Schachclub Bad Soden

 
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Aktuelle Nachrichten (zuletzt aktualisiert am 24. September 2004)

  • Neue DWZ Auswertungen liegen seit 20.9. vom Deutschen Schachbund vor.
    Der Schachclub hat 116 gemeldete Spieler, davon haben 53 eine DWZ Wertung. 22 Spieler haben Restpartien, d.h. noch keine ausreichende Anzahl Partien gegen andere DWZ-Träger gespielt. 40 Spieler sind noch ohne Wertungszahl bzw. Wertungspartien. Die Details >>>hier

Das 25-jährige Vereinsjubiläum

      Pressestimmen: "Bad Sodener Echo" vom 24. September 2004:

"25 Jahre Schachclub Bad Soden"

Rückblick auf die Jubiläumsveranstaltung am 10. und 11. September 2004

Bei der Pressekonferenz begrüßte Mitveranstalter Hans Walter Schmitt die Gäste Norbert Altenkamp, Bürgermeister der Stadt Bad Soden, Hans Dieter Post als Vertreter des Hessischen Schachverbandes, Dr. Wolfgang Gordon (Hofheim) als Vertreter der Main Taunus Schachvereinigung (MTS) und die anwesenden Vertreter der Presse.

Er stelle den Initiator der Clubgründung vor 25 Jahren Rudolf Fellner, den jetzigen Clubvorsitzenden Roland Bettenbühl und natürlich den Hauptakteur der Veranstaltung Großmeister Artur Jusspow vor. Er machte darauf aufmerksam, daß die erste Schach-Großveranstaltung des Main-Taunus-Raums, nämlich ein Turnier, an dem die zehn besten Spieler der damaligen Weltrangliste teilnahmen, vor einigen Jahren in Bad Soden stattfand - und dass auch jetzt ein Kapitelchen der Schachgeschichte in Bad Soden geschrieben worden ist, durch die Einbeziehung einer neuen Variante des Schachspiels in eine Simultanveranstaltung ("Schach 960", von Robert Fischer vorgeschlagen).
Bürgermeister Altenkamp "hätte es nicht für möglich gehalten, dass ausgerechnet ein Schachclub der am schnellsten expandierende Verein Bad Sodens sei". Er wünschte dem Schachclub weiterhin Erfolg, besonders bei der Förderung der Jugendlichen. Die Veranstaltung selbst hatte zwei Teile: Zuerst demonstrierte A. Jussupow, welch ein hervorragender Schachtrainer er ist, wobei sein Trainingsvortrag schon recht ansehnliches Schachverständnis bei den Zuhörern voraussetzte.
Dann begann sein Simultankampf gegen 35 Gegner, von denen immerhin zehn sich entschlossen, im "Fischerschach" gegen ihn anzutreten. Von diesen konnte nur H.D. Post ein Remis erreichen. Von den "konservativen" 25 erreichten immerhin sechs ein Unentschieden: (Fünf in alphabetischer Reihenfolge) R. Ackermann, F. Bittner, R. Fellner, K. Fredershausen, T. Rödiger und - besonders hervorzuheben - der zehnjährige Julien Leach.

25 Jahre Schachclub Bad Soden

Der Schachclub Bad Soden wurde am 22. Juni1979 von 16 Schachbegeisterten gegründet. Initiator der Vereinsgründung war Rudolf Fellner. Er wurde der erste 1. Vorsitzende und war mehrere Jahre lang Spitzenspieler der 1. Mannschaft.

Der Club entwickelte sich schnell. Er veranstaltete 1981 eine Simultanvorstellung des russischen Großmeisters Salo Flohr, durde bekannter und hatte schon 1983 33 Mitglieder. Die erste Mannschaft stieg bis 1984 um mehrere Klassenstufen in die damalige Unterverbandsklasse A auf (Heute heißt dieser damalige Unterverband des Hessischen Schachverbandes "Bezirk 7", dessen Grenzen so weit voneinander entfernte Orte wie Groß Gerau, Rüsselsheim, Eppstein, Königstein und Steinbach markieren).

1987 war der Verein in der Lage, die Hessischen Schachmeisterschaften mit circa 400 Teilnehmern erfolgreich zu organisieren. Infolge der damit verbundenen Publizität stieg die Mitgliederzahl vorübergehend auf 40 an. Bis zum Jahr 2000 pendelte dann die Mitgliederzahl um 35.

In all den Jahren blieb die 1. Mannschaft in der Unterverbandsklasse A. Dann wurde sie in die neu gegründete Main Taunus (MTS) Liga aufgenommen, die höchste Klasse im Bezirk 7. Dort spielte sie bisher mit wechselndem Erfolg und schrammte 2003/2004 nur haarscharf am Aufstieg in die Landesliga vorbei.

Pressekonferenz

Ab 2000 verstärkte der Verein unter dem sehr engagierten Clubvorsitzenden Roland Bettenbühl seine Werbung in der Öffentlichkeit, vor allem an den Schulen, durch Präsentation bei Neubürgerempfängen, mit Plakaten, Zeitungsmeldungen und der bemerkenswerten Internetseite  (www.schachclub-badsoden.de).

Seitdem hat sich die Zahl der Clubmitglieder auf heute 119 verdreifacht. Damit ist der SC Bad Soden einer der mitgliederstärksten Schachvereine in Hessen. Das gemeinsame Hobby hat Menschen der verschiedensten Ursprungsnationalitäten und aller Altersgruppen (rund 60 Prozent sind Jugendliche unter 18) im Schachclub zusammengeführt. Nur das weibliche Element ist leider zahlenmäßig (nur zehn weibliche Mitglieder) noch etwas schwach vertreten.

Bei den Verbands-Mannschaftskämpfen stellte der Club früher zwei, heute zehn Mannschaften, so dass an jedem Verbands-Spieltag 59 Clubmitglieder Turnierpartien spielen.

In Einzelturnieren war der "Nestor" Dr. Friedrich Bittner (78) in seinem langen Schachleben am erfolgreichsten. Aber der als Jugendlicher 1987 dem Club beigetretene Benjamin Felmy hat ihn im "Rating" inzwischen deutlich überflügelt, war schon dreimal Clubmeister und zweimal Stadtmeister von Steinbach.

Ein aussichtsreiches Nachwuchstalent ist der zehnjährige Julien Leach, der bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in seiner Altersklasse immerhin 50 Prozent erreichte und schon in mehreren Jugendturnieren sehr gut abgeschnitten hat.

Unter den zahlreichen Jugendlichen des Schachclubs Bad Soden sind sicher noch weitere Talente verborgen, so dass der Club bei weiter anhaltender intensiver Jugendarbeit keine Zukunftssorgen haben muss. Die Entwicklung des Schachclub Bad Soden zeigt, dass man auch in unserer angeblich so materialistischen zeit durch geeignete Ansprache eine große Zahl Jugendlicher (und deren Eltern) für eine "brotlose Kunst" wie das Schachspiel interessieren kann, ein Spiel, bei dem nicht (nur) ein Computer, sondern ein Mensch Gegner und Partner ist, der noch nicht einmal die gleiche Sprache sprechen muss. (RB)

      Ein Gastbeitrag von Daniela Klotz.

Ein Damenopfer im Bärenzwinger

 ... oder wie eine Schach-Novizin das Simultan mit dem „Russischen Bären“ GM Artur Jussupow erlebte

    Am Vorabend der Simultanturniers sah ich Großmeister (GM) Artur Jussupow das erste Mal bei seinem „Intensivtraining“: groß, recht kräftig, längeres Haar und Rauschebart, tiefe Stimme mit angenehmem, russischem Akzent.

GM Artur Jussupow

Seine Beispiele zu verschiedenen Konstellationen waren interessant, abwechslungs- und lehrreich. Schnell und präzise ging er auf Fragen und Vorschläge des Publikums ein. Zum Teil war ich gnadenlos überfordert und konnte bereits deutlich erahnen, was da am nächsten Tag auf mich zukommen würde. Nicht, dass ich mir als Novizin im Schachclub Bad Soden, die in ihrer Kindheit das letzte Mal einem Schachclub angehört hatte, in irgendeiner Weise Hoffnungen auf ein Remis geschweige denn einen Sieg gemacht hätte. Aber nun verließ mich der Mut völlig. Zumal ich von den ganzen theoretisch-strategischen Zugkombinationen – angefangen bei den klassischen Eröffnungstheorien – (noch) überhaupt keine Ahnung habe. So entschied ich mich spontan, Chess960 gegen den Großmeister zu spielen. Wenn ich schon keine Ahnung habe, dann wollte ich doch wenigstens den Großmeister ein wenig verwirren. Dass dieses Vorhaben einem ziemlich sinnlosen Aufbegehren einer erbarmungslos Unterlegenen entsprang, war mir zwar bewusst – aber ganz kampflos wollte ich das Feld doch nicht räumen.

Am nächsten Tag war es soweit. Nach dem erneuten Training wurden die Tische in U-Form geschoben und die Bretter, Figuren und Namenschilder aufgebaut. Alle Spieler nahmen Platz und der Großmeister begrüßte jeden einzelnen mit Handschlag und einem Glitzern in den Augen. Jussupow begann mit den „normalen“ Partien (andere würden sagen: mit den nicht ausgewürfelten Chess960-Partieen Nummer 518). Hier hatte er Weiß. An Stelle 26 saß ich mit der Konstellation „Dame-Läufer-Läufer-Springer-Springer-Turm-König-Turm“ vor Augen und einem merklich steigenden Adrenalin-Spiegel. Da der GM hier Schwarz hatte, musste ich als erste ziehen – und zwar unverzüglich, nachdem er an mein Brett treten würde. Irgendwie rechtzeitig sah ich noch, dass seine Dame und Läufer schon jetzt latent meinen König bedrohten. Brett für Brett kam Jussupow näher. Chaos herrschte in meinem Gehirn und mit jedem Zug, den er bei meinen Vorgängern machte, konnte ich weniger logisch denken. Also beschwor ich innerlich, auf mein Gefühl zu hören: Das sagte „Springer e3“.

Daniela Klotz

Um es kurz zu machen: Ich glaube, anfangs habe ich gar nicht so schlecht gespielt, so dass ich meine beiden Ziele für den Tag – fünf Züge überleben und nicht als erste aufgeben – recht stolz erreichte. Das Ende war dann wie erwartet gnadenlos. Fasziniert hat mich an diesem Spiel vor allem, dass man förmlich spüren konnte, wie sich Jussupow jedes Mal die Konstellation „unserer“ Partie bereits ins Gedächtnis gerufen hatte, bevor er an „mein“ Brett trat – und das bei 35 Partien ohne eine einzige zu verlieren! Hinzu kommt die körperliche Leistung, stundenlang mit gebücktem Oberkörper im Kreis zu gehen und sich nur manchmal, wenn er ausnahmsweise doch einmal einige Sekunden (!) nachdenken musste, hinzuknien. Ich glaube, wer das nicht erlebt hat, kann es sich nicht richtig vorstellen. Jemand sagte nachher: „Das ist schließlich sein Job“. Dem muss ich zustimmen und zugleich widersprechen: Dazu gehört viel mehr, und zwar eine Fähigkeit, die ich mit meinem beschränkten Gehirn nur erahnen, nie aber ganz begreifen werde. Ich bin wirklich froh, an einem solchen Ereignis teilgenommen zu haben. Und ich habe auch etwas gelernt: Spiele nie Chess960 gegen einen Großmeister. Denn Jussupow verriet mir später am Abend während des Essens lächelnd seine Strategie. Demnach würde er nicht nach den gängigen Strategien spielen, sondern immer erst die Läufer entwickeln. „Und bei Chess960 denke ich einfach länger nach als bei normalem Schach. Da haben Laien dann so gut wie gar keine Chance.“ [Daniela Klotz, 20. September 2004]

      Die Vorbereitung. Selten hat man den Vereinsvorstand und die vielen fleißigen Helfer so eifrig gesehen, als die Vorbereitungsphase zur großen Jubiläumsveranstaltung als Hausaufgabe anstand.

Die Planung: Geir Smith-Meyer (links) und Roland Bettenbühl kontrollieren die Checkliste

Fast generalstabsmäßig wurden Pläne geschmiedet, Check-Listen ausgearbeitet und Aufgaben delegiert - bis auch die letzte Kleinigkeit unter Dach und Fach war. Regelmäßig trafen sich die eifrigen Heinzelmännchen zu ihren Besprechungen - glücklicherweise wurden während der Sommerpause die Sitzungen kurzerhand ins "La Cucina" verlegt, so daß man dort auch noch mit Speis und Trank verwöhnt werden konnte.

      Der Start. Als dann die letzten großen und kleinen Hiobsbotschaften so nach und nach eintrafen, mußte Roland Bettenbühl und sein Team noch einmal alle Hebel in Bewegung setzen, um die Teilnahme von Presse- und Medienvertretern sicherzustellen. Und selbst bei den Repräsentanten der Schachverbände entpuppte sich der Termin am 11. September als ein ungünstiges Datum, standen doch eine Reihe von persönlichen Verpflichtungen mit der Jubiläumsveranstaltung in Bad Soden in Konflikt. Doch schließlich wurde hinter den Kulissen an den Strippen gezogen und alles wurde wieder ins Lot gebracht.

      Das Training.

Robert Ackermann

Pünktlich um 18:00 Uhr wurde die Jubiläumsveranstaltung mit dem ersten Trainingsabend eingeleitet - über 50 Schachbegeisterte hatten sich in die Teilnehmer-Liste eingetragen.

Nach den obligatorischen freundlichen Worten des Vorstands Roland Bettenbühl übernahm GM Artur Jussupow, Gäste und Vereinsmitglieder in das Trainingsprogramm einzuführen.

Wie vermeide ich grobe Patzer am Brett? So lautete der erste Trainingspunkt. Und GM Artur Jussupow ließ sich nicht zweimal bitten. Mit einem Beispiel aus einer Partie führte er die Züge aus, wie sie im Torré-Angriff charakteristisch sind.

Anhand der sich nach wenigen Zügen ergebenden Position führte er anschaulich aus, wann und wie Fehlkalkulationen gemacht werden könnten, die dann zu den berühmt-berüchtigten Patzern führen würden.

GM Artur Jussupow und Sohn Alexander

Doch nicht umsonst ist GM Artur Jussupow auch einer der besten Schachtrainer und Pädagogen in Deutschland, und so konnte er die vielfältigen Konsequenzen einer Fehlkalkulation anhand wichtiger Varianten darstellen. Was sich für den normal ambitionierten Vereinsspieler durchaus als "unbedenklich" darstellte, entpuppte sich in der glasklaren Analyse von GM Artur Jussupow Schritt für Schritt als Patzer-Problem - teilweise erst nach mehreren Zügen. Den ersten Trainingsabend schloß er dann mit einigen Beispielen ab, wie bei erheblichem Materialnachteil kluge Schachspieler die Tücken der Position ausnützen und dem vermeintlichen Sieger noch durch ein Patt entwischen können.

      Die Russische Verteidigung. Selten ist eine Theorie-Variante mit einer so verwirrenden Bezeichnung belegt worden wie die schon im Mittelalter bekannte Zugfolge, die jedoch erst vom russische Meister Petroff zu einem theoretisch fundierten aggressiven Gegenangriff weiter entwickelt wurde.

GM Artur Jussupow

GM Artur Jussupow, der zusätzlich zu seiner umfassenden Schachpraxis auch mit einem klassischen Theoriebuch "Die Russische Verteidigung" untermauert hatte, erläuterte am zweiten Tag des Trainings diese Theorie.

Mit großer Sachkunde führte GM Artur Jussupow die Trainingsteilnehmer durch die Hauptvarianten der Russischen Verteidigung und deutete auf die Besonderheiten hin. In der letzten Konsequenz eignet sich die Russische Verteidigung bei präzisem Spiel sehr wohl als eine gute Waffe, insbesondere wenn der Gegner mit den weißen Figuren nicht ausgiebig mit den Tücken der einzelnen Varianten vertraut ist.

      Die Pressekonferenz.

Die Pressekonferenz: Hans-Walter Schmitt, GM Artur Jussupow, Bürgermeister Norbert Altenkamp (von links). Foto: Heiko Hegner, Bad Sodener Zeitung

"Schach ist OK"  - diese Überzeugung vertrat Hans-Walter Schmitt als Moderator der Jubiläums-Pressekonferenz und machte anschließend aus seinem Herzen keine Mördergrube:

"Es geht uns darum, das Schachspiel von einer Randsportart zu einer Trendsportart zu entwickeln, und wir sind dabei auf dem besten Weg."

Als ortskundiger Weggefährte rechnete Schmitt genau vor, daß Bürgermeister Altenkamp nur 521 Schritte von seinem Domizil zum Vereinslokal des Schachclubs in der Hasselgrundhalle gehen müßte - Grund genug, bei einer Lücke im prallen Terminkalender zu einer Schachpartie vorbei zu kommen.

In vorderster Reihe standen Vertreter des Schachsports Rede und Antwort: Dr. Friedrich Bittner (Pressewart), Rudolf Fellner (Gründungs-Vorstand) Roland Bettenbühl (Vorstand), Hans-Walter Schmitt (Moderator), GM Artur Jussupow, Norbert Altenkamp (Bürgermeister), Dr. Wolfgang Gordon (Vorstand Schachverein Hofheim und Repräsentant des Hessischen  Schachverbands), Hans-Dieter Post (Chesstigers und Repräsentant des MTS-Bezirks).

"Ich schätze das Ambiente von Bad Soden sehr und komme immer wieder gerne hierher." (GM Artur Jussupow in der Pressekonferenz)

      Die Geschichte.

Leo Graf Tolstei: Schach als Entspannung von "Krieg und Frieden"

Insbesondere die Geschichte des Schachspiels in Bad Soden zeigt auf, daß die Bäderstadt im Vordertaunus schon immer ein Mekka der Schachspieler war.

Die zahlreichen russischen Kurbesucher nutzten durchaus das Schachspiel zur Freizeitgestaltung. Unter ihnen war auch Leo Graf Tolstoi, der die Bäderstadt im Jahre 1860 besuchte und in einer Villa residierte, die in der typischen Bad Sodener Bäderarchitektur gebaut war. Sie lag an der Königsteiner Straße direkt gegenüber dem historischen Kurhaus, an dessen Lokalität sich heute das Ramada-Treff Hotel befindet.

Im gleichen Jahr (1860) residierte ein anderes Genie des Geistes, der Komponist Richard Wagner, in Bad Soden, als er nach Jahren seines Asyls wieder deutschen Boden betrat. Als Richard Wagner sich während der Leipziger Revolution 1849 politisch äußerte und die Ideale der Jahrzehnte zurückliegenden Französischen Revolution (1789) publizistisch in der Öffentlichkeit vertrat, wurde er von seinem Landesfürsten in Sachsen mit Acht und Bann belegt.

Richard Wagner entzog sich der drohenden Verhaftung und begab sich ins Exil. Wenn Musikfreunde heute der nahezu überirdisch klingenden Ouvertüre zu "Lohengrin" lauschen, erinnert sich kaum einer unter ihnen an den politischen "Revoluzzer" in Wagners Vita und denkt schon gar nicht daran, sich mit den politischen Ideen des Komponisten zu solidarisieren. Hätte jedoch Richard Wagner im Exil auch Schach gespielt, wäre er sicherlich in die geistige Ahnengalerie des genialen Schachweltmeisters Bobby Fischer eingereiht worden, der in diesen Tagen in einer Gefängniszelle in Tokio das Drama des Exils und den Kampf gegen eine Auslieferung in die USA durchlebt.

Musik-Genie Richard Wagner:
steckbrieflich gesucht
Schach-Genie Bobby Fischer:
steckbrieflich gesucht

Noch ist es ungewiß, ob eine von Hans-Walter Schmitt initiierte Aktion "Free Bobby Fischer" erfolgreich sein wird - auf alle Fälle hat Schmitt einen klugen Schachzug gemacht, als er Bundesinnenminister Otto Schilly, auch ein prominenter Schachspieler, die Bitte um Asylgewährung und ein Angebot unterbreitete, das Bobby Fischer  "Kost und Logis" in Bad Soden garantierte.

Doch die Bad Sodener Bürger der Jahrhundertwende hatten kein gesteigertes Interesse am Schach, sie hatten eher handfeste finanzielle Interessen im Auge und wollten mit Salz Kohle machen. In der Folge konzentrierten sie sich auf den Ausbau des Bäder- und Kurwesens in Bad Soden. Vielleicht wäre sonst der Schachclub Bad Soden schon hundert Jahre früher gegründet worden.

Der historische Zweikampf Bezirk 5 gegen 7 aus dem Jahre 1927.
Foto: mit freundlicher Genehmigung von Renate Niebling zur Verfügung gestellt.

Eine zweite Gelegenheit zur Vereinsgründung ließen die Bad Sodener nochmals verstreichen, als 1924 der Weltverband FIDE und ein Jahr danach in 1925 die Main-Taunus-Schachvereinigung gegründet wurden. Der erste Schach-Vergleichskampf folgte dann zwei Jahre später in 1927, als sich 57 Spieler des Bezirks 5 (Frankfurt) und die des Bezirks 7 (Main-Taunus) zu einem Zweikampf im alten Kurhaus trafen - just am gleichen Ort, wo heute das Ramada-Treff-Hotel in Bad Soden steht.. Alle Teilnehmer waren zeitgemäß nach der damaligen Mode in schwarze Anzüge und Hemden gekleidet - so adrett präsentierten sich die Schachspieler der Öffentlichkeit.

      Die Gründung.

Gründungsmitglieder 
 
Rudi Fellner 
 
Rudi Schäfer 

Werner Kraus

Kai-Uwe Tebbe

Ohne Foto: Michael Härtfelder, Gerhard Hochgesand, Johannes Holland, Ernst Kasperek, Jürgen Mende, Georg Maurer, Gerwin Pelka, Christian Polydore, Stefan Rimbach, Tomas Rimbach, Frank Schwörer und Ute Wawrzyniak.

1979 war es dann endlich soweit. Eine Handvoll Schachbegeisterte wollte keine weiteren Gelegenheiten verstreichen lassen und gründeten kurzerhand den Schachclub Bad Soden: Rudolf Fellner, Michael Härtfelder, Gerhard Hochgesand, Johannes Holland, Ernst Kasperek, Werner Kraus, Jürgen Mende, Georg Maurer, Gerwin Pelka, Christian Polydore, Stefan Rimbach, Tomas Rimbach, Rudi Schäfer, Frank Schwörer, Kai-Uwe Tebbe und Ute Wawrzyniak.

Das Glück der späten Gründung können die damaligen Vorreiter noch heute genießen, treten doch einige der Gründungsmitglieder immer noch in den Mannschaftskämpfen der MTS-Ligen an und schnuppern an den Vereins-Spielabenden immer wieder die Luft des schweigsamen Gedanken-Zweikampfs an den 64 Feldern, die ihnen vor 25 Jahren und auch heute noch die Welt bedeuteten.

      Die Konkurrenz. Dr. Wolfgang Gordon, Vorstand des Bundesliga-Nachbarn SV Hochheim und als Vertreter des Hessischen Schachbundes anwesend, berichtete in seiner kurzen Ansprache im Rahmen der Jubiläums-Pressekonferenz über den Mut der Gründungsmitglieder.

Trotz stärkster Konkurrenz in den Nachbar-Gemeinden Sulzbach, Eschborn, Steinbach, Liederbach, Kelsterbach, Höchst und Frankfurt-Zeilsheim mit bereits bestehenden Schachvereinen folgten die Bad Sodener Gründungsväter ihrem Wunsch, einen eigenen Schachclub in der Bäderstadt zu haben.

Noch konnte der schachliche Leistungsstand der Bad Sodener Clubspieler nicht an den einiger Nachbar-Vereine angepasst werden - dazu hing die Meßlatte einfach sehr hoch: Der Nachbar-Verein SV-Hofheim spielt in der ersten Bundesliga mit.

      Das Mekka. Herausragende schachliche Ereignisse wie die Veranstaltung der Hessenmeisterschaft durch den Schachclub Bad Soden im Jahr 1987 oder die Frankfurt Chess-Classic 2000 zeigten auf, dass Bad Soden eine Anzeihungskraft auf die Schachgrößen von Nah und Fern ausübte, aber leider reichte dies noch nicht für eine Initialzündung schachliche Spitzenleistungen.

      Das Simultan I. 1981 veranstaltete der Schachclub Bad Soden ein viel beachtetes Simultan mit dem 73jährigen Salo Flohr, der zwei Jahre später, am 18.7.1983 starb. Wer war Salo Flohr? Weltmeister Botvinnik schreib über Salo Flohr: "In den 1930er Jahren zitterten alle vor Salo Flohr".

Salo Flohr bei einem Simultan in Opava (Czechien).
Foto: Sachovy klub TJ Slezan Opava

Salo Flohr bei einem Simultan in Bad Soden 1981

Seine Wiege stand in Horodenka (Polen/Ukraine). Salo Flohr (1908- 1983) verlor im ersten Weltkrieg die Eltern und kam 1916 nach Prag.

Eine Blindsimultan-vorstellung des deutschen Meisters Jacques Mieses beeindruckte den Vierzehnjährigen derart, dass er beschloss, sich dem Schach zu verschreiben.

Mit geistreichen Schachreportagen machte sich Flohr zuerst als Autor einen Namen.

Doch Turniererfolge ließen nicht lange auf sich warten. Er siegte in Prag (1930), Brünn (1931), Hastings (1932, 33, 34), Scheveningen (1933), Moskau (1935), Podebrady und Margate (1936).

Flohr sekundierte Max Euwe 1935 beim WM-Sieg über Aljechin.

Nachdem dieser zwei Jahre später den Titel zurückeroberte, wurde Flohr vom Weltschachbund FIDE zum Herausforderer bestimmt, doch der Krieg verhinderte den Titelkampf. (Quelle: Paul Werner Wagner, BerlinOnline)

      Der Direktor

Hans-Walter Schmitt beim Vereinsabend des Schachclub Bad Soden

Spitzenleistungen hat hingegen Turnier-Direktor Hans-Walter Schmitt mit der Veranstaltung der "Frankfurt Chess Classic" erbracht, die 2000 im Ramada-Treff-Hotel als weltweit erstes und bisher einmaliges TOP-10-Turnier der Schach-Weltelite stattfanden.

In einer weltweit einzigartigen "Premiere der Top Ten" gelang es Hans-Walter Schmitt, die Weltspitze an einen Tisch und an die Bretter zu bringen.

Das Turnierhotel Ramada-Treff Hotel in Bad Soden bildete einen hervorragenden Rahmen, um die Ausnahme-Könner aus nächster Nähe beobachten zu können.

Garri Kasparow, Viswanathan Anand, Wladimir Kramnik, Alexej Schirow, Alexander Morosewitsch, Peter Leko, Michael Adams, Wassili Iwantschuk, Jewgeni Barejew und Wesselin Topalow gaben sich in der Bäderstadt ein Stelldichein.

      Die Heinzelmännchen.  Hinter den Kulissen arbeiteten eine Reihe von Vereinsmitgliedern intensiv, um diese Jubiläumsveranstaltung zum Erfolg zu machen. Herzlichen Dank geht an Roland Bettenbühl, Dr. Friedrich Bittner, Gerolf Dietz, Rudolf Fellner, Geerti Frank, Kurt Fredershausen, Gerhard Kenk, Else Mangold, Dr,. Gunnar Philipp, Dieter Ruppel, Rudi Schäfer, Stefan Schmieder, Hans-Walter Schmitt, Geir Smith-Meyer, Kai-Uwe Tebbe und Horst Woywod.

      Die Premiere.

Der Würfel für Chess960

Eine Neuerung hatten sich die Planer des Jubiläums-Simultans dann insgeheim ausgeheckt. Anstatt üblicherweise ein Simultan in der klassischen Schachaufstellung an zahlreichen Brettern zu spielen, entschieden sich die Veranstalter, gemeinsam mit GM Artur Jussupow ein gemischtes Simultan mit den Brettern in der Klassischen Aufstellung als auch in der neuen Chess960-Variante zu spielen. Nach den Prinzipien der Chess960-Spielweise wird die Grundstellung der Figuren erst unmittelbar vor Partiebeginn ausgelost - dadurch können beide Spieler keine wohlvorbereiteten Eröffnungen spielen: Schachspass pur statt Theorie in Reinkultur.

      Das Simultan II.

Am Ende der einzigartigen Simultan-Exhibitin gab es folgendes Schlussergebnis:

Gesamt:           31,5 : 3,5
Normal:            22,0 : 3,0 und
Chess960:          9,5 : 0,5

Julien Leach

Der 10jährige Julien Leach hat bravourös remis gehalten und hat in besserer Stellung (Bauern mehr) dem GM Artur Jussupow remis angeboten, der es gerne angenommen hatte, aber auch die Cleverness des jungen Turnierspielers Julien hervorhob:

„Es ist eine große Kunst im richtigen Moment remis anzubieten und der Kleine hat das perfekt gemacht, ich habe sehr gerne akzeptiert" erklärte Jussupow später.

Bürgermeister Norbert Altenkamp (links) und Vorstand Roland Bettenbühl beim Chess960-Simultan Foto: Heiko Hegner, Bad Sodener Zeitung

Bei insgesamt 35 Partien hat Jussupow 28 gewonnen, 7 remis gespielt und keine einzige verloren. Die Bad Sodener Spitzenspieler Rödiger, Dr. Bittner und Fellner haben mit starken Leistungen remisiert.

Auch die zweite Reihe mit Fredershausen und Ackermann konnten gut gespielte Partien remisieren – der kleine Julien Leach hat ebenfalls super gekämpft und sehr gut gespielt.

Beim Chess960 konnte der Vertreter des Hessischen Schachverbandes Hans-Dieter Post ein remis erreichen – hier hatte sich Artur Jussupow zum Leidwesen der neugierigen Spieler zu  Beginn der Partien besonders hereingekniet.

Die Premiere 25 mal Normalschach gemischt mit weiteren 10 unterschiedlichen Stellungen aus dem Chess960 Bereich zu spielen bedurfte einer besonderen Energieleistung des 44-jährigen Großmeisters und Schachlehrers.

Er wollte unbedingt ein gutes Ergebnis erreichen, damit in die Annalen dieses Novums ein gutes Resultat eingetragen werden kann…

      Der Unterschied.

Was macht eigentlich ein gemischtes Simultan mit klassischem Schach und Chess960 mit den ausgelosten Startposition so einzigartig und interessant? 

Glückauf: GM Artur Jussupow (links) mit Hans-Walter-Schmitt (rechts)

Innovative Schachspieler wählen Chess960, weil es dort ähnlich wie bei einem Sumo-Ringkampf schon von der ersten Sekunde an mächtig zur Sache geht.

Auch kann der Gegner nicht von seinem unermeßlichen theoretischen Eröffnungsfundus profitieren, denn jede Ausgangsstellung ist wieder anders.

Im klassischen Schach finden sich hingegen diejenigen Spieler zu Hause, die in großer Hoffnung darauf bauen, mit den schwarzen Figuren den Großmeister quasi kraft Zeitvorteil überspielen zu können.

Während GM Jussupow jeder Stellung an den 26 Klassik-Brettern nur wenige Sekunden zur Analyse widmen konnte und somit Schnellschach auf höchstem Niveau praktizierte, blieben den Gegnern doch immerhin lange Minuten, bis die Runde des Großmeisters fertig war und er wieder am eigenen Brett stand.

Das Gleichgewicht der Kräfte

      Die Spielstärke.

Als GM Artur Jussupow am nächsten Tag beim gemeinsamen Frühstück auf diesen Unterschied angesprochen wurde, meinte er verschmitzt lächelnd, dass eigentlich der Chess960-Spieler gegen ihn einen schwierigeren Stand hätte.

 "Weil jede Position völlig neu und ungewöhnlich ist, denke ich länger und intensiver über meinen nächsten Zug nach - dabei hat der Chess960-Spieler (lächelnd) vielleicht schlechtere Chancen."

Um so bemerkenswerter ist also das Remis zu bewerten, das Hans-Dieter Post als Repräsentant des Hessischen Schachverbands gegen GM Jussupow erzielte.

 

      Die Begegnung.

Bürgermeister Norbert Altenkamp (links) und GM vishy Anand (rechts)

Für Bürgermeister Norbert Altenkamp war es schon die zweite Begegnung mit Schach innerhalb kürzester Zeit. Nur wenige Wochen zuvor hatte er die Ehre, anlässlich eines Empfangs der Punjabi International Society im indischen Maharani Restaurant einen Bad Sodener Bürger zu ehren, der in Schachkreisen eine ungeahnte Popularität hat, jedoch in der Badestadt zunächst nur den Schach-Insidern bekannt ist: GM Vishy Anand, Sportler des Jahres in Indien und Serien-Gewinner der Chess Classic Mainz, wohnt während seiner europäischen Turnier-Tour in Bad Soden.

Und so war es für Bürgermeister Altenkamp ein nicht alltägliches Novum, die Ansprache zu Ehren des Großmeisters auf englisch zu halten. GM Vishy Anand hingegen hat seinen Aufenthalt in Bad Soden auch genutzt, um fließend Deutsch zu lernen, so dass er jeden Small-Talk mit Norbert Altenkamp und anderen Bad Sodener Bürgern problemlos auf Deutsch gestalten kann. Altenkamps zweite Begegnung mit dem Schachspiel führte ihn in diesem Wettstreit am Simultan-Brett gleich mit GM Artur Jussupow gegen einen Weltspitzen-Spieler. Altenkamp zog sich in der ungleichen Begegnung und der ungewohnten Chess960-Startposition achtbar aus der Affäre und musste wie viele anderen Schachspieler erst nach längerem Kampf sich dem Großmeister geschlagen geben.

      Die Einzelergebnisse. Die Endergebnisse des Simultans in der Einzelwertung. In der "klassischen" Startformation spielten die Bretter 1 - 25. Die Position der Figuren an den Brettern 26-35 wurden unmittelbar vor Spielbeginn ausgelost, waren also den Spielern vorher nicht bekannt.

Nr. Name Vorname DWZ Zeit Ergebnis Position
1 Rödiger Thomas 1940 21:12  1/2:1/2 TSLDKLST
2 Bittner Dr. Friedrich 1934 21:25  1/2:1/2 TSLDKLST
3 Fellner Rudolf 1854 19:48  1/2:1/2 TSLDKLST
4 Großjohann Daniel 1844 19:47  1:0 TSLDKLST
5 Schöwer Torsten 1837 21:12  1:0 TSLDKLST
6 Dietz Gerolf 1794 21:05  1:0 TSLDKLST
7 Zöller Raimund 1784 20:59  1:0 TSLDKLST
8 Kraus Werner 1780 20:58  1:0 TSLDKLST
9 Hegner Peter 1673 21:26  1:0 TSLDKLST
10 Götting Ulrich 1650 21:21  1:0 TSLDKLST
11 Hannemann Christian 1505 21:26  1:0 TSLDKLST
12 Petersen Christof 1460 19:54  1:0 TSLDKLST
13 Ackermann Robert 1433 21:26  1/2:1/2 TSLDKLST
14 Leach Julien 1335 20:18  1/2:1/2 TSLDKLST
15 Meyer Stefan 1320 21:10  1:0 TSLDKLST
16 Schmieder Stefan 1285 20:02  1:0 TSLDKLST
17 Schäfer Rudi 1276 20:49  1:0 TSLDKLST
18 Ruppel Dieter 1270 20:02  1:0 TSLDKLST
19 Fredershausen Kurt 1248 19:52  1/2:1/2 TSLDKLST
20 Merz-Zönnchen Rolf 1203 19:24  1:0 TSLDKLST
21 Malinowski Klaus 1203 20:38  1:0 TSLDKLST
22 Mangold Else 1193 21:14  1:0 TSLDKLST
23 Leach Christoph 1036 19:41  1:0 TSLDKLST
24 Schmakowski Oliver 1029 20:59  1:0 TSLDKLST
25 Hoss Michael 889 20:10  1:0  22 : 3
26 Klotz Daniela 20:43  0:1 DLLSSTKT
27 Spreng Sebastian 1156 19:25  0:1 LDSTSKTL
28 Lintchuk Dimitrij 995 20:08  0:1 LSTLSKTD
29 Meisgeier Sven 1639 20:48  0:1 SDTKLLST
30 Philipp Dr. Gunnar 1935 19:05  0:1 STKDLSTL
31 Smith-Meyer Geir 1718 21:23  0:1 STLKSLTD
32 Kenk Gerhard 1417 20:48  0:1 STKTDSLL
33 Post Hans-Dieter 1809 19:20  1/2:1/2 LLTSSDKT
34 Bettenbühl Roland 1560 20:47  0:1 TLSSLKDT
35 Altenkamp Norbert 19:19  0:1 TSKLLDST
  1485 31,5 : 3,5 9,5 : 0,5

      Das Echo. In der Presse fand das Jubiläum des Schachclubs natürlich auch eine Resonanz, der schnellste "rasende Reporter" war Olaf Zimmermann mit seinem Bericht "Kleine Denker am Brett", der in der Franfurter Rundschau sowohl in der Printausgabe als auch in der Online-Zeitung gleich am Montag morgen (13.9.2004) veröffentlicht wurde. Er schreibt:


 
Kleine Denker am Brett
 
Bad Sodener Schachclub feiert 25-jähriges Bestehen / Simultanturnier mit russischem Großmeister Artur Jussupow
 
u seinem 25. Vereinsjubiläum hat der Bad Sodener Schachclub seinen Nachwuchsspielern ein besonderes Erlebnis beschert: Mit Artur Jussupow trat am Wochenende ein Schachgroßmeister ans Brett, um sich im Simultanturnier mit 35 heimischen Schachspielern gleichzeitig zu messen.
 
VON OLAF ZIMMERMANN
 
Bad Soden · 12. September · Schachspieler gelten als ruhige, grübelnde Denker. Doch das ist natürlich ein Vorurteil. Zwar wird am Samstag im Bethmann-Saal des Ramada-Hotels nur im Flüsterton gesprochen, während der russische Schach-Großmeister Artur Jussupow gegen 35 heimische Schachspieler antritt. Doch grüblerische Ruhe herrscht nicht. Immer wieder verlassen Spieler den Saal, nehmen sich eine Auszeit, um rechtzeitig wieder da zu sein, wenn der Großmeister ihren Platz erreicht.

Mit dem Simultanturnier setzt der Verein erneut ein Novum in der Schachwelt. Denn nicht nur klassische Partien werden am Samstag ausgetragen, sondern auch zehn Partien nach den Regeln des so genannten Chess 960 - ein System, das der legendäre Schachweltmeister Bobby Fischer austüftelte. Dabei werden die Positionen der Offiziere hinter der Bauernreihe nach einem Zufallsprinzip ausgelost - und damit alle Schachtheorie über Eröffnungsstrategien über den Haufen geworfen.

"Da muss man improvisieren", sagt Hans-Walter Schmitt, seit Jahren als Organisator der Chess Classic eine Größe im Turniergeschäft. Einmal, im Jahr 2000, machte das internationale Turnier Station in Bad Soden und sorgte dort für Schlagzeilen: Erstmals, sagt Schmitt, sei es damals gelungen die zehn besten Weltrangspieler in einem Turnier zu vereinen.
 
Hohe Zuwachsraten

Doch internationale Schützenhilfe braucht der Verein im Grunde nicht, auch wenn er sich sportlich noch nicht mit den Erfolgen der Bundesliga-Kollegen aus Hofheim vergleichen kann. Der Bad Sodener Schachclub glänzt durch Nachwuchsarbeit. Seit vier Jahren ist der Club der am schnellsten wachsende Schachclub Deutschlands. 80 der 120 Spieler sind jünger als 18 Jahre. "Eine Erfolgsstory", freut sich Bürgermeister Norbert Altenkamp (CDU), auch im Vergleich zu anderen Sportvereinen der Stadt habe der Schachclub die höchsten Zuwachsraten. Schon macht das Wort von der Trendsportart die Runde. Das Geheimnis des Erfolgs hat Vorsitzender Roland Bettenbühl entdeckt. Mit Plakaten warb er an den Schulen und weckte sofort Neugierde. Dass die nicht verebbt, dafür sorgt der Nachwuchs selbst: "Ich lasse die Jugendlichen viel gegeneinander spielen", sagt Bettenbühl. Besonders die Jungs würden sich gern miteinander messen.

Noch lieber tun sie das gegen eine Großmeister wie Artur Jussupow, einst Anwärter auf die Schachkrone, Bundesligaspieler und vor allem Schachdidakt. Auch der 13-jährige Christof Petersen und der zehnjährige Julien Leach sind mit von der Partie. Ruhig und gelassen setzt sich der Zehnjährige ans Brett und zwirbelt vom ersten Zug an gedankenversunken an seinen Haarspitzen. "Na ja, ausgeglichen", sagt er nach ein paar Zügen. Christof plagt hingegen bereits ein dickes Problem: Seine Dame hat sich zwischen gegnerischem Läufer und Pferd verfangen, ein Kugelschreiber zwischen den Fingerspitzen muss für Inspiration sorgen. Doch es kommt ganz dicke: Schon nach dem achten Zug ist die Dame futsch und damit auch seine Verteidiungsstrategie. "Ich fühl' mich ordentlich klein gemacht", sagt der 13-Jährige und ändert die Taktik: "Nur nicht als erster im Turnier Matt gehen", sagt er.

Das gelingt auch Bürgermeister Norbert Altenkamp. Er hatte sich mit dem Chess 960 gemüht und erntet Lob von allen Seiten für sein Durchhaltevermögen. Der zehnjährige Julien, der im Verein als Nachwuchshoffnung gilt, macht seinem Talent alle Ehre. Während andere Spieler schon Mühe haben, sich des Schachs zu erwehren, hat er die Partie geschickt verzögert. "Es ist noch nicht richtig losgegangen", sagt Julien knapp und "Ich will das Spiel möglichst lange hinausziehen." Das gelingt dem Zehnjährigen, auch wenn ihm die Zeit nach zwei Stunden zunehmend lang wird. Immer wieder steht er auf, schlendert zum Fenster und schaut auch mal bei seinem Großvater vorbei, wie es um dessen Partie steht. Am Ende hat die ruhige Art des Jungen Erfolg: Er ist einer der wenigen, die dem Großmeister am Ende ein Remis abtrotzen.

Quelle/URL:  http://www.fr-aktuell.de/ressorts/frankfurt_und_hessen/lokal_rundschau/maintaunus/wiesbaden/?cnt=503457

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Schachclub feierte sein 25-jähriges Bestehen im Ramada-Treff-Hotel
Der kleine Julian holte ein Remis
Bad Soden. Dynamisch und sympathisch – so präsentiert sich der Bad Sodener Schachclub in der Öffentlichkeit. Vor 25 Jahren wurde der Verein gegründet, dem manche keine lange Überlebenschance gaben. Die Skeptiker haben sich getäuscht: Der Schachclub hat sich in Bad Soden etabliert und bietet eine engagierte Jugendarbeit. Grund genug also, um das 25-jährige Bestehen im Ramada-Treff-Hotel zu feiern.

Mit der Verpflichtung von Großmeister Artur Jussupow machten die Schächer einen sehr guten Griff. Zum einen bot der einst zur Weltspitze zählende Großmeister am Freitagabend einen Trainingsabend an – auch über die russische Verteidigung –, zum anderen stellte er sich am Samstagnachmittag bei einem Simultan-Turnier insgesamt 35 Gegnern. Ein Novum war dabei, dass Jussupow und seine Gegner an 25 Brettern klassisches Schach spielten, an den restlichen Brettern war dann das von Bobby Fischer propagierte Chess 960 angesagt. Nur einer, Hans-Dieter Post, konnte bei Chess 960 dem Großmeister ein Remis abknöpfen. Beim klassischen Schach musste Jussupow in sechs Unentschieden einwilligen. Übrigens hat ein Bad Sodener für die Verbreitung von Chess 960 gesorgt: Hans Walter Schmitt. Der Organisator der Chess-Classic-Tage in Mainz, selbst Mitglied im Bad Sodener Schachclub, übernahm die Moderation bei einer Pressekonferenz.

Zurück zum Jubiläum: Am 22. Juni 1979 gründeten Rudolf Fellner, Michael Härtfelder, Gerhard Hochgesand, Johannes Holland, Ernst Kasperek, Werner Kraus, Jürgen Mende, Georg Maurer, Gerwin Pelka, Christian Polydore, Stefan Rimbach, Tomas Rimbach, Rudi Schäfer, Frank Schwörer, Kai-Uwe Tebbe und Ute Wawrzyniak den Bad Sodener Schachclub. Weil es im Kreisgebiet schon etliche Schachvereine gab, sagten viele «Insider» dem neuen Bad Sodener Verein keine lange Zukunft voraus. Sie täuschten sich alle.

So richtete der Bad Sodener Schachclub bereits im Jahr 1987 die Hessenmeisterschaften aus. Der damalige russische Spitzenspieler Salo Flohr wurde einige Jahre zuvor, 1981, für ein Simultan-Turnier in der Kurstadt verpflichtet, und Hans-Walter Schmitt lockte im Jahr 2000 die besten Schachspieler der Welt zu einem Turnier nach Bad Soden. Der heutige Vorsitzende Roland Bettenbühl ist natürlich froh über das Engagement der damaligen Führungsmannschaft. Doch ein Schachverein braucht nun einmal auch Nachwuchsspieler, sonst droht der Stillstand im Vereinsleben. «Wir haben die Werbung intensiviert. Mit Plakataktionen in den Schulen und Kindergärten und der Teilnahme an den Neubürgerempfängen haben wir auf unseren Club aufmerksam gemacht», erläutert Bettenbühl. Der Aufwand hat sich gelohnt, heute sind 60 Prozent der Mitglieder Jugendliche. Dazu ist der Bad Sodener Schachclub mit nun aktuell 120 Personen einer der mitgliederstärksten Vereine in Hessen. Für Roland Bettenbühl ist klar, dass das Schachspiel kein Schattendasein als Randsportart verbringen kann. Im Gegenteil. «Es ist zur Trendsportart geworden», meint der Schachclub-Chef, der noch ein gewichtiges Argument vorbringt: «Jeder kann gegen jeden spielen.» So sorge das Schachspiel auch für Integration. In Bad Soden ist diese Ansicht auf jeden Fall vertretbar. Nachwuchshoffnungen wie Julian Leach (10), der Jussupow beim Simultan ein Remis abknöpfte, geben dem Vorsitzenden recht. Bei seiner Arbeit kann er sich auf ein eingespieltes Team verlassen. Dazu gehören unter anderem auch der Verantwortliche für den Internetauftritt des Vereins, Gerhard Kenk, Jugendwart Michael Hoss sowie Pressewart Dr. Friedrich Bittner. Doch noch viele weitere Mitglieder arbeiten ehrenamtlich für den Verein. Bei den Vorbereitungen für das Jubiläum hat beispielsweise Geerti Frank einen Großteil der Arbeiten übernommen. Viel Organisationstalent erfordert der Spielbetrieb für die insgesamt zehn Mannschaften, die der Bad Sodener Schachclub zu den Verbandsrunden gemeldet hat. Die Erste Mannschaft spielt seit einigen Jahren in der Main-Taunus-Liga und möchte gerne den Aufstieg in die Landesliga packen. (meh)

 

Die Bad Sodner Zeitung schreib am 15. September 2004:
25 Jahre Schach-Club Bad Soden - Simultan mit 35 Partien

Der jüngste Teilnehmer Christoph Leach (8). Foto: Heiko Hegner

Etwas ganz Besonderes hatte sich der Schachclub Bad Soden mit seinem 1. Vorsitzenden Roland Bettenbühl zum 25-jährigen Bestehen ausgedacht - ein Simultan-Turnier mit dem deutschen Schachgr0ßmeister und Nr. 1 der deutschen Nationalmannschaft, Artur Jussupow.

35 Partien spielte der deutsche Großmeister gegen eine gemischte Runde aus Jung und Alt. Der jüngste Teilnehmer, Christoph Leach (8Jahre), war genau 70 Jahre jünger als der älteste, Dr. Friedrich Bittner. 25 Partien wurden nach der traditionellen Aufstellung ausgetragen und zehn nach der neuen Chess960-Random-Methode (die BSZ berichtete).

Der älteste Teilnehmer: Dr. Bittner (78). Foto Heiko Hegner

Bürgermeister Altenkamp eröffnete als Schirmherr mit der Aufstellung 543 und hielt sich bis zu seinem Termin bedingten Ausscheiden recht wacker. Der erst zehn Jahre alte Julian Leach erreichte ein beachtliches Unentschieden. Insgesamt gewann Jussupow 28 von 35 Partien und spielte sieben mal remis - darunter gegen die Sodener Spitzenspieler Rödiger, Dr. Bittner und Fellner.

Der Schachclub ist der zur Zeit am stärksten wachsende Verein in Bad Soden. 120 Mitglieder zählt er und ist damit auch der größte Club in Hessen. Dabei kann er auf eine lange Tradition über die 25 Jahre hinausblicken. Bereits 1925 fand im Saal des damaligen Kurhauses das 1. Schachturnier zwischen Frankfurt und Bad Soden statt. Und im Jahre 2000 wurde in Bad Soden an gleicher Stelle das einzige Top-Ten-Turnier der Geschichte mit zehn Großmeistern [der kompletten] Weltspitze gespielt. H.H.

[15.9.2004]

Giacomo Greco
um 1620

      Catenaccio verkehrt oder wie ein Italiener die Russische Verteidigung knackt. Schon der Italiener Giacomo Greco wurde im Schachspiel mit den tückischen Varianten der russischen Verteidigung konfrontiert - wie die nachstehende Partie aus dem Jahr 1620 (!) darlegt.

Doch gegen den anonymen Spieler mit den Schwarzen Steinen demonstrierte Greco schon äusserst moderne Prinzipien des Schachspiels: Eröffnungskampf um die Beherrschung des Zentrums, Fesselung von Figuren, Abwehr eines Figurenangriffs durch Gegenangriff auf eine höherwertige Figur, Angebot eines Figurenopfers in Verbindung mit der Drohung eines Doppelangriffs auf Dame und König.

Es dauerte noch 300 Jahre, bis ein Wegbereiter des modernen Schachs, Aaron Nimzowitsch, in seinem auch von GM Artur Jussupow geliebten Buch "Mein System" 1925 über den positionellen Kampf vulgo die langsame Belagerung der ungedeckten Basis schrieb: "Man suche den Druck gegen die Basis so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, zum mindestens aber bis zum Entstehen neuer Schwächen im gegnerischen Lager. Hernach wird der Kampfplan modifiziert: die ursprüngliche Schwäche wird freigegeben, die neue mit größter Energie angegriffen!".

Greco, Giacomo - NN
1620
1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 Der Gegenangriff der Russischen Verteidigung   3.Sxe5 Sxe4 4.De2 De7 5.Dxe4 d6 6.d4 f6 7.f4 Sd7 8.Sc3 dxe5 9.Sd5 Dd6 10.dxe5 fxe5 11.fxe5 Dc6 12.Lb5 Greco bietet ein Läufer-Opfer an und droht mit Sxc7 einen tödlichen Doppelangriff auf König und Dame. Dc5 13.Le3 Dxb5 14.Sxc7+ Kd8 15.Sxb5

Heute bietet die Russische Verteidigung eher die Möglichkeiten eines aggressiven frühen Gegenangriffs auf den weißen Zentrumsbauern e4. So bezeichnet GM Artur Jussupow in seinem Klassiker "Die Russische Verteidigung" (Zürich 1999) einige besonders spannende Abspiele: "Das Cochrane-Gambit läßt die Herzen all derer höher schlagen, die einen Adrenalin-Stoß gut vertragen. Für die geopferte Figur erhält Weiß zwei Bauern und erlangt die Initiative. Seine Popularität verdankt dieses System den emsigen Bemühungen des lettischen Meisters Witolinsch. Allerdings ist dieses Gambit meiner Ansicht nach nur zu 90% korrekt; gegen starke Defensivspieler sollte man es lieber nicht ausprobieren."

      From Russia with Love... Schon Filmheld James Bond musste schmerzhaft feststellen, daß "Liebesgrüsse aus Moskau" nicht immer ihr Versprechen halten.

Jussupow Palast, St. Petersburg

So vermittelt auch das Image der russischen Adelsfamilie Jussupow mit einem Prunkpalast an der St. Petersburger Mojka unermesslichen Reichtum und Pracht, doch mit diesem Palast sind auch dunkle Seiten aus der Geschichte Russlands verbunden. Denn in den Untergeschoss-Räumen das Palasts fand der Wunderheiler und Zarenberater Rasputin ein unheilvolles Ende.

Rasputin, der "Heilige Mönch" aus Sibirien, kam 1907 an den Hof nach Sankt-Petersburg, um den einzigen Sohn der Zarenfamilie Alexej, der an einer unheilbaren Blutkrankheit litt, zu helfen. Rasputin half dem Jungen, auch wenn er die Krankheit nicht heilen konnte. Durch seine Fähigkeiten der Prophezeiung gewann er zunehmend mehr Einfluss auf die Zarenfamilie. Alexandra Fjödorowna, die Ehefrau des Zaren Nikolaus II., stand unter seinem Einfluß und war ihm mystisch verfallen.

Grigory Rasputin

Zar Nikolaus II war auch ein Promoter des Schachs. Der Titel eines Großmeisters wurde von ihm nach einem Turnier in St. Petersburg verliehen. Der Titel Großmeister wurde informell bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts verwendet. Allgemein als Großmeister anerkannt wurden erstmals die fünf Preisträger des stark besetzten Turniers in Sankt Petersburg 1914: Emanuel Lasker, José Raúl Capablanca, Siegbert Tarrasch, Alexander Aljechin und Frank Marshall.

Zurück zu Rasputin. Während Zar Nikolaus II. an der Front war, unterstützte er die Zarin mit fraglichen Voraussagen, um seine  eigenen Interessen zu vertreten und schadete ihren Ruf. Tatsächlich sagte Rasputin den 1. Weltkrieg voraus.

Am 17 Dez. 1916 wird Rasputin von Angestellten der Zarenfamilie, Fürst Felix Jussupow und seinen Anhängern ermordet. Nur war es gar nicht so leicht, seinen Tod herbeizuführen.

Zunächst reichte man Rasputin mit Zyankali vergifteten Kuchen, den er genußvoll verzehrte, ohne daß die gewünschte Wirkung eintrat (der Zucker neutralisierte das Gift teilweise). Die Verschwörer schossen danach auf Rasputin und als er immer noch nicht sterben wollte, warf man ihn schließlich in ein Eisloch eines Nebenkanals der Mojka, wo er schliesslich unter dem Eis ertrank.

GM Artur Jussupow beim Ordix Open, Chess Classic Mainz. Foto: News in Chess

Obwohl die Strömung des Flusses Richtung Meer treibt, fand man seine Leiche flussaufwärts an der Krestowski-Insel.

Wenige Tage vor seinem Tod hatte Rasputin prophezeit, dass nach seiner Ermordung alle Familienangehörigen der Romanows eines gewaltsamen Todes sterben würden. Eine Weissagung, die sich schnell bewahrheiten sollte.

Ähnlich dramatisch, aber mit einem glücklicheren Ende, erging es GM Artur Jussupow.

Viele Jahre gehörte der Juniorenweltmeister von 1977 zur Weltspitze im Schach. Zehn Jahre nach dem Gewinn der Juniorenweltmeisterschaft erreichte 1987 ein anderer Jung-Star diese Auszeichnung, als der Inder Vishy Anand den Titel holte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jussupow war in den 1990er Jahren ein heißer Anwärter für die WM-Kandidaten-Qualifikation (damals wurden von der FIDE noch regelmässig und geordnet Ausscheidungskämpfe zur Qualifikation des WM-Herausforderers organisiert). Im Jahre 1991 traf er in Brüssel im WM-Kandidaten-Viertelfinale auf den Ukrainer Wassili Iwantschuk. Der Zweikampf musste in einer Tiebreak-Partie mit 60 Minuten Bedenkzeit entschieden werden. In dieser Partie spielte Iwantschuk am Damenflügel konsequent auf Angriff und damit auf Sieg. Doch nach dem 22. Zug von Weiss zog Schwarz seine Dame auf h5 - in den blauen Augen von GM Artur Jussupow blitzte der Killer-Instinkt des russischen Bären auf. Wie dieses Match ausging? Spielen Sie >>>hier diese denkwürdige Partie nach.

From Russia with Love... Doch Abseits vom Schachbrett nahmen Artur Jussupows Leben und Schachkarriere einen dramatischen Verlauf: Als Jussupow 1990 bei einem Raubüberfall in seiner Moskauer Wohnung niedergeschossen wurde, trat er nach seiner Genesung den Weg in den Westen an. 1991 kam er im Rahmen eines Engagements bei Bayern München nach Deutschland und machte sich daraufhin in Süddeutschland seßhaft. Heute spielt er in der Schach-Bundesliga für die SG 1868 Aljechin Solingen, seine Frau Nadia im heimischen SK Krumbach (Bezirk Mittelschwaben) und auch die Kinder Alexander und Ekaterina treten in die Fußstapfen des berühmten Vaters und spielten zuletzt bei den Chess Classic Mainz 2004 mit, wo die 13-jährige Ekaterina wie schon im Vorjahr einen Jugendpreis gewann.

      Premiere mit GM Artur Jussupow

GM Artur Jussupow

Wenn GM Artur Jussupow im Rahmen der 25jährigen Jubiläumsveranstaltung am 11. September 2004 zur grossen Simultan-Exhibition im Ramada Treff Hotel in Bad Soden antritt, können sich die Schachfreunde auf eine Premiere im Schach freuen.

Erstmals wird in einer Simultan-Veranstaltung an 35 Brettern sowohl nach den klassischen Schachregeln als auch gleichzeitig nach den Regeln des Chess960 gespielt.

Die Spieler mit den schwarzen Figuren beginnen hierbei mit der "klassischen" Aufstellung der Figuren auf der Grundlinie, die Chess960-Spieler mit den weißen Figuren losen kurz vor Partiebeginn die Startstellung aus. GM Artur Jussupow spielt also an den Brettern der Simultan-Exhibition abwechselnd "klassisch" und "Chess960".

Während sich die Anhänger des klassischen Schachs auf den ausgefahrenen Wegen der hinlänglich bekannten Eröffnungstheorie bewegen, können andererseits die Chess960-Spieler schon vor dem ersten Zug sich mit der neu ausgeloste Grundstellung der Figuren auf eine Kreativitäts-Wanderung freuen: Vorbei sind die bekannten Muster der Sizilianischen Drachenvariante, der Petroff-Verteidigung oder des Wolga-Gambits. Und so müssen Chess960-Spieler vielleicht auch Abschied von ihrer Lieblingseröffnung wie dem London-Collé System nehmen und von Anfang an die Grundprinzipien des Schachs verwirklichen.

Chess960: mit Würfel wird die Grundstellung der Figuren ausgelost

Doch im weiteren Verlauf der Chess960-Partie gleichen sich die Herausforderungen aus der jeweiligen Position immer mehr den klassischen Schachprinzipien an. Nach der Rochade befindet sich der König in der bekannten Position auf c1 oder g1 mit dem jeweiligen Turm an seiner Seite wieder - und ein Turm- oder Bauern-Endspiel wird nach den gleichen Prinzipien wie im klassischen Schach zum erfolgreichen Ende geführt.

Das Simultan mit GM Artur Jussupow bietet für Zuschauer eine willkommene Gelegenheit, einen der Spitzenspieler in Deutschland in Aktion zu sehen. Auch der Partieverlauf einer klassischen Eröffnung im Vergleich zur eher improvisierten Eröffnung in Chess960 wird für Zuschauer und Spielteilnehmer reizvoll sein.

Die Simultan-Exhibition beginnt am 11. September um 16:00 Uhr im Ramada Treff Hotel in Bad Soden. Und ab 20:30 Uhr können Freunde des Schachverein Bad Soden am Jubiläums-Dinner teilnehmen (Anmeldung erforderlich - Kostenbeitrag Euro 22.- pro Person). Der Trainer: Jussupow Schachakademie.

Und wer an Chess960 Gefallen gefunden hat, kann wenige Wochen später diese Spielweise beim grossen Jubiläumsturnier von Frankfurt-West ausprobieren: vom 29. bis 31. Oktober findet das Chess960-Jubiläums-Open des SC Frankfurt-West www.frankfurt-west.de statt.[29.8.2004]

      Zum Jubiläumsauftakt: Giuoco Piano oder die Italienische Partie.

Ristorante La Cucina, Bad Soden/Ts

Ristorante La Cucina in Bad Soden

 Wer kennt nicht wie jeder Schach-Novize das Spiel lernt? Die Grundregeln der Schacheröffnungen werden Anfängern nahezu ausnahmslos anhand der ersten Züge 1. e4 e5 sowie 2. Sf3 Sc6 und 3. Lc4 Lc5 anschaulich erläutert.

Diese Eröffnung ist eine der ältesten Varianten und wurde schon im Jahr 1490 im Göttinger Manuscript sowie von Damiano 1512 und Greco in 1600 erwähnt.

Im Gegensatz zur Bezeichnung "Giuoco Piano" oder "ruhige Partie" entpuppt sich diese Variante als ausserordentlich dynamisch und komplex.

Eine "ruhige Partie" der etwas anderen Variante haben die Schachspieler aus Bad Soden anlässlich des ersten Trainingsabends mit GM Artur Jussupow geplant.

Schon lange her: Rap-Sängerin Sabrina Setlur und Tennis-Star Boris Becker flüstern über die Geheimnisse der Italienischen Eröffnung.

Nach der Theorie lassen die Teilnehmer den Trainingsabend bei einem gemeinsamen Abendessen mit einer "Italienischen Partie" im Ristorante "La Cucina" in Bad Soden, Ecke Alleestrasse und Brunnenstrasse unweit der Hasselgrundhalle am Freitag, den 10. September ab 21:30 Uhr ausklingen.

Wenn auch die Turtel-Touren des Tennis-Titanen und TV-Talkmasters Boris Becker mit der Sängerin Sabrina Setlur in der intim-schummrigen Bar des "La Cucina" mittlerweile der Vergangenheit angehören, stehen die italienischen Spezialitäten, die von Chef Mario Bello und seinem Team serviert werden, im Vordergrund. [29.8.2004]

      Zwei Spieler vom Schachclub Bad Soden erstmals auf der neuen Weltrangliste der WNCA.  Als Geir Smith-Meyer und Dimitrij Lintchuk bei den Chess Classic Mainz 2004 am FiNet-Open, einem Schnellschachturnier nach den Chess960-Regeln, teilnahmen, ahnten sie vielleicht nicht, daß ihre Namen bald in einer Weltrangliste auftauchen würden.

Chess960:
Neue Weltrangliste jetzt verfügbar

Doch die Teilnahme am FiNet-Open bei Chess Classic Mainz 2004 bescherte den beiden nicht nur erste Turniererfahrung und Punkte im Chess960, sondern sie schafften es auch auf die Weltrangliste der WNCA (World New Chess Association).

Dimitrij Lintchuk plazierte sich auf Rang 385, Geir Smith-Meyer wird seit August 2004 nun auf Rang 344 geführt. [28.8.2004]

 >>>die Weltrangliste der WNCA

>>>Fischer Random Chess spielen

Die Fischer Random Chess Regeln im Überblick:

Fischer Random Chess (FRC) ist Bobby Fischers neue und verbesserte Variante des Shuffle Chess. Bevor die Partie anfängt, werden die Bauern auf beiden Seiten wie im klassischen Schach auf der 2. und 7. Reihe aufgestellt.
Während alle Figuren wie gewohnt ziehen und die Bauern auf der zweiten Reihe bleiben, werden die Positionen der Offiziere ausgelost. Dabei gibt es einige Regeln, die zum Beispiel garantieren, dass jeder einen weiß- und einen schwarzfeldrigen Läufer bekommt. Um die Chancengleichheit beider Seiten zu wahren, erhält Schwarz die spiegelbildliche Grundstellung. Außerdem ist es wichtig , dass ein Turm links vom König steht und der andere Turm sich auf der rechten Seite des Königs befindet. Bei der Auslosung der Grundstellung gibt es 960 verschiedene mögliche Anordnungen.
Eine wichtige Nuance, die FRC vom Shuffle Chess unterscheidet, ist das Rochade-Recht. Weil nicht weniger als 960 Grundstellungen möglich sind, wurde das Rochade-Recht angepasst und erweitert. (Eric van Reem)

Besondere Jubiläums-Glückwünsche erhielten wir von einem in Schachkreisen bekannten Bad Sodener:

Bad Sodener Bürger:
Roland Bettenbühl, Aruna & Vishy Anand, Gerhard Kenk

"Hallo liebe Schachfreunde, hier spricht Vishy Anand aus Bad Soden am Taunus. Zum 25. Jubiläum des Schachclub Bad Soden wünsche ich den Mitgliedern, Gästen, Freunden des Vereins alles Gute und viele erfolgreiche Partien in den kommenden Jahren. Meine besonderen Grüsse gehen an den Vorsitzenden Roland Bettenbühl und den Webmaster Gerhard Kenk. Ich wünsche ein gutes Händchen bei allen schachlichen Aktivitäten und hoffe, daß es bald einmal einen Bad Sodener Grossmeister gibt. Zum 10. Mal bin ich jetzt bei den Chess Classic in Mainz dabei und ich verspreche Ihnen, dass Alexei Schirow und ich interessante Partien spielen werden und es den Chess960-Freunden verdammt schwer machen werde, besser zu sein."
(Bitte schalten Sie die PC-Lautsprecher ein und klicken Sie hier, um diese Sprachnachricht im Original-Sound zu hören.) [2.8.2004]

      Aus dem Nähkästchen geplaudert: Die Rubrik "Schach+Training" enthält mittlerweile über 75 Schachpartien und Theorie-Aufgaben, die auf bequeme Weise interaktiv am Bildschirm nachvollzogen werden können. Hierbei findet man Partien von Vereinsmitgliedern oder auch Großmeisterpartien aus der Welt des Schachs. Im Jahr 2004 verzeichneten folgende Partien die häufigsten Online-Aufrufe:

  1. Zweschper - Felmy (MTS-Mannschaftskämpfe): 199 Online-Aufrufe
  2. Köppen - Smith-Meyer (MTS-Mannschaftskämpfe): 155 Online-Aufrufe
  3. Vogel - Krivec (Europäische Meisterschaften der Frauen, Dresden 2004): 136 Online-Aufrufe
  4. Krenzer - Smith-Meyer (MTS-Mannschaftskämpfe): 129 Online-Aufrufe
  5. Fredershausen - Abbe (MTS-Mannschaftskämpfe): 125 Online-Aufrufe
  6. Felmy - Dietz (Vereinsmeisterschaften): 124 Online-Aufrufe

Somit erfreuen sich die Partien von Benjamin Felmy (Vereinsmeister) und Geir Smith-Meyer grosser Beliebtheit. Aktueller Neuzugang in der Rubrik Schach+Training ist die Tie-Break-Schnellschachpartie zwischen Wassilij Iwantschuk und Artur Jussupow anlässlich des WM-Kandidaten-Viertelfinales in Brüssel aus dem Jahr 1991.

      Trotz Sommerflaute: Die Webseite des Schachclub Bad Soden verzeichnet einen fast dreifachen Besucherzuwachs gegenüber dem Vorjahresmonat August 2003 - und das in einem kontinuierlichen Aufwärtstrend. Vor Jahresfrist wurde die Webseite von 1848 Besuchern im Monat aufgerufen - für die typische Vereinsseite an und für sich schon ein prima Wert. Im abgelaufenen Monat August 2004  informierten sich 5.375 Besucher über das Schachgeschehen. Übrigens: Wenn's gefällt, empfehlen Sie www.schachclub-badsoden.de einfach weiter...

 

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