Schachclub Bad Soden

 
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Streifzug Computerschach

Wenn der Gegner leise surrt, nie müde wird und (fast) immer gewinnt, dann spielen Sie höchstwahrscheinlich gegen einen Computer Schach. Außerdem verfügen Sie wahrscheinlich über herausragende Leidensfähigkeiten, denn spätestens wenn Sie das Computerprogramm auf Ihre eigene Spielstärke einstellen, gibt es nur eins: Die obligatorische Niederlage ist quasi vorprogrammiert.

Das war in der Vergangenheit nicht immer so - wird aber für die Zukunft wahrscheinlich noch schlimmer (für den menschlichen Schachspieler) werden.

Die Anfänge des Computerschachs gehen weit in die Geschichte zurück. Findige Gaukler hatten schon früh die Faszination des Wettkampfes zwischen Mensch und Maschine erkannt und konstruierten eine mechanische  Schachmaschine.

Abbildung von Don Collins zur Verfügung gestellt - Quelle: http://www.cowderoy.com/graphics/turk3.htm Ein für die damalige Zeit beachtliches Wunderwerk wurde von Wolfgang von Kempelen in Pressburg, Ungarn konstruiert. Kempelen baute einen  Walnuß-Schrank auf Rädern. Hinter dem Schränkchen war ein Mannequin verborgen, das in Mantel und Turban verkleidet war und als "The Turk", der Türke, bezeichnet wurde.  Diese Maschine wurde 1770 in Wien am Hof der österreichischen Kaiserin Maria Theresia ausgestellt und mit einem Schachbrett ausgestattet. Türen und Paneele waren geöffnet um zu zeigen, dass niemand in diesem Automat versteckt war, denn er war gefüllt mit mechanischen Rädchen und Zieheinrichtungen, die wie ein Uhrwerk aussahen. Anschließend wurde die ganze Maschine wie eine Uhr aufgezogen und begann so die Illusion, Schach zu spielen.  Auf Ausstellungen in Paris und 1803 in London begeisterte "The Turk" das Publikum und sogar der Schriftsteller Edgar Allen Poe schrieb ein Essay über einen Schach-Automaten.

Später, als dann endlich Edison die elektrische Glühbirne erfunden hatte, Konrad Zuse endlich den ersten Computer gebaut hatte und die Mathematiker wie Alan Turing, John von Neumann oder Claude Shannon richtig rechnen lernten, schlug die eigentliche Geburtsstunde des Computerschachs. 

Nach holprigen Anfängen hatten die Computer-Experten ihr erstes Erfolgserlebnis und im Jahr 1956 in Alamos (USA) gewann erstmals ein Computerprogramm gegen einen Menschen. Doch in dieser Partie ging es mit "gezinkten Karten" zu Werke: Das Computerprogramm spielte gegen eine Frau, die erst kurz zuvor die Regeln des Schachspiels erlernt hatte und auch das Spielfeld mit 6x6 Feldern ohne Läufer wurden eingeschränkt, um das Elektronenhirn nicht zu überfordern. 

Wer jetzt schnell den feministischen Zeigefinger hebt, sei gleich wieder ruhig gestellt: Frauen spielen nicht grundsätzlich schwächer als Männer. Vielleicht nehmen sich nur weniger Frauen die nötige Zeit für dieses Hobby. Eine der Frauen, die sich ausreichend Zeit für dieses Spiel genommen haben, ist die Ungarin Judit Polgar. Judit Polgar - Quelle: http://www.myhero.com/images/sports/polgar/polgar.jpg Mit einer ELO-Wertungszahl von 2685 steht sie auf Rang 18 der (Männer-)Weltrangliste, und damit lässt sie in ihrer Spielstärke nahezu die gesamte deutsche (mit Lutz und Dr. Hübner), niederländische, spanische und amerikanische Elite der männlichen Großmeister zurück. Und auch beim letzten Grand-Prix-Turnier in Dubai musste der FIDE-Weltmeister Ruslan Ponomariov die Schmach einer Erstrundenniederlage und den Turnier-Exit gegen die chinesische Großmeisterin Zhu Chen hinnehmen. 

Viel beachtet wurde der Zweikampf zwischen dem damaligen Weltmeister Gary Kasparov und einem Computer-Programm namens "Deep Blue", welches von der Firma IBM entwickelt wurde. Das Computerprogramm gewann gegen Kasparov und einige Experten waren der Auffassung, dass sich der Weltmeister nicht ausreichend auf die besondere Spielweise des Gegners hatte vorbereiten können. Heutige Großmeister kennen schliesslich fast alle Vorlieben und Schwächen ihrer Gegner schon bevor der erste Zug aufs Brett gestellt wird. 

Zur Zeit geht es in einer Neuauflage des Kampfes Mensch gegen Maschine zwischen dem Weltmeister Vladimir Kramnik und "Deep Fritz" wieder um viel Geld und Prestige. Im Wüstenstaat Bahrain messen sich Kramnik und Deep Fritz in einem auf 8 Partien angesetzten Wettkampf.  

Auch heutige Schachprogramme müssen ganz fleißig rechnen und vergleichen, um die Feinheiten einer Position und die Suche nach dem besten Zug erfolgreich abzuschließen.

In der Eröffnungsphase greifen Schachprogramme auf riesige Eröffnungsbibliotheken zurück und holen sich so Tipps, welche der Eröffnungszüge besonders erfolgreich sein könnten. Im Mittelfeld werden die möglichen Stellungen in Entscheidungsbäumen immer weiter verfeinert und bewertet. Damit sich die Programme nicht in unendlichen Schleifen verzetteln, wenden diese Strategien an, um offensichtlich schlechte Züge und Positionen erst gar nicht detailliert auszurechnen zu müssen. Fachleute sprechen hier mit Begriffen wie  Alpha-Beta-Verfahren, Suchbaumexplosionen, Hashtabellen, Killerlisten oder Null-Move-Techniken ihre eigene Sprache, die auch nicht das geringste mit dem unter Schachspieler üblichen Jargon von Damengambit, Orang-Utan, Königsindisch oder Wolga-Gambit zu tun haben. 

Und wenn Sie wieder einmal Ihre eigene Leidensfähigkeit im Spiel gegen den Computer auf eine ausdauernde, verlustreiche Probe gestellt haben, können Sie einfach den Strom abschalten und sich trösten: Berühmtere Menschen als Sie und ich haben schließlich schon gegen Maschinen verloren. Zum Trost zeigen wir, wie Napoleon Bonaparte 1809 in Schönbrunn bei Wien in 24 Zügen gegen "The Turk" mattgesetzt wurde.

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