstlichen Feng Shui umgesetzt.

OB Jens Beutel Chess Classic Mainz

OB Jens Beutel eröffnet die Chess Classic Mainz

Jetzt konnte Turnierdirektor Hans-Walter Schmitt und der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel, selbst aktiver Teilnehmer, das hochkarätig besetzte Turnier eröffnen.

In den Auftaktrunden blieben dann auch einige Überraschungen nicht aus. GM und ex-FIDE-Weltmeister Ponomariov verlor sensationell gegen IM David Baramidze vom SF Brakel 1930.

Und der in der Weltrangliste auf Platz 20.007 geführte Rumäne Sorin Samu bewies seinem Gegner GM Zoltan Varga aus Ungarn, immerhin auf Platz 141 der FIDE-Weltrangliste, dass er sich nicht in der Sportart geirrt hatte: Mit seinem bulligen Erscheinungsbild könnte er auch gut mit einem Sumo-Ringer verwechselt werden oder gar als Double in der Fernseh-Serie "Der Bulle von Bad Tölz" auftreten.

Sorin Samu (Rumänien) Chess Classic Mainz FiNet Open 2004

Sorin Samu (Rumänien) und die Kiebitze

Doch am Brett demonstrierte er seinem Gegner in einem spannenden, theoretisch anspruchsvollen Endspiel mit Dame gegen zwei Springer, was er schachspielerisch alles kann.

Nach 5 Runden führt GM Artur Jussupow vor GM Etienne Barcot. Die beiden Teilnehmer vom Schachclub Bad Soden, Geir Smith-Meyer und Dimitrij Lintchuk, dürften allerdings wohl nicht in die Siegerentscheidung eingreifen. Mit jeweils einem Punkt liegen sie eher am Ende der Tabelle.

Auch Reinhard Scharnagl sammelte Praxiserfahrung: Der Autor des kürzlich erschienen Buchs "Fischer-Random-Schach - die revolutionäre Zukunft des Schachspiels" setzte sich im FiNet Open ans Brett. [6.8.2004]

    "Zuerst die Arbeit und dann das Vergnügen".

Peter Svidler, Chess Classic Mainz 2004 Chess960-Simultan

Chess960_Weltmeister Peter Swidler beim Simultan

Zum Auftakt der Chess Classic Mainz 2004 lief noch alles in geregelten Bahnen ab: Pressekonferenz, die Simultan-Veranstaltungen im Chess960 mit WM-Peter Swidler und nebenan das Klassik-Schach-Simultan mit Alexej Schirow, gemixt mit einigen Exhibition-Spielen.

In einem Simultan-Match trat Peter Swidler, amtierender Weltmeister im Chess960 gegen prominente Konkurrenz an 20 Brettern an. Swidler musste an jedem Brett eine andere, gemäss den Chess960-Regeln kurz zuvor ausgeloste Startposition spielen.

Mit einer Niederlage und vier Remisen zeigte das Ergebnis, dass diese Spielvariante auch den besten Spielern der Welt alles abverlangt. Links im Bild: Peter Swidler (rechts) spielt gegen Ekaterina Jussupow, während Mama und Papa GM Artur Jussupow (Mitte, stehend) das Geschehen am Brett verfolgen.

Der Auftakt der ChessClassic Mainz 2004 verlief ganz nach Maß. Dann ging es beim Champions-Dinner zum gemütlichen Teil über und nach der Begrüssungsansprache von Jens Beutel, Oberbürgermeister von Mainz,  schien alles seinen gewohnten Gang zu nehmen.

Pressekonferenz:
Veranstalter Schmitt mit Carmen Kass (links) und Weltmeisterin Antoaneta Stefanova (rechts)

Doch dann trat der Präsident des Deutschen Schachbunds, Herr Alfred Schlya ans Rednerpult und begann, in einer vorbereiteten Rede dem Veranstalter der Chess Classic Mainz, Hans-Walter Schmitt, die Leviten zu lesen.

Anlass war die Bewerbung der Stadt Dresden und Riga in Estland um die Ausrichtung der Schach-Olympiade 2008.

Die Esten, in der schachlichen Tradition von Paul Keres verwurzelt, waren Gäste des Veranstalters und nahmen die Gelegenheit war, um sich und die Bewerbung zum Austragungsort der Schacholympiade ins rechte Licht zu setzen.

Veranstalter Schmitt kann wieder lächeln:
Carmen Kass in der Charme-Offensive

Carmen Kass, "Model of the Year 2003", Hobby-Schachspielerin und Präsidentin des Estländischen Schachverbands, erfüllte diese Aufgabe in der offiziellen Pressekonferenz an der Seite von Weltmeisterin Antoaneta Stefanova bravourös.

Als dann Hans-Walter Schmitt in seiner Antwort auf die Vorwürfe seitens des DSB einging, musste er ganz tief in die Trickkiste der diplomatischen Rhetorik greifen, um die Vorwürfe seitens des DSB-Präsidenten zu entkräften.

Spätestens als dann das Hilton-Gourmet-Gastro-Team unter der Regie von Hilton-Küchenchef Dirk Maus zur Feier des Tages eine überdimensionierte Schachtorte auffuhr, war die Contenance von Schmitt wiederhergestellt - mit charmanter Hilfe der estländischen Präsidentin. [4.8.2004]

 

 

   "Lächerliches WM-Geschacher": Viswanathan Anand sieht sich als weltbester Spieler / Alexej Schirow gefährlicher Gegner bei Chess Classic Mainz

Hartmut Metz, Chesstigers

Hartmut Metz

„Der Tiger von Madras“ ist bisher eher ein zahmes Kätzchen gewesen, wenn sich Diskussionen um den weltbesten Schachspieler entfachten. Jetzt bezeichnet sich der bescheidene Viswanathan Anand aber ungeachtet seiner Position als Weltranglistenzweiter als die wahre Nummer eins. Den neuen Anspruch unterstrich der indische Sportler des Jahres am Sonntag mit seinem Turniersieg in Dortmund. Mit Anand, der sich ab Donnerstag bei seinem Lieblingsturnier Chess Classic Mainz (5. bis 8. August/täglich ab 18.30Uhr) mit Alexej Schirow (Spanien) einen Zweikampf über acht Partien liefert, unterhielt sich Hartmut Metz.

Herr Anand, wie fühlt man sich als bester Schachspieler auf dem Globus, für den Sie selbst Weltmeister Wladimir Kramnik derzeit hält?

GM Vishy Anand, Chess Classic Mainz 2004

GM Vishy Anand

Anand: Das ist natürlich ein schönes Gefühl, zumal ich ja auch den Schach-Oscar als bester Spieler erhielt. Offenbar wissen die meisten Leute, dass meine Ergebnisse in den vergangenen zwei Jahren ziemlich gut ausfielen.

In Dortmund haben Sie am Sonntag auch das Finale gegen Kramnik gewonnen.

Anand: Endlich einmal wurde ich dort alleiniger Erster. Der Modus mit Vorrundengruppe, Halbfinale und Endspiel kommt mir entgegen. Nach ausgeglichenem Stand fällt die Entscheidung im Schnell- und Blitzschach ...

… bei dem Ihre Überlegenheit noch größer ist. Worin bestehen die Unterschiede zwischen Ihnen und dem in der Weltrangliste offiziell noch führenden Garri Kasparow?

Anand: Kasparow ist grundsätzlich einer der Größten der Schach-Geschichte. In den vergangenen zwei Jahren hat er aber kaum gespielt. Er profitiert davon, dass das Elo-System dies im Gegensatz zu anderen Weltranglisten im Sport nicht ausdrückt. Es reicht dabei, an ein, zwei Turnieren teilzunehmen, um vorne zu bleiben. Natürlich ist er ein großer Spieler, das bestreitet niemand, aber in den vergangenen zwei Jahren war mein Spiel (gluckst) - ich spielte häufiger (lacht herzlich).

Das heißt, Sie fühlen sich ihm überlegen?

Anand: Nicht nur im Vergleich mit ihm. Meine Leistungen waren in den letzten zwei Jahren sehr gut. Mich freut’s, dass die Leute das auch zur Kenntnis nehmen.

Trotz Ihrer Ausnahmestellung haben Sie sich geweigert, in Libyen einen Anlauf auf Ihren zweiten WM-Titel beim Schach-Weltverband FIDE zu nehmen. So eliminierte der usbekische Weltranglisten-54. Rustam Kasimdschanow die wenigen angetretenen Asse und wurde sensationell Weltmeister.

Anand: Ich war nicht mit dem Modus einverstanden. Ich habe es nicht nötig, mich für ein WM-Duell gegen irgend jemanden zu qualifizieren – auch nicht für ein WM-Finale mit dem gesetzten Kasparow, das nun Kasimdschanow bestreiten soll. Deshalb entschloss ich mich, es sein zu lassen. Meiner Meinung nach verhinderten die vielen Absagen von fast 20 Topspielern, dass in Tripolis von einer richtigen Weltmeisterschaft gesprochen werden kann. Wir haben uns nicht darüber unterhalten und abgesprochen in der Art von „wenn du nicht hinfährst, bleibe ich auch weg“ und so fort – unabhängig voneinander kamen wir aber witzigerweise alle zum gleichen Schluss. Offen gesprochen, gibt es unterschiedliche Gründe für die Absagen. Hauptursachen gibt es deren drei, wobei die Reihenfolge variiert: Einige mochten den Spielort Tripolis nicht, manche hatten etwas gegen den vorgelegten Vertrag und andere wiederum wie die US-Amerikaner und Israelis durften nicht nach Libyen einreisen.

Experten meinen, Kasimdschanow würde von Kasparow wie ein Hühnchen gerupft. Geben Sie ihm eine Chance?

Anand: Dazu möchte ich nichts sagen.   

Sehen Sie die neue Spieler-Gewerkschaft ACP auf dem richtigen Weg? Sind Sie schon Mitglied?

Anand: Ich bin bereits ACP-Mitglied. Aber momentan ist es noch zu früh, deren Arbeit zu bewerten. Man muss abwarten, ob die Spieler-Gewerkschaft Turniere organisieren beziehungsweise mit Organisatoren zusammenarbeiten kann. Darin wird sich zeigen, ob die ACP eine Alternative zum Weltverband FIDE ist. 

Wie werten Sie das Verhalten von Kasparow?

Anand: Ich denke, die Bewertung der WM in Libyen hat nichts mit ihm zu tun. Die meisten Leute haben Probleme mit der FIDE. Böten die mir auch ein Finale an, würde ich es wohl genauso akzeptieren. 

Ist Kasparows Verhalten aber nicht seltsam? Erst spaltet er 1993 die WM von der FIDE ab, dann beschimpft er ein Jahrzehnt lang den FIDE-Präsidenten Kirsan Iljumschinow als Verbrecher – und nun paktiert er mit ihm und lässt sich für ein Finale setzen.

Anand: Keine Frage, das ist krass. Er war erst in der Großmeister-Organisation GMA, dann in der Profischach-Vereinigung PCA, zum Schluss kehrte er wieder in den Schoß der FIDE zurück. Aber gut, manche Leute sind flexibel …

Sehr flexibel …

Anand (schmunzelt): Stimmt, aber da gibt’s noch ein paar mehr von der Sorte. Mal sehen, wie flexibel er in der russischen Politik sein wird.

Wäre es gut fürs Schach, wenn Kasparow in der Politik verschwinden würde? Vor kurzem wirkte er erneut an einer Parteigründung mit.

Anand: Ich bin nur neugierig zu sehen, ob er in der bleibt oder in die ein oder andere weiterwechselt.

Wie finden Sie den Vorschlag des kampflos entthronten FIDE-Weltmeisters Ruslan Ponomarjow, ein Turnier mit Ihnen, Kasparow, dem FIDE-Champion von Libyen, Rustam Kasimdschanow, dem zweiten Weltmeister Wladimir Kramnik sowie dessen Herausforderer Peter Leko auszurichten?

Anand: Angesichts dessen, dass der Prozess der Titelvereinigung so gut wie gescheitert ist, wäre es keine schlechte Idee. Sicher würde jeder darüber nachdenken, auch die FIDE. Ich habe allerdings meine Zweifel, dass man alle sechs Akteure ans Brett brächte. Kramnik und Leko wollen erst ihr Match austragen, Kasimdschanow als Weltmeister von Libyen überlegt sich auch wieder etwas … Prinzipiell wäre es aber fein, wenn jemand diese WM auf die Beine stellen könnte.

Ist solch ein Turnier der einzige Ausweg aus dem Titelvereinigungs-Dilemma?

Anand: Ich weiß nicht, wie all das endet. Selbst wenn das Match zwischen Kasimdschanow und Kasparow zu Stande käme, müsste anschließend ein weiteres stattfinden. Doch bisher wird lediglich Kramnik – Leko definitiv ausgetragen. Ich konzentriere mich nicht auf die Diskussionen, sondern auf meine Turniere: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Ich baue keine Luftschlösser.

Das heißt, Sie kümmern sich kaum um das ganze Theater.

Anand: So kann man es nicht sagen. Ich hätte schon gerne die erneute Chance, Weltmeister zu werden. Aber das ist alles so lächerlich …

Trotzdem haben Sie die Partien eifrig live im Internet verfolgt. Packte Sie als potenzieller Titelfavorit nicht ein bisschen Wehmut auf Grund der verpassten Chance auf den zweiten Titel?

Anand: Nein, ich fühle mich auch so wohl. Ich finde es aber natürlich spannend, die interessanten Partien eines starken Turniers anzuschauen.

Könnte der Schachsport bei einer Wiedervereinigung der Titel mehr Sponsoren anziehen? Viele Firmen werben zwar mit Schachmotiven, aber im Gegensatz zu Ihrer Heimat Indien gibt es in Europa nur noch wenige hochkarätige Sponsoren.

Anand: Mit Sicherheit. Ein einziger Weltmeister wäre der Beleg für Sponsoren, dass wir wieder eine vernünftige Schach-Organisation haben. Fasst ein Geldgeber Schach ins Auge, entdeckt er derzeit mit mehreren Weltmeistern nur ein Chaos. Deshalb wäre ein Weltmeister dem Sponsoring dienlich – ein Allheilmittel für das Tohuwabohu habe ich aber leider auch keines. Wir brauchen einfach einen Weltmeister, den auch alle als solchen anerkennen. Momentan behauptet mal der eine, mal der andere, er sei der wahre Weltmeister – gelöst wurde jedoch das Problem auch nach dem Prager Abkommen nicht.  

Bei den Chess Classic Mainz treffen Sie vom 5. bis 8. August auf Alexej Schirow. Da Sie schon seit mindestens einem halben Jahrzehnt als weltbester Schnellschachspieler gelten, werden Sie den Topwettbewerb sicher zum fünften Mal in Folge gewinnen.

Anand: Es wird auf jeden Fall ein interessanter Wettkampf. Bei seinem souveränen Turniersieg in Sarajevo mit 7,5:1,5 Punkten trumpfte Alexej regelrecht auf. Da wird einem klar, dass es gegen solch einen Spieler nur ein hartes Match geben kann. Er ist aus seinem Tief heraus und in glänzender Form.

Haben Sie eine Erklärung für dieses ständige Auf und Ab bei ihm?

Anand: Das liegt eindeutig an seinem Stil. Wenn er in Form ist, überrollt Alexej alle. Wenn er schlecht drauf ist, hat er enorme Probleme.

Worin besteht der Unterschied, wenn man gegen Schirow spielt im Vergleich zu anderen Großmeistern?

Anand: Als herausragend empfinde ich Schirows äußerst kreative Spielweise. Er will immer etwas unternehmen, versucht neue Pfade zu beschreiten, auf die sich vorher noch keiner wagte. Er zockt gerne, in diesen ungewöhnlichen Positionen. Man kann nie sagen, ob es gut oder schlecht ist, was Alexej macht – wenn’s klappt, war’s genial (lacht), wenn er scheitert, ist es blöd gelaufen. Das ist eben sein Naturell.

Zocken Sie besser als Schirow? Bei Ihrem WM-Sieg vor drei Jahren verhängten Sie im Finale mit dem 3,5:0,5 fast die Höchststrafe.

Anand: Seitdem fiel mein Ergebnis gegen ihn positiv aus. Er gehört aber zu den Top Ten und ist stets zu beachten. In Mainz zählen alte Lorbeeren nichts. Der Wettkampf über acht Partien beginnt bei 0:0.

Sie spielen gemeinsam mit Schirow beim deutschen Vizemeister SC Baden-Oos an den vorderen zwei Brettern. Ist es für einen Profi noch ein Unterschied, gegen einen Mannschaftskameraden anzutreten, bei all den Einsätzen, die viele Großmeister in verschiedenen Nationalligen haben?

Anand: Das ist nur etwas verwirrend, wenn man erst am einen Tag gegen jemanden antritt, der am nächsten Tag dein Mannschaftskamerad ist. So ging es mir mit Francisco Vallejo Pons und Peter Swidler, die in Frankreich erst unsere Gegner waren, und tags darauf auf unserer Seite bei Baden-Oos saßen. Alexej und ich sind überall im selben Team: in Cannes wie in Baden-Baden. Ich spiele allerdings auch in weniger Mannschaften als die anderen Jungs, die zudem im Europapokal engagiert sind. Letztlich ist es zweitrangig, weil wir in den viel häufiger ausgetragenen Einzelturnieren Rivalen sind.

Was halten Sie von Chess960, das in Mainz von Ihrem Freund Hans-Walter Schmitt gepuscht wird?

Anand: Wir wissen noch immer nicht, wie sich Chess960 entwickelt. Nach dem Superturnier in Linares sprach Wladimir Kramnik Chess960 nicht direkt an, er betonte aber, wie mühselig es sei, gute Stellungen aufs Brett zu bekommen, weil alle in der Eröffnung so gut vorbereitet seien. Nimmt man diese Aussagen als Maßstab, erscheint es interessant, Chess960 zu spielen. Momentan ist es noch zu wenig erforscht. Meines Erachtens sind nicht alle 960 Startaufstellungen interessant. Ich verfolge jedenfalls die Entwicklung, die sich in Mainz ergibt. Das größte Problem besteht meiner Ansicht darin, dass die Super-Großmeister über Jahre ein Eröffnungswissen aufgebaut haben, das ihr Kapital darstellt. Ihren größten Schatz wollen sie natürlich nicht missen, denn das Verständnis für gewisse Eröffnungen, Stellungen oder das Gefühl für Gefahren macht auf höchstem Niveau den Unterschied. Da dieser Vorsprung  bei Chess960 verloren zu gehen droht und sich die Angst vor Blamagen hinzugesellt, wird wohl in den nächsten Jahren kein attraktives Chess960 zu sehen sein. Es wird zu vorsichtig agiert – aber warten wir es ab, was sich im Chess960 in Mainz tut.

Strengen Sie sich nicht immer besonders beim Hauptevent an, um den Titel zu verteidigen - nur, damit Sie nicht in die Chess960-Klasse abrutschen? In die würde Sie Organisator Schmitt doch sicher als WM-Herausforderer verfrachten, wenn ein anderer den Zweikampf gewänne und zum Titelverteidiger aufstiege.

Anand: Nein, das würde er nicht machen.

Doch!

Anand: Na gut, dann gewinne ich lieber vorsichtshalber zum siebten Mal die Chess Classic. [3.8.2004]

     Mit Rückenwind aus Dortmund. Mit Stolz kann sich GM Vishy Anand in der kommenden Woche bei den Chess Classic Mainz präsentieren, ist er nicht nur Titelverteidiger im Schnellschach-Duell, sondern kommt auch mit der besten Referenz als "Schachkönig von Dortmund". Nach mehreren Versuchen in 1999 und 2000 bewies er dieses Jahr beim Dortmunder Sparkassen Chess Meeting seine Sonderstellung und schlug im Finale GM Wladimir Kramnik im Tie-Break, nachdem es in den regulären Final-Partien 1:1 gestanden hatte. Peter Swidler, Titelverteidiger im Mainzer WM-Kampf im Chess960, erreichte den dritten Platz. Für eine positive Überraschung sorgte Lokalmatador Arkadij Naiditsch mit seinem fünften Rang. [2.8.2004]

     Zeit der Giganten. Normalerweise zählt Dramaturgie nicht zu den herausragenden Talenten eines Schachturnierveranstalter, hier sind eher Umtriebigkeit, Organisationstalent und ein gewisser Hang zum Perfektionismus gefragt.

Die amtierende Weltmeisterin in Mainz:
Antoaneta Stefanova

Doch das Drehbuch des Großturniers im Schach, das in dieser Sommersaison ab nächster Woche in Mainz veranstaltet wird, bietet genau die Ingredienzen, die für Spannung sorgen: Giganten des Weltschachs, junge Wilde als Herausforderer der Platzhirsche, Grazien am Schachbrett und eine Dramaturgie, die für Spannung sorgt.

Das Ganze wird mit dem Duell Weltmeister im Schnellschach, GM Vishy Anand und GM Alexei Schirow und der Weltmeisterschaft in Chess960 gekürt: bei der Chess Classic Mainz tritt Titelverteidiger GM Peter Svidler gegen Herausforderer GM Levan Aronian aus Armenien an.

Gleiche Start-Dynamik:
Sumo-Ringen und Chess960

Das Mainzer Turnier-Umfeld besticht zudem mit nahezu perfekten Bedingungen: zentrale verkehrsgünstige Lage in Deutschland, kompakte Veranstalter-Logistik in der Rheingoldhalle und dem angrenzenden Hilton-Hotel, Parkmöglichkeiten und vollklimatisierte Spielhalle. Medientechnik der Spitzenklasse mit Video-Grossleinwand, Live-Kommentare von GM-Experten und Kopfhörer für die Zuschauer bringen die Dramatik und Feinheiten der Spitzenpartien nahe.

Und endlich hat Schach mit dem spannungsgeladenen Start im Chess960 eine Dramaturgie gewonnen, wie es Fans und Experten schon aus anderen Sportarten kennen: das dynamische Aufeinanderprallen der schwergewichtigen Sumo-Ringer mit dem Versuch, die Gesetze der Physik und des Gleichgewichts aus den Angeln zu heben, die röhrenden Motoren beim Formel-1-Grand-Prix Start mit der Taktik, die erste Rennkurve wie ein Nadelöhr als erster zu durchfahren oder der Sekunden-Erfolg des Fussball-Stürmers, der den Reporter-Schlachtruf "Toooooooooooooooor für Österreich - ich werd' narrisch" und damit einen kollektiven Adrenalin-Orgasmus im Fussballstadion auslöst.

Doch obwohl die Startphase im Chess960 auf niedrigstem Dezibel-Niveau abläuft, ist sie an Spannung kaum zu überbieten: Im Gegensatz zum klassischen Schach mit immer gleichbleibenden Startaufstellungen werden im Chess960 unmittelbar vor Partiebeginn die Aufstellung der Figuren ausgelost, rein rechnerisch sind mithin 960 verschiedene Ausgangsstellungen möglich. Eigentlich zuviel Zufall, als dass man sich darauf vorbereiten könnte. Somit müssen die Kontrahenten auf ihre liebgewonnenen Spezialvarianten mit den unendlichen Verästelungen der Theorie verzichten und wieder zu den ursprünglichen Prinzipien des Schachspiels zurück kehren. Analyse der Bauernschwächen, Entwicklung der Figuren, starke und schwache Felder, kurze oder lange Rochade-Strategie müssen in sekundenschnelle beurteilt werden, noch bevor der erste Zug gemacht wird. Endlich wird es auch wieder für den Zuschauer interessant, er muss nicht erdulden, bis eine Partie nach 18 oder 22 Zügen die ausgetretenen Pfade der Eröffnungsvarianten verlassen, denn schon vor dem ersten Zug im Chess960 wird Kreativität pur verlangt. Mehr auf der Turnierseite Chess Classic Mainz >>>hier. [1.8.2004]

     "Das Gehirn lernt immer, es kann gar nicht anders" , fasst Psychiatrie-Professor Manfred Spitzer vom "Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen" (ZNL) an der Universität Ulm zusammen.

Prof.Dr.Dr. Manfred Spitzer
Foto: Frank Brüderli

Spitzers Rezepte für beglückendere Lehranstalten klingen so eingängig wie simpel: Lernerfolg hängt von der Person des Lehrers ab, lehrt der selbst ernannte Neuropädagoge etwa, daher könne eben nicht jeder Lehrer werden. Wer sich nur genug für sein Fach begeistere, brauche auch keine Tricks zur Vermittlung des Stoffs, doziert Spitzer weiter:

GM Artur Jussupow
Foto: Klaus Stephan

Wenn einer Mathematik nicht mag, sollte er das Fach auf keinen Fall unterrichten." (Siehe auch Spiegel-Online). Ob sich diese These auch auf den Lernerfolg beim Schachspiel übertragen lässt, davon können sich die Teilnehmer am Jubiläumstraining des Schachclubs am 10. und 11. September mit GM Artur Jussupow selbst überzeugen: Die Begeisterung bringt GM Jussupow zweifelfsfrei mit, dazu ist er in seinem Lieblingsthema "Die Russische Verteidigung" ein ausgewiesener Experte in Praxis und Theorie: Sein Bestseller aus dem Verlag "Edition Olms" legt auf 434 Seiten die Grundzüge, Varianten und Strategien dar. [31.7.2004]

     "Free Bobby Fischer" - Das US-Schachgenie hat den Auftakt im Kampf um seine Abschiebung von Japan in die USA verloren und hofft jetzt noch auf weitere Rechtsmittel. Dazu schreibt Chessbase.de:

Fischer-Protest erfolglos 29.07.2004 Der Einspruch des vor 14 Tagen wegen Verstoßes gegen das Passgesetz verhafteten Ex-Weltmeisters Bobby Fischer gegen seine Abschiebung in die USA wurde gestern von den japanischen Behörden abgelehnt. Damit sind seine juristischen Möglichkeiten allerdings noch nicht erschöpft. Bis Freitag kann der Amerikaner noch einen Appell an den japanischen Justizminister richten oder auch eine gerichtliche Verfügung gegen das Vorgehen der Einwanderungsbehörde erwirken. Unterstützung gibt es für ihn auch von außen: so hat sich die isländische Schachföderation bei Präsident Bush für eine Begnadigung Fischers eingesetzt, und der japanische Verband veranstaltet heute in Tokio eine Pressekonferenz unter dem Motto: "Free Bobby Fischer". Weitere Details...

Nachdem die erste Welle der öffentlichen Meldungen abgeebbt war, hat sich angesichts der drohenden Abschiebung nun eine Aktion "Free Bobby Fischer" gebildet, um Druck auf die US-Behörden und Dritt-Staaten auszuüben mit dem Ziel, zumindest Asyl für Bobby Fischer in einem Dritt-Land zu erhalten. Die Aktion im Internet: http://www.freebobby.org/.

Der Schachclub Bad Soden distanziert sich ausdrücklich von diversen antisemitischen, antisowjetischen und antiamerikanischen Äusserungen, die Bobby Fischer in den letzten Jahren öffentlich machte. Allerdings soll dessen schachliches Genie und seine positiven Auswirkungen auf die Förderung des Schachspiels nicht unbeachtet bleiben. Lesen Sie hierzu die Hintergründe und Fischers Biografie >>>hier.

Die Öffentlichkeit reagiert nun auf diese Aktion weltweit:

Presse-Überblick (Stand 29.7.2004)

Reuters:
http://www.reuters.de/newsPackageArticle.jhtml?type=panoramaNews&storyID=556017&section=news

Rheinpfalz:
http://www.rheinpfalz.de/perl/cms/cms.pl?cmd=showMsg&tpl=ronMsg.html&path=/ron/welt/deutsch&id=040729101035.xbrellas
 

Yahoo! News:
http://de.news.yahoo.com/040729/286/44zph.html

Süddeutsche Zeitung:
http://www.sueddeutsche.de/panorama/artikel/222/36186/
Washington Post: (USA)
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A24432-2004Jul29.html
Sidney Morning Herald (Australien):
http://www.smh.com.au/articles/2004/07/29/1091080384702.html?oneclick=true

Japan Today:
http://www.japantoday.com/e/?content=news&cat=1&id=307040

Voice of America:
http://www.voanews.com/article.cfm?objectID=50F525AF-5F6F-4820-BBB564946830BDC5
The Guardian, Grossbritannien:
http://www.guardian.co.uk/international/story/0,3604,1271207,00.html
Bloomberg (USA):
http://quote.bloomberg.com/apps/news?pid=10000103&sid=axviYdevaHrc&refer=us

Kansas City Star (USA):
http://www.kansascity.com/mld/kansascity/news/consumer_news/9270399.htm?1c

SwissInfo: (Schweiz):
http://www.swisspolitics.org/en/news/index.php?section=int&page=news_inhalt&news_id=5111777

Globe&Mail (Canada):
http://www.theglobeandmail.com/servlet/ArticleNews/TPStory/LAC/20040729/REPO29-3/TPInternational/Briefs

Gulf Daily News (Bahrein):
http://www.gulf-daily-news.com/Story.asp?Article=87982&Sn=WORL&IssueID=27131

Washington Times (USA):
http://washingtontimes.com/upi-breaking/20040729-112146-1204r.htm

San Diego Union-Tribune (USA):
http://www.signonsandiego.com/news/world/20040729-0153-japan-bobbyfischer.html
San Jose Mercury News (USA):
http://www.mercurynews.com/mld/mercurynews/news/world/9273557.htm?1c
CBC News (Canada):
http://www.cbc.ca/story/world/national/2004/07/28/fischer_decision040728.html

Voila.fr (France):
http://actu.voila.fr/Article/article_gens_040728130738.m1py4agp.html

Las Ultimas Noticias (Chile):
http://www.lun.com/deportes/Otros/detalle_noticia.asp?cuerpo=701&seccion=806&subseccion=905&idnoticia=C381949276620718

La Voz de Galicia (Spain):
http://www.lavozdegalicia.es/inicio/noticia.jsp?CAT=126&TEXTO=100000052984
Chessbase News (Germany):
http://www.chessbase.com/newsdetail.asp?newsid=1817
Der Deutsche Schachbund berichtet am 30.7.2004 in seiner Titelgeschichte über Harry Friedrich: Der Sammler, Rechner und Genießer: http://www.schachbund.de/

[30.7.2004]

     Die Vereine, die viele Mitglieder haben. In der Zeitschrift "Rochade Europa" Nr. 3 vom 3. März 2004 stellte Jürgen Dammann die mitgliederstärksten deutschen Schachvereine zusammen. Ein Auszug:

Rang Verein Gesamt-Mitglieder
(Stand 1. Januar 2004)
1 Hamburger SK von 1830 335
2 Meerbauer Kiel 202
3 Schach-Club Vaterstetten 170
4 SC Kreuzberg 168
5 SF Köln-Mülheim 159
6 SG Porz 154
7 SG Garchin 1980 151
8 Karlsruher SF 1853 145
 8 SF Gerresheim 86 145
8 Krefelder SK Turm 1851 145
11 SK 81 Gescher 143
12 SF Brackel 1930 140
12 Sabt SV Werder Bremen 140
...    
27 SC Bad Soden 121
32 SV 1920 Hofheim 114
53 SC Steinbach 100

[26.7.2004]

     Die Großmeister, die nach Griesheim gingen.  Es ist mittlerweile schon eine schöne Tradition, wenn die Schachgesellschaft Griesheim von 2001 e.V. mit ihren eifrigen ehrenamtlichen Helfern das alljährliche Karl-Mala-Gedenkturnier veranstalten, in diesem Jahr nunmehr zum 8. Mal. Mit 214 Teilnehmern war das Turnier wieder gut besetzt, 93 Spieler hatten eine Wertungszahl von über 2000, darunter GM Sergey Fedorchuk aus der Ukraine mit 2569 ELO als bester der Meldeliste. In der siebten und letzten Turnier gewann Fedorchuk gegen Nikola Mitkov und GM Stanislaw Savchenko setzte sich mit Schwarz gegen Miroslaw Grabarczyk aus Polen durch. Die restlichen Spitzenpaarungen: Krivoshey - Gonchenko, Boidmann - Karpatchev, Ikonikov - Vitaly. Am Ende setzte sich der für Hungen-Lich spielende Anatoli Donchenko durch und gewann das Turnier vor Stansilav Savchenko vom SV Hofheim.

Die beiden Teilnehmer des Schachclub Bad Soden waren Kurt Fredershausen und Gerhard Kenk. Kurt Fredershausen spielte ein solides Turnier und kam zu einem überraschenden Unentschieden gegen den höherwertigen Mook vom SV Oberursel. Aber in der entscheidenden letzten Runde musste er eine Niederlage hinnehmen und beendete das Turnier mit 1.5 Punkten aus 6 Partien. Gerhard Kenk erzielte mit 2.5 aus 7 Partien das gleiche Ergebnis wie im Vorjahr. In der letzten Runde musste er gegen den um 430 besseren DWZ-Punkten eingestuften Udo Lanz antreten. Bei Material-Nachteil und geringfügig schlechterer Position nahm Lanz dann im 28. Zug ein Remis-Angebot des Bad Sodeners an.

Die Endresultate:

1 Donchenko, Anatoli Hungen-Lich
2 Savchenko, Stanislav Hofheim
3 Boidmann, Yuri Andernach
4 Fedorchuk, Sergey Ukraine
5 Mitkov, Nikola FRM
6 Sulypa, Alexander Ukraine
7 Solonar, Stefan Offenbach
8 Ugoluk, Vitaly Fulda
9 Tazbir, Marcin Griesheim
10 Rappoport, Vladimir Oberursel
11 Grabarczyk, Bogdan Griesheim
12 Karpatchev, Alexander Bad Mergentheim
13 Steinkohl, Thomas Worms
14 Krivoshey, Sergei Hofheim
15 Ikonnikov, Vyacheslav Heidelberg
16 Yakivchik, Myroslava UKR
17 Lisanti, Andre Mainz
18 Uwira, Oliver F-Nied
19 Guenther, Peter F-Matt im Park
20 Krahe, Frank Dotzheim
...    
178 Kenk, Gerhard Bad Soden
...    
202 Fredershausen, Kurt Bad Soden

In der Senioren-Wertung kam Gerhard Kenk auf Platz 12 und Kurt Fredershausen auf Platz 16. [25.7.2004]

     Der Weltmeister, der in die Kälte ging. Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein, als Ex-Weltmeister Bobby Fischer vor genau einer Woche am Narita-Flughafen in Tokio verhaftet wurde. Das Schachgenie aus den USA zog in die Kälte nach Reykjavik auf Island, um dort den besten der sowjetischen Schachspieler in einem aufsehenerregenden Match zu bezwingen. Für die USA war es die Geburt eines neuen Held des Kalten Krieges, jetzt sitzt der US-Held im Gefängnis und soll in die USA ausgeliefert werden, wo ihm Geldstrafen und 10 Jahre Haft drohen. Lesen die Biographie zu den Hintergründen eines gestolperten Genies: Exzentriker, Erfinder, Eremit: Bobby Fischers Leben zwischen Schwarz und Weiß >>>hier [23.7.2004]

     Die Katze, die aus der Kälte kam. Lange, arg lange hatte es gedauert bis die Organisatoren der Chess Classic Mainz die Rumpelstiltzchen-Attitüde abgelegt hatten. Jetzt ist es seit heute offiziell: Stargast des Turniers ist die neue Präsidentin von Eesti Maleliit, des estnischen Schachverbandes - modebewussten Zeitgeist-Magazinleser besser bekannt als "Model of the Year 2003", nämlich die 25jährige Carmen Kass.

Carmen Kass Estonia Model of the Year 2003

Hartmut Metz, Pressechef der veranstaltenden Chesstigers, erläutert:

"Schönes Schach wird in Mainz vom 4. bis 8. August garantiert! Das Super-Model Carmen Kass ist in der Rheingoldhalle Stargast des Aufsehen erregendsten deutschen Schach-Events. Die 25-Jährige wurde zum „Model of the Year“ (VH1/Vogue Fashion Awards 2000) gekürt und schmückte mehrfach Titelseiten der Trendsetter-Magazine „Vogue“ und „Bazaar“. Die gebürtige Brasilianerin gilt aber nicht nur als eine der schönsten Frauen der Welt – Carmen Kass ist auch eines der intelligentesten Models auf dem Laufsteg." >>>mehr.

Wir hatten noch im Mai 2004 auf dieser Webseite über Carmen Kass orakelt: "Die gebürtige Estländerin, gerade einmal 25 Jahre jung, ist noch nicht auf offiziellen Schachturnieren gesichtet worden, aber das kann ja noch kommen. Noch ist nicht entschieden, welcher Turnierveranstalter der Estländerin einen Freiplatz in einer der nächsten Promi-Simultanschachveranstaltungen anbietet. Ein Spitzenplatz - zumindest als Blickfang - wäre ihr sicher." Und so greifen die Chesstigers zu und erweitern ihr Team um eine Katze ("Kass" ist die estonische Bezeichnung für Katze). Mehr: NDR-Bericht und Video: Estland, das schöne Gesicht Europas. [15.7.2004]

FIDE-Weltmeister Rustam Kasimdzhanov
Foto: FIDE

     Rustam Kasimdzhanov schlägt Michael Adams im Tie-Break und wird FIDE-Weltmeister. Es war weder sizilianisch, noch griechisch, portugiesisch oder französisch, was die beiden Finalisten am häufigsten auf's Brett brachten, sondern eher einer der Klassiker in der Eröffnungs-Strategie, die sogenannte Spanische Partie. Seit 1490 ist diese Eröffnung überliefert, aber erst Ruy Lopez behandelte diese Eröffnungszüge (1. e4, e5, 2. Sf3, Sc6, 3. Lb5) im Jahre 1561 in seinem Buch Libro del Ajedrez auf systematische Weise und gilt seither als Vater der Spanischen Eröffnung oder der Ruy Lopez Eröffnung.

Heute ist dieser Klassiker aus der Eröffnungstheorie nicht mehr wegzudenken und sowohl Adams als auch Kasimdzhanov haben diese Eröffnung bei ihrem FIDE-Weltmeisterschafts-Finale mehrmals gewählt. Im Tie-Break gewann der Usbeke zunächst nach langem Kampf gegen Adams mit den schwarzen Steinen, die anschliessende zweite Tie-Break-Partie ging remis aus. Damit war die grosse Überraschung perfekt: ein Aussenseiter hatte die FIDE-Weltmeisterschaft gewonnen. [13.7.2004]

David Beckham, Engländer und Fussballspieler  mit Haar-Gel

      David Beckham als Meister des ruhenden Fussballs. Der englische Fussballstar galt bis zur Fussball-Europameisterschaft nicht nur als Werbe-Ikone Nr. 1 sondern auch auf dem grünen Rasen als Meister des ruhenden Balls.

Aus Standardsituationen erzielte Beckham so viele Vorteile wie selten ein anderer Fussballer - Kaiser Franz Beckenbauer behauptete sogar, Beckham könnte eine Fliege auf der Torlatte treffen, so gut war er für seine Treffsicherheit bekannt.

Michael Adems, Engländer und  Schachspieler ohne Haar-Gel

Dieser Mythos fand ein Ende, als er im entscheidenden Spiel zwischen Portugal und England im Elfmeterschießen als erster Torschütze antrat und den Ball hoch über das Tor schoß - Schuld war offensichtlich das Gras am Elfmeterpunkt, das vielleicht nicht ganz gleichmässig und ohne Gel gekämmt war.

Fast könnte man meinen, dass Michael Adams im Finale der FIDE-Weltmeisterschaft in Tripolis (Lybien) seinem englischen Landsmann nacheifern wollte. Er ist zwar nicht als Meister des ruhenden Sportgeräts bekannt, denn Schachfiguren verbringen die meisste Zeit, bewegungslos auf dem Brett herumzustehen und sind bestenfalls dankbar, wenn sie auf ein sinnvolles Feld gestellt werden. Doch bei den Buchmachern war der Weltranglisten-Sechste hoher Favorit.

In der vielleicht vorentscheidenden sechsten Partie - es stand 2,5 zu 2,5 Punkte - kam es wie schon zuvor in einer Spanischen Partie zu einem zähen Kampf. Im Verlauf konnte Adams eine höchst erfolgversprechende Gewinnstellung nicht nutzen, kurz danach einigte er sich mit seinem usbekischen Gegner Kasimdzhanov auf ein Remis im 44. Zug.

Die Chance zum Gewinn des Finales war vergeben - nun kommt es am morgigen Dienstag im alles entscheidenden Tie-Break zum Show-Down in Tripolis. Hier können Sie die Final-Partien nachspielen. [12.7.2004]

WM-Finalist Rustam Kasimdzhanov
Foto: Chessbase

      Setzt Otto Rehagel ein Beispiel für die Schach-WM?

Nahezu niemand hatte darauf getippt, dass bei der kürzlich beendeten Fussball-Europameisterschaft Trainer Otto Rehagel die griechische Nationalmannschaft bis ins Finale führt und dort dann auch ausgerechnet Gastgeber und Mitfavorit Portugal schlägt.

Bei der zur Zeit in Tripolis (Lybien) stattfindenden FIDE-Weltmeisterschaft im Schach deuten alle Zeichen auf eine handfeste Überraschung - zumindest wenn der Aussenseiter unter den Final-Teilnehmern, der Usbeke Rustam Kasimdzhanov gegen Michael Adams (England) gewinnen sollte.

Nach fünf Partien steht es am Sonntag (11.7.2004) im Finale unentschieden 2,5 zu 2,5. Spiel Nr. 6 wird am Montag ausgetragen, eine etwaiger Tie-Break würde dann am Dienstag, den 13. Juli die FIDE-Weltmeisterschaft entscheiden.

Rätsel I. Adams Weltmeister? Kasimdzhanov Weltmeister? Spätestens jetzt beginnt sich der Schachfreund zu wundern, was denn ein solcher Titel angesichts der fehlenden aktuellen Weltelite bedeutet.

Michael Adams (England) ist auf Platz 6 der TOP-FIDE-100 Rangliste, der Finalist Kasimdzhanov rangiert auf Platz 44, einige hochrangige Spieler sind schon ausgeschieden.

Aber der Glanz der Abwesenden strahlt beinahe heller als die Wüstensonne über der Sahara: Es fehlen Kasparov, Anand, Kramnik, Leko, Judit Polgar, Peter Svidler, Shirov oder Ponomariov, um nur einige Namen der TOP-10-Liste zu nennen. Diese Konfusion wird sich wohl noch einige Zeit dahinziehen, denn nach wie vor fehlt ein verständlicher, allgemein einvernehmlicher Austragungsmodus, um den Schach-Weltmeister zu krönen.

Rätsel II. Hinter den Kulissen der lokalen Schachszene sind die Strippenzieher fleissig an der Arbeit - doch bisher gibt es nur Vermutungen. So berichten Insider, dass sich ein MTS-7-Verein (nein, nicht der SV Hofheim), mit einem Spitzenspieler im GM-Format verstärken möchte.

Überraschungs-Gast in Mainz?

Und auch die Teilnehmerliste für das Groß-Turnier Chess Classic Mainz hat noch nicht den endgültigen Stand erreicht. Dem Vernehmen nach sind die Organisatoren auf einer heißen Spur, um einen Überraschungs-Gast zu präsentieren. Aber noch dringt nichts nach außen.

GM beim Stadt-Spaziergang

Rätsel III. Was führt einige Spitzenspieler nach Bad Soden?

Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, dem begegnen gelegentlich einige Schach-Spieler der Weltklasse, die hier ganz ungestört und fast unerkannt ihren Aktivitäten nachgehen können.

So trafen sich GM Rustem Dautov, etwas früher als erhofft von der FIDE-WM aus Tripolis zurückgekehrt und ein anderer bekannter TOP-GM aus Indien zu einem kleinen Einkaufs-Bummel und ansonsten zur konsequenten Arbeit im Schach-Trainings-Camp. Etwaige Gerüchte, dass diese beiden die Mannschaft des Schachclub Bad Soden verstärken würden, entbehren offensichtlich jeder Grundlage. [11.7.2004]

      Neue DWZ-Auswertungen liegen vor.

Stefan Schmieder: Abi in der Tasche und DWZ Punkte auf dem Spielerkonto.

Nun sind auch die 4er-Pokalspiele der letzten Saison ausgewertet und in den DWZ-Tabellen des Deutschen Schachbundes aktualisiert worden. Den größten Sprung machte Teenager Stefan Schmieder mit einer schönen Steigerung um 59 DWZ Punkte auf nunmehr 1285. Geir Smith-Meyer setzte seine gute Formverbesserung fort und konnte 15 DWZ Punkte hinzufügen (neu: 1759) und in den oberen Rängen verbesserte sich Thomas Rödiger um 4 Zähler auf 1940.

     Nicht nur für Zahlen-Fans: Chefstatistiker Roland hat wieder einmal einige Nachtstunden geopfert und die "Ewige Bestenliste" sowie die Jahres-Leistungsbilanz aktualisiert: all dies gibt's unter Ergebnisse.

Erstmals in den DWZ-Punkterängen: Kenan Azizov (*1990)

     Neue offizielle DWZ-Auswertungen liegen jetzt vor: Die Auswertung der MTS-Viererpokalrunde der letzten Saison zeigt auf, daß die Breiten- und Nachwuchsarbeit im Schachclub sich so langsam auch in den Statistiken bemerkbar machen.

So verbesserte Stefan Schmieder seine erste DWZ-Zahl um 65 Punkte auf 1285, Christoph Peterson (Jahrgang 1991) konnte seine überraschend hohe Anfangszahl nochmals um 25 Punkte auf nunmehr 1459 steigern. Mit einer Erst-DWZ-Zahl haben gleich vier Nachwuchsspieler den Bann der DWZ-Qualifikation gebrochen: Maximilian Arnold erreicht 1056 Zähler, Kenan Azizov schaffte 944 DWZ. Sebastian Straube kommt auf glatte 1100 Punkte und Tobias Schmieder erzielte eine Punktzahl von 889. Nunmehr sind insgesamt 61 Spieler mit einer DWZ-Leistungszahl ausgestattet. [10.7.2004]

      Nieder Schnellschach-Open 2004: Bad Sodener Spieler sammeln Erfahrungen in starkem Teilnehmerfeld. Geir Smith-Meyer belegte mit 3.5 Punkten aus 7 Partien Platz 48. Gegen Julia Schlein vom SC Steinbach (DWZ 1921) erkämpfte er sich ein Unentschieden. Und die Leach-Familie landeten altergerecht gestaffelt auf den Plätzen 51 (Vater Michael) 55 (Julien) und 58 (Christoph). Sieger wurde Thomas Schlapp mit 7 Punkten knapp vor Ryhor Issermann und Robert Schlamp (beide SV Oberursel), alle ebenfalls mit 7 Punkten.

      Bad Sodener Schachspieler im Trainingslager: Neues Eröffnungsgambit soll Erfolge für die nächste Saison garantieren.

Das Spanferkel-Gambit ermöglicht Kontrolle der Schwarten-Felder e4, d4 und c3.

Es hat nicht lange gedauert, bis die Schachspieler der Absteiger-Mannschaften die Konsequenzen gezogen haben.

Am 26. Juni trafen sie sich zu einem minutiös geplanten geheimen Trainingslager, um mit einem neuartigen Eröffnungsgambit die Gegner in der kommenden Saison zu überraschen.

Turnierleiter Dr. Gunnar Philipp wies jedoch zu Beginn des Trainingslagers auf die wenig gesicherten theoretischen Fundamente des neuen Eröffnungsgambits hin.

Allerdings - so betonte er mit Blick auf die über 500jährige Gambit-Historie - müsse jedes neue Gambit erst einmal auf Turnierebene widerlegt werden.

Und gerade das ist bei dieser neuen Spielweise noch nicht erfolgt.

Musterbeispiele von GM Abba und IM Zappa: Roland Bettenbühl führte als DJ Regie.

Als dann Vorstand Roland Bettenbühl den Schleier des Geheimnisses etwas lüftete, waren die anwesenden Spieler schnell von den Ingredienzen dieses Gambits überzeugt, rasch bildete sich eine lange Schlange vor dem Demonstrations-Objekt, um die Neuerung aus der Nähe zu betrachten.

Als besonderes Merkmal verfügt dieses Gambit über eine knusprige Bauernformation auf den Schwarten-Feldern c3, d4 und e4.

Zudem werden schon gleich in der Eröffnungsphase die tief gestaffelten Verteidigungslinien des Gegners mit regelmässig zugeführter Hitze vom Holzkohlengrill weich gegart.

Mit einem kurzen und präzise ausgeführten Tranchier-Angriff gelingt es dann, die gegnerische Königsstellung Schnitt um Schnitt zu dezimieren.

Nomen est Omen: Horst Best, der Begründer des Spanferkel-Gambits

Roland Bettenbühl verdeutlichte anhand einiger Musterspartien aus seiner umfangreichen historischen Sammlung von GM Abba und IM Zappa, dass die Popularität dieses Gambit auch auf saisonal-meterologischen Einflüssen begründet ist.

Insbesondere in den warmen Sommermonaten wird dieses Gambit auch auf zahlreichen Turnieren gespielt.

Und als Schatzmeister Dieter Ruppel zur Überraschung aller Teilnehmer den Begründer des Spanferkel-Gambits, den Landwirt Horst Best vom Birkenhof in Neuenhain präsentierte, gab es keine Zurückhaltung mehr.

Bis in die späten Stunden des Abends diskutierten die Teilnehmer die Vor- und Nachteile des Gambits.

In der Fotogalerie können hier die Bilder angesehen werden [27.6.2004]

Die Mannschaftsaufstellungen sind verfügbar: Saison 2004/2005

      Bobby Fischer: Wunderkind, Weltmeister, Weltenbummler.

Bobby Fischer: Wunderkind, Weltmeister, Weltenbummler

Bobby Fischer, US-Wunderkind, Ex-Weltmeister und mysteriöser Weltenbummler, gilt als einer der brilliantesten Schachspieler des letzten Jahrhunderts. Nicht ganz so bekannt sind seine Modifikationen der Schachregeln, die unter der Bezeichnung "Fischer Random Chess" oder "Chess960" bekannt wurden.

Die Grundidee: Die Startaufstellung der Figuren sind nicht immer identisch wie beim klassischen Schach, sondern werden unmittelbar vor  jeder Partie ausgelost. Das ermöglicht insgesamt 960 verschiedene Anfangspositionen und verhindert gleichzeitig, dass sich Spieler auf den ausgetretenen Pfaden der Eröffnungs-Theorie bewegen. Kreativität und die allgemeinen Schachprinzipien haben eindeutig Vorrang. Das Fischer Random Chess ist aber nicht frei von Nebenwirkungen: es ist besonders attraktiv für Schachspieler, die ihre knappe Freizeit nicht mit stundenlangem Studium der Eröffnungstheorie verbringen wollen und trotzdem chancengleich mit anderen Spielern sich messen wollen.

Hans Walter Schmitt (links) und der neue Weltmeister Chess960 Peter Svidler (rechts)

Hans Walter Schmitt aus Bad Soden stellt auch die Bedeutung des Fischer Random Chess für eine wichtige Alters- und Zielgruppe hervor: Gerade für Berufstätige in der Altersgruppe von 20 - 65 Jahren ist diese Spielmethode (die im übrigen mit wenigen Ausnahmen mit den klassischen Schachregeln übereinstimmt) hervorragend geeignet, auch ohne den ständig wachsenden Theorie-Berg die Freude am Schachspiel zu vermitteln.

Mittlerweile ist Fischer Random Chess auch auf einer organisatiorischen Plattform etabliert: die World New Chess Association wurde am 14. August 2003 gegründet, Präsident ist der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel und Hans Walter Schmitt aus Bad Soden ist "Secretary" des neuen Verbands.

Die aktuelle Weltrangliste zeigt, dass Spitzenspieler im klassischen Schach auch hier den Ton angeben: Peter Svidler ist auf Rang 1, gefolgt von Peter Leko auf Rang 2 und Michael Adams auf Rang 3. Artur Jussupov nimmt Platz 13 ein. Auch zahlreiche Spieler aus dem Rhein-Main-Gebiet konnten sich als Teilnehmer der Chess Classic Mainz Turniere für die Weltrangliste qualifizieren.

 >>>die Weltrangliste der WNCA

>>>Fischer Random Chess spielen

Die Fischer Random Chess Regeln im Überblick:

Fischer Random Chess (FRC) ist Bobby Fischers neue und verbesserte Variante des Shuffle Chess. Bevor die Partie anfängt, werden die Bauern auf beiden Seiten wie im klassischen Schach auf der 2. und 7. Reihe aufgestellt.
Während alle Figuren wie gewohnt ziehen und die Bauern auf der zweiten Reihe bleiben, werden die Positionen der Offiziere ausgelost. Dabei gibt es einige Regeln, die zum Beispiel garantieren, dass jeder einen weiß- und einen schwarzfeldrigen Läufer bekommt. Um die Chancengleichheit beider Seiten zu wahren, erhält Schwarz die spiegelbildliche Grundstellung. Außerdem ist es wichtig , dass ein Turm links vom König steht und der andere Turm sich auf der rechten Seite des Königs befindet. Bei der Auslosung der Grundstellung gibt es 960 verschiedene mögliche Anordnungen.
Eine wichtige Nuance, die FRC vom Shuffle Chess unterscheidet, ist das Rochade-Recht. Weil nicht weniger als 960 Grundstellungen möglich sind, wurde das Rochade-Recht angepasst und erweitert. (Eric van Reem)

      Die neue DWZ Liste vom Schachbund, Stand: 14.06.04 liegt vor. Smith-Meyer hat sich um 68 Punkte von 1.626 auf 1.694 verbessert (hat eine 1.931 Runde beim Nachbarschaftsturnier gespielt!). Robert Ackermann hat sich um 3 Punkte von 1.435 auf 1.438 leicht verbessert, Michael Leach hat die Flörsheimer und Steinbacher Stadtmeisterschaft ausgewertet bekommen hat jetzt 1.466, vorher hatte er 1.455 Gerhard Kenk hat die 1.400 Barriere wieder überwunden, von 1.388 auf 1.402. Julien Leach hat sich auf 1.254 von 1.219 verbessert Christoph Leach hat von 1.090 auf 1.039 stark verloren. Kurt Fredershausen hat auch stark verloren auf 1.262 von 1.300 (Wertung 0 aus 5 bei NBT), während Rolf Merz-Zönnchen sich auf 1.216 von 1.210 verbessert. (Roland Bettenbühl). In der DWZ-Liste sind nun 57 Spieler verzeichnet, davon sind 13 Neu-Einsteiger mit einer erstmaligen Wertungszahl und 32 Spieler sind auf dem Sprung zu einer Wertungszahl, haben aber noch nicht die notwendige Anzahl Partien ausgetragen. Bester Neu-Einsteiger ist Sven Meisgeier mit DWZ 1639, gefolgt von Christof Petersen (Jahrgang 1991) mit 1434 DWZ.

Die unten stehende Grafik stellt die Häufigkeitsverteilung und die Entwicklung der Wertungszahl dar, wobei pro Wertungszahlbandbreite die Anzahl Spieler gegenüber gestellt wird. Im Spitzenbereich (über 2000 DWZ) ist durch den beruflich bedingten Wegzug einiger Spieler ein Rückgang gegenüber 2001 zu verzeichnen, doch in nahezu allen anderen Wertungszahlbereichen spiegelt sich eine erfreuliche Steigerung der Spielstärke ab. >>>aktuellen DWZ-Liste des Deutschen Schachbund. [15.6.2004]

      Vereinsmeisterschaften Runde 3: In der Vereinsmeisterschaft ist einer der Turnierfavoriten leider vorzeitig ausgeschieden, da Benjamin Felmy seine Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hat. Das Turnier wird zur Zeit von den punktgleichen Spielern Dr.Bittner, Hans-Walter Schmitt und Gunnar Philipp angeführt, die jeweils mit drei Siegen aus drei Partien gestartet sind. Auch Geir Smith-Meyer und Ulrich Götting sind mit 2,5 Punkten aus drei Runden sehr gut gestartet. Im U18-Turnier trifft der Tabellenführer Carsten Segesser (3 Punkte aus 3 Partien) auf Max Arnold, der mit 2 Punkten auf Platz 2 steht. Die beiden werden von Georg Fidlschuster, Michael Hoss, Tobias Decker und dem 9jährigen Valerio Bello verfolgt, die ebenfalls 2 Punkte aus den ersten 3 Runden erzielt haben. Leider mußten einige Partien kampflos entschieden werden. Wegen der Sommerpause steht diesmal wirklich sehr viel Zeit zur Verfügung, um alle Begegnungen auszuspielen. Alle Spiele müssen bis zum 24. ASeptember gespielt werden. Bitte setzt Euch alle rechtzeitig mit den Spielern in Verbindung. Weiterhin viel Spass. Gunnar Philipp, Turnierleiter.  >>>hier Runde 4 Ergebnisse

      Bei den Offenen Frankfurter Stadtmeisterschaften 2004 erreichte Geir Smith-Meyer mit 4.0 Punkten aus 6 Partien und wurde damit Zweiter seiner damaligen Ratinggruppe (Unter 1700 DWZ). Der Sieger der Ratinggruppe kam eher zufallsbedingt zu seinem ersten Platz, weil in der letzten Runde sein zugeloster Gegner (mit immerhin 1940 DWZ) nicht erschien und somit einen kampflosen Punkt in der Rating-Wertung gutgeschrieben bekam. Schade. Ulrich Götting kam mit 2.0 Punkten auf Platz 110 in diesem starken Teilnehmerfeld. Mit einem halben Punkt Vorsprung führt FM Schlamp (Oberursel) mit 5.5 aus 6, bevor es in die siebte und letzte Runde geht. Bei den Hattersheimer Stadtmeisterschaften aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums des Schachclub 1979 Hattersheim am Main e.V. erzielte Geir Smith-Meyer wieder einen 50% Schnitt und liegt mit 1.5 Punkten aus 3 Partien auf Platz 17 von 30 Teilnehmern.

Beachten Sie weitere Meldungen im Archiv

[zurück zur Startseite]